Kein Adressat für Stimmen: Wie der taiwanesische Rundfunk vom Staatslautsprecher zum öffentlichen Raum wurde

Von den Probeststrahlen 1925 über die Japanische Sendeanstalt, das Nachkriegs „Taiwan Voice“ bis zu den parteipolitischen und untergründlichen Sendern – eine Spur, wie der Empfänger zugleich Befehle, Lieder, Sprachen und nicht ganz so leicht zum Schweigen gebrachte Erfahrungen aus der Provinz transportierte.

Im Juni 1925 nutzte das taiwanesische Präsidialamt die 30. Jahresfeier der Verwaltung für eine zehntägige Probeststrahlung. Im Oktober 1928 wurde das Taiwanese Sendungsamt offiziell gegründet. Im Februar 1931 begann der halboffizielle taiwanesische Rundfunkverein zu arbeiten.1 2

Diese drei Daten scheinen eine geradlinige technologische Fortschreitung vorzugehen. Tatsächlich trug der Rundfunk von Anfang an zwei Naturen in sich: Er konnte Befehle in tausendfältige Haushalte senden, doch er konnte auch ein Lied, ein Stück Theater oder eine lokale Geschichte spielen, sodass die Menschen am Empfänger ihre eigenen Lebensgeschichten in den von der Regelung vorgegebenen Zeitplan einbauen konnten.

Die Geschichte des Rundfunks fragt daher nicht nur danach, „in welchem Jahr welche Anstalt eröffnet wurde“. Vielmehr gilt es zu hinterfragen: Wer darf sprechen, wer als Zuhörer bestimmt ist, welche Sprache in den Mikrofonstab darf und ob die Zuhörer – nachdem sie einen Staatslautsprecher erhalten haben – diesen auch zu ihrer eigenen Stimme umfunktionieren können.

30-Sekunden-Überblick: Die Widersprüche des taiwanesischen Rundfunks liegen nicht darin, dass er einmal kontrolliert wurde, sondern dass die Kontrollmächte Unterhaltung, Musik, Dialekte und Alltagshandlungen nutzen mussten, um die Propaganda wirklich haften zu machen.

Bevor der Rundfunk in jedes Haus kam

Die zehntägige Probeststrahlung im Jahr 1925 bestand nicht darin, Rundfunkgeräte direkt in jedes Haus zu schicken. In Taipehs neuen Park, am Taipeher Krankenhaus, an der Taiping-Schule in Dajiazhuang sowie in Postämtern, Gemeindezentren und Stadtrathäusern wurden Rundfunkgeräte aufgestellt – manchmal sogar auf Autos geladen, die durch die Straßen fuhren und Lautsprecher hatten. Die Inhalte umfassten Nachrichtenmitschnitte, Vorträge, Platten, Kinderlieder, westliche Musik, traditionelle taiwanesische Musik und Wettervorhersagen.3

Dieses öffentliche Zuhören wird leicht übersehen. Als der Rundfunk gerade erst entstand, hörten die Leute nicht unbedingt in ihrer eigenen Wohnung zu, sondern stellten sich in öffentlichen Gebäuden, Schulen oder an Straßenecken zusammen. Die Stimmen drangen zuerst in eine Gruppe von Menschen ein, bevor sie später allmählich zu einem Hintergrundgeräusch in privaten Familien wurden.

1927 erließ das taiwanesische Präsidialamt Vorschriften zum Rundfunkempfang, wobei damals nur 128 Haushalte offiziell registriert waren. Nach der Gründung des Taiwanese Rundfunkamts 1928 wurde der Rundfunk von einem Luxusgut zu einem kostenpflichtigen, registrierten und gewarteten Alltagsgegenstand.3

Der Preis und die technische Hürde des Rundfunks bestimmten auch die frühesten Zuhörer. Lü Shao-li's Forschung zeigt, dass der taiwanesische Rundfunkmarkt während der japanischen Kolonialherrschaft von Kapital, Technologie und regionalen Bedingungen dominiert wurde; Händler gehörten zu den eher zugänglichen Nutzern, während die Möglichkeiten der taiwanesischen Zuhörer nicht mit denen der japanischen Zuhörer übereinstimmten.1

Ein detaillierter Aspekt, der nicht mit dem Bild der „Modernisierung“ übereinstimmt: Der Rundfunk konnte die Distanz überbrücken, aber nicht automatisch die Klassengrenzen. Wellen sehen keine Barrieren, doch Rundfunkgeräte, Strom, Empfangsgebühren und Sprache waren alle sichtbar.

Der taiwanesische Rundfunkverein: Sendungen entstehen nicht von selbst

Nach der offiziellen Eröffnung im Jahr 1931 war der taiwanesische Rundfunkverein für die Erweiterung der Zuhörerzahl, die Reparatur von Geräten und die Behebung von Empfangsproblemen verantwortlich. Die Entwicklung des Rundfunks umfasste nicht nur den Aufbau der Anstalt, sondern auch die Produktion von Programmen, Personalangelegenheiten, Finanzen, Gebühren und die Verwaltung der Zuhörer.1

Die Organisation des taiwanesischen Rundfunks war von Anfang an mit den Regierungszielen der Kolonialmacht verbunden. Forschungen zeigen, dass die Rundfunkprogramme unter der Assimilierungspolitik und politischer Einflussnahme standen, wodurch der Raum für taiwanesische Dialekte stark begrenzt war. Der Rundfunk konnte Gesundheit, Brandprävention, Verkehrsicherheit und Rundfunkübungen vermitteln, doch er konnte auch nationale Identität, Kriegsanstrengungen und koloniale Ordnung in Form täglicher, fester gesendeter Töne verpacken.2

Doch der Rundfunk blieb nicht nur die Sprache der Befehle. In den 1930er Jahren tauchte der Rundfunk auch in Cafés, Geschäften und städtischen Unterhaltungsräumen auf. Eine Studie der Nationalen Universität für Politikwissenschaft rekonstruierte diese Erfahrung anhand von Zeitungsdaten und literarischen Werken und stellte fest, dass der Rundfunk präzise Uhrzeit, Wirtschaftsnachrichten, Popkultur und Konsumlebensstil in den städtischen Alltag brachte. Seine Echtzeitigkeit veränderte die Art und Weise, wie Menschen auf Nachrichten warteten, und verband Taipeh mit dem japanischen Festland sowie sogar mit größeren globalen Medienmärkten.3

Manche hörten im Geschäft Wirtschaftsnachrichten, andere nutzten den Rundfunk als Musikquelle, wieder andere erinnerten sich nur an die Geschichten in den Sendungen. Selbst wenn die Programmgestalter klare erzieherische Ziele verfolgten, konnten die Zuhörer dennoch nur einen Teil davon in ihr Leben integrieren. Die Kontrolle des Rundfunks war nie so einfach wie ein Knopfdruck – sie musste zuerst attraktiv genug sein, um gehört zu werden.

📝 Kuratorische Anmerkung: Die Regierung kann den Zeitplan bestimmen, aber nicht vollständig bestimmen, was in der Familie am Rundfunkgerät besprochen wird.

Vom japanischen Rundfunkamt zum Nachkriegs „Taiwan Voice“

Nach 1945 übernahm das taiwanesische Rundfunkradio die Rundfunkgeräte und -netze der japanischen Kolonialherrschaft. Im Juni 1946 startete das taiwanesische Rundfunkradio den Monatsbericht „Taiwan Voice“, der bis Dezember 1950 mit insgesamt 54 Ausgaben erschienen ist. Er enthielt Rundfunkskripte, Rundfunkspiele, Noten, Mandarin-Lektionen, Minnan-Sprachkurse, Kindergeschichten, Familienkurse und literarische Werke.4

„Taiwan Voice“ verdeutlicht gut die doppelte Aufgabe des Rundfunks im Nachkriegszeitalter. Die Gründungsrede erklärte, der Rundfunk solle „Augen und Ohren gleichermaßen“ dienen und durch Stimmen und Texte kulturellen Wiederaufbau betreiben. Eine Studie der Nationalen Taiwan Universität zeigt, dass dieses Projekt die Spuren der japanischen Kolonialherrschaft entfernen, taiwanesische Kultur verankern, wissenschaftliches Wissen verbreiten und die Nachkriegsgesellschaft neu gestalten sollte.5

Derselbe Monat aber verwendete nicht nur eine einzige Sprache. Ende 1947 wurde der Rundfunk in drei Kanäle aufgespalten: Erster, zweiter und dritter Rundfunk, wobei der zweite Kanal ausschließlich auf Minnanisch gesprochen wurde und speziell für einheimische Zuhörer konzipiert war.5 Archivmaterial des Nationalen Taiwan Literatur Museums zeigt zudem, dass die frühen Ausgaben von „Taiwan Voice“ Minnanisch-Kurse, japanische Inhalte, Musik, Romane und Familienkurse enthielten, wobei sich die Sprache und redaktionelle Richtlinien später zunehmend dem politischen Klima anpassten.4

Diese Entwicklung lässt sich nicht als „nach 1945 wurde der lokale Klang sofort verboten“ oder „der Rundfunk wurde frei“ vereinfachen. Genauer gesagt: Die Rundfunkanstalt musste zunächst verschiedene Sprachgruppen bedienen, bevor sie unter dem Druck der 228-Ereignisse, der Kriegsrechtsverordnung, der Mandarin-Sprachpolitik und der Kriegsanstrengungen der Kalten Krieges die verfügbaren Sprachen und Inhalte neu ordnete.

„Taiwan Voice“ hinterließ noch eine weitere Spur: Der Rundfunk war nicht nur das, was die Menschen am Empfänger hörten, sondern auch das, was sie lesen, sammeln und recherchieren konnten. Wenn die ursprünglichen Töne schwer zu bewahren waren, wurden Programmzeitschriften, Rundfunkskripte, Noten und Werbeanzeigen zu wichtigen Zugängen für die Nachverfolgung der Nachkriegs-Klangkultur.4 5

Der Rundfunk wird zum Alltag – und in das Kriegssystem integriert

In den 1950er Jahren übernahm die Regierung die Rundfunkanlagen und -gewohnheiten der japanischen Kolonialherrschaft und integrierte den Rundfunk in das Propagandasystem des „Kampfes gegen den Kommunismus und den Ostblock“. Eine Studie des Nationalen Reichshistorischen Museums zeigt, dass nach 1945 die Sendeanstalten auf Taiwan in Rundfunkradios umbenannt wurden, 1946 die Organisation in das taiwanesische Rundfunkunternehmen umgewandelt wurde, 1949 das Unternehmen in Taipeh vollständig organisiert war und die „Bekämpfung des Kommunismus und der Sowjetunion“ als Hauptziel verankerte.6

Dieses System wurde nicht allein durch politische Reden aufrechterhalten. In den 1950er Jahren wurden Rundfunkspiele, gemeinsame Sendungen, Familieninhalte und andere Alltagsszenarien in die Programme eingebaut. Eine Studie von Lin Kuo-hsiang über das „Rundfunkmagazin“ zeigt, dass die Partei und die Regierung begannen, antikommunistisches Wissen in eine für die Menschen näherbringbare Rundfunkwelt zu integrieren, während militärische Vorbereitung und Alltag auf derselben Rundfunkanstalt koexistierten.7

Die Anzahl der Rundfunkgeräte stieg rasant an. Archivmaterial des Nationalen Reichshistorischen Museums zeigt, dass 1952 etwa 50.000 Geräte registriert waren, 1962 aber bereits über eine Million. Dieses Wachstum machte den Rundfunk zu einem der durchdringendsten Informations- und Unterhaltungsmediums Taiwans, bevor das Fernsehen weit verbreitet war.6

Eine Familie konnte morgens Fitnessübungen hören, nachmittags Marktberichte, abends Musik oder Rundfunkspiele – mit politischen Anweisungen zwischendurch. Das bedeutet nicht, dass die Familien jeden gesendeten Satz glaubten oder die Kontrolle umgingen. Es zeigt lediglich, dass die autoritäre Ordnung nicht nur in Parolen existierte, sondern auch in einem täglichen Zeitplan, in Rundfunkgewohnheiten und im Familienraum verborgen war.

Der private Rundfunk bewahrt die taiwanesische Sprache

Die Geschichte des Rundfunks während der Kriegsrechtsverordnung kann nicht als reine Geschichte der parteipolitischen Rundfunkanstalten geschrieben werden. Chou Fu-yi's Studie der privaten Rundfunkanstalten von 1952 bis 1987 zeigt, dass auch während der Kriegsrechtsverordnung mehr als zwanzig private Rundfunkanstalten aktiv waren. Da diese Anstalten weniger Ressourcen als die staatlichen hatten, mussten sie sich durch Werbung und Unterhaltungsprogramme finanzieren und daher in begrenztem Raum taiwanesische Dialekte, taiwanesische Lieder, Rundfunkspiele und Rundfunkliederproduktionen anbieten.8

Die Existenz privater Rundfunkanstalten bedeutete noch nicht automatisch freie Medien. Forschungen zeigen, dass einige der Gründer dieser Anstalten in den 1950er Jahren politische Hintergründe hatten und private Rundfunkanstalten ebenfalls staatlichen Anweisungen, Nachbesprechungen und Sicherheitskontrollen unterlagen.8 Dennoch blieb zwischen Kontrolle und Nutzung Spielraum. Programme brauchten Zuhörer, um Werbung zu generieren; Werbung benötigte Märkte; Märkte zwangen die Anstalten, auf die Sprache und Inhalte einzugehen, die die Menschen verstanden und langzeitlich hören wollten.

Daher waren taiwanesische Lieder und Rundfunkliederproduktionen nicht nur kulturelle Bewahrung, sondern auch eine Medienökonomie. Sie ermöglichten es den Anstalten zu überleben und ließen die durch die Mandarin-Sprachpolitik unterdrückten Sprachen im täglichen Klang weiterbestehen. Diese Geschichte darf nicht als „die Anstalten setzten sich mutig gegen den Staat“ geschrieben werden, da die meisten Anstalten weiterhin innerhalb der Kontrolle operierten. Eine genauerere Formulierung lautet: Private Rundfunkanstalten fanden in den Zwischenräumen der staatlichen Beschränkungen wirtschaftlichen Überlebensraum, und taiwanesische Sprache und lokale Kultur fanden genau in diesen Zwischenräumen ihre Zuhörer.

Von 1968 bis 1973, während der „Bewegung zum Wiederaufbau der chinesischen Kultur“, wurde der taiwanesische Sprachraum der privaten Rundfunkanstalten weiter eingeengt. Von 1974 bis 1987 verschärften sich die Vorabfreigabekontrollen und die Vorschriften des Rundfunk- und Fernsehgesetzes. Nach der Aufhebung der Kriegsrechtsverordnung wurden diese Kontrollen schrittweise durch Gesetzesänderungen gelockert.8

📝 Kuratorische Anmerkung: Manchmal bleibt eine lokale Sprache nicht durch einen klaren Sieg, sondern durch das Bedürfnis eines Programms, von jemandem gehört zu werden, von jemandem finanziert zu werden – und langsam durch den engen Spalt der Institutionen zu schlüpfen.

Der Rundfunk ist auch eine Schlacht in Osteuropa

Der taiwanesische Rundfunk darf nicht nur in die Geschichte der inneren Propaganda eingebettet werden. Kawashima Shin's Studie der „Rundfunkära“ von 1920 bis 1960 zeigt, dass das japanische Reich, die Kuomintang, die Kommunisten, die USA und die Sowjetunion alle den Rundfunk als Mittel zur Mobilisierung, Propaganda und Gegenreaktion betrachteten. Das Rundfunknetz erstreckte sich über Kolonien, Kriegsschauplätze und Sprachgrenzen und bildete ein osteuropäisches elektromagnetisches Kriegsgebiet.9

Dieser transnationale Blick korrigiert einen häufigen Irrtum: Der Rundfunk wurde nicht nur wegen der Regierungsabsicht „die Menschen zu erziehen“ wichtig, sondern auch, weil er Nachrichten in Echtzeit übertragen, nach außen senden, auf Empfangsfehler reagieren und fernste Kriegsereignisse in die Familie bringen konnte. Wellen haben keine Grenzen, doch Sender, Sprachwahl, Empfangsgeräte und Inhaltsprüfungen haben politische Grenzen.

Während der japanischen Kolonialherrschaft sendete Taiwans Rundfunk nach Japan. Ab 1934 drang Taiwans Rundfunk durch Relais und Übersee-Rundfunk in das Netzwerk der japanischen Kolonialmacht ein. Nach 1945 wurde der Rundfunk in das System der antikommunistischen Informationskriegsführung und der Propaganda des Kalten Krieges eingebunden. Obwohl verschiedene Regime unterschiedliche Sprachen und Feinde verwendeten, war das Bild des Rundfunks als „echt, universell, die Funktionalität von Alphabetisierung durchdringend“ weitgehend ähnlich.2 9

Die 228-Ereignisse, der Untergrundrundfunk und der öffentliche Klang

Die politische Rolle des Rundfunks wurde während der 228-Ereignisse im Jahr 1947 besonders deutlich. Materialien der „Bewegung für gute Kultur“ zeigen, dass die Menschen zuerst das taiwanesische Rundfunkradio besetzt haben, um die Ereignisse schnell auf der Insel zu verbreiten. Dieses Material stammt aus Zeitgenossenberichten und Vorträgen und eignet sich gut, um die Rolle des Rundfunks während der Ereignisse zu erläutern – es sollte jedoch nicht als einzige Erklärung für die Ausbreitungsgeschwindigkeit in verschiedenen Regionen herangezogen werden.10

Während der Kriegsrechtsverordnung unterstand auch der Rundfunk Nummernsystemen, Kontrollen und Reparaturbescheinigungen. Rundfunkprogramme mussten der Überwachung standhalten, verbotene Lieder und nicht genehmigte Skripte wurden zu häufigen Verstößen.10 Für die Zuhörer bedeutete diese Kontrolle, dass Rundfunkspiele, Volksgeschichten und Lieder gleichzeitig existierten. Der Rundfunk machte die Menschen fühlten, dass jemand für den Staat spricht – doch sie hofften auch, dass das nächste Programm etwas über ihre vertrauten Lebensumstände erzählen würde.

Ab 1990 entstanden zahlreiche Untergrundsender. Die „Bewegung für gute Kultur“ dokumentiert, dass 1993 jemand im „Taiwan Voice“-Sender die erste Anruf-Funktion etablierte, wodurch Untergrundsender zu einer Plattform für Politiker, zivilgesellschaftliche Organisationen und Arbeiter wurden, ihre Stimmen zu hören.

Untergrundsender waren kein natürliches Ergebnis der Aufhebung der Kriegsrechtsverordnung. Auch wenn die Kriegsrechtsverordnung 1987 aufgehoben wurde, blieben die Hürden für offizielle Anträge bestehen – die Beschränkungen verschwanden nicht von einem Tag auf den anderen. Untergrundsender entstanden, weil die Geschwindigkeit der Lockerung der Gesetze, die Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Forderung nach Stimmen und die Fähigkeit bestehender Medien, lokale Stimmen aufzunehmen, nicht synchron waren. Der Rundfunk wurde so wieder zu einem umkämpften öffentlichen Raum.

Der Rundfunk hinterlässt keinen einzigen Klang

Von den Probeststrahlen 1925 bis zu den Untergrundsendern in den 1990er Jahren wurde der taiwanesische Rundfunk mehrfach neu organisiert. Die Kolonialmacht integrierte ihn in Erziehung und Gesamtmobilisierung. Nach 1945 übernahm die Regierung die Anstalten und verwandelte den Rundfunk in ein Werkzeug für kulturellen Wiederaufbau, Mandarin-Sprachunterricht und antikommunistische Propaganda. Private Rundfunkanstalten bewahrten unter kommerziellem Druck und politischer Kontrolle taiwanesische Lieder, Rundfunkspiele und lokale Programme. Vor und nach der Aufhebung der Kriegsrechtsverordnung brachten Untergrundsender die ausgeschlossenen politischen Meinungen zurück in den Mikrofonstab.

Wenn man nur die Institutionen betrachtet, wäre die Geschichte des Rundfunks eine Abfolge von Kontrollmaßnahmen und Anstaltenumstrukturierungen. Wenn man nur die Popkultur betrachtet, vergisst man, warum Lieder, Geschichten und Rundfunkspiele in solchen Systemen Zeit und Raum finden mussten. Nur wenn beide Perspektiven zusammengeführt werden, wird deutlich, wo das wahre Gewicht des Rundfunks liegt: Er transportierte den Willen des Staates in den Alltag, doch er bewahrte auch die Stimmen, die nicht in die Systematik passten, für die Nachwelt.

Heute gewöhnen sich die Menschen an, mit Kopfhörern Werbung zu überspringen, Programme auszuwählen und die Geschwindigkeit anzupassen. Der alte Rundfunk hatte nicht so viele Optionen. Er war eher wie ein stets geöffnetes Fenster: Die Stimmen kamen von außen herein, und die Familien hörten im selben Raum dieselbe Melodie, dieselben Nachrichten und dasselbe Schweigen. Doch das Fenster ließ nicht nur den Staat hineinschauen – die Familien konnten auch lernen, welche Stimmen vertrauenswürdig sind und welche sie mit ein wenig Abstand belassen sollten.

Das Wichtigste, was die Geschichte des taiwanesischen Rundfunks zu bieten hat, ist nicht die Feststellung, dass „der Rundfunk einmal wichtig war“, sondern wie er unter Kontrollbedingungen weiterhin genutzt wurde. Jemand nutzte ihn, um Befehle zu übertragen; jemand verkaufte Lieder und Werbung damit; jemand lehrte Sprachen; jemand wartete auf ein Lied; und jemand schickte seine politische Meinung durch Anrufe in den öffentlichen Raum. Die Stimmen hatten keine feste Adresse, doch sie fanden stets einen Ort, an dem sie landeten.

Weiterführende Literatur

Anmerkungen

Dieser Artikel basiert auf akademischen Aufsätzen, staatlichen Archivstudien, Archivmaterial des Nationalen Taiwan Literatur Museums und lokalen kulturellen Organisationen. Bei der Behandlung von Rundfunkkontrollen wurden die Materialien der Kolonialregierung, der parteipolitischen Institutionen, der privaten Rundfunkanstalten und der Untergrundsender separat betrachtet, um die verschiedenen institutionellen Rahmenbedingungen nicht zu einer einzigen Linie zusammenzufassen.

Footnotes

  1. Lü Shao-li: Die Entstehung der taiwanesischen Rundfunkindustrie und des Rundfunkmarktes während der japanischen Kolonialherrschaft (1928–1945) — siehe detaillierte Materialien im Originaltext23
  2. Ke Jia-wen: Die Anwendung des Rundfunks durch die offizielle japanische Kolonialregierung (1928–1945) — siehe detaillierte Materialien im Originaltext23
  3. Wang Shu-mei: Medien und Modernität – Rundfunkerfahrungen und städtisches Leben in den 1930er Jahren auf Taiwan — siehe detaillierte Materialien im Originaltext23
  4. Nationales Taiwan Literatur Museum: Taiwan Voice — siehe detaillierte Materialien im Originaltext23
  5. Guo Jin-ye: Stimmen, Texte, Kultur – Studien zur künstlerischen Produktion der frühen Ausgaben von „Taiwan Voice“ — siehe detaillierte Materialien im Originaltext23
  6. Lin Kuo-hsiang: Der Aufbau antikommunistischen Wissens im Alltag – dargestellt anhand des „Rundfunkmagazins“ (1952–1956) — siehe detaillierte Materialien im Originaltext2
  7. Lin Kuo-hsiang: Der Aufbau antikommunistischen Wissens im Alltag – dargestellt anhand des „Rundfunkmagazins“ (1952–1956) — siehe detaillierte Materialien im Originaltext
  8. Chou Fu-yi: Aufstieg und Niedergang des privaten Rundfunks in Taiwan unter der Kriegsrechtsverordnung (1952–1987) — siehe detaillierte Materialien im Originaltext23
  9. Kawashima Shin: Krieg und Rundfunk – elektromagnetische Kriegsführung in Osteuropa — siehe detaillierte Materialien im Originaltext2
  10. Bewegung für gute Kultur: Die Stimmen des Volkes – Geschichte der taiwanesischen Rundfunkanstalten von der Kriegsrechtsverordnung zur Aufhebung — siehe detaillierte Materialien im Originaltext2
Über diesen Artikel Dieser Artikel wurde gemeinschaftlich sowie mit Unterstützung von AI verfasst und geprüft.
Schlagwörter
Rundfunkgeschichte Mediengeschichte Kriegsrecht Taiwanesisch Populärkultur
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