Taiwans Fünft- bis Neuntklässler: Dreissig Jahre «Erdbeer-Generation»-Vorwürfe, drei Generationen später – die ins Stocken geratene Rolltreppe unter den Füssen

Als der Begriff «Erdbeer-Generation» 1993 erstmals auftauchte, traf er die heutigen Fünftklässler, die nun am liebsten nostalgisch Yakult trinken. Dreissig Jahre lang wechselten die Adressaten, das Etikett blieb unverändert. Was sich tatsächlich zwischen den fünf Generationen verschob, ist jene Rolltreppe, auf der «Anstrengung lohnt sich» galt: Sie wurde ab 2002 langsamer, der Einstieg wurde durch Immobilienpreise verteuert, dann spaltete sie sich in zwei Stränge – der reine Lohn-Strang kam fast zum Stillstand, der mit Elternkapital finanzierte bewegt sich noch.

Taiwans Fünft- bis Neuntklässler: Dreissig Jahre «Erdbeer-Generation»-Vorwürfe, drei Generationen später – die ins Stocken geratene Rolltreppe unter den Füssen
Bild: Wang Yu Ching / Office of the President · CC BY 2.0 · Originalquelle

30-Sekunden-Überblick: Taiwaner bezeichnen sich selbst als «X-Klässler», wobei die Zehnerstelle des Geburtsjahres im Minguo-Kalender genommen wird: Fünftklässler sind Jahrgänge Minguo 50–59 (1961–1970), fortlaufend bis zu den Neuntklässlern (2001–2010). Der seit dreissig Jahren verwendete Schimpfbegriff «Erdbeer-Generation» erschien 1993 erstmals in Print und zielte auf die damals Zwanzigjährigen – also die heutigen Fünfzigjährigen, die Fünftklässler1; anschliessend wanderte er weiter zu den Siebt-, Acht- und Neuntklässlern. Die Gescholtenen wechselten mehrmals, das Etikett blieb buchstabengetreu gleich. Was sich tatsächlich zwischen den fünf Generationen bewegte, ist die Rolltreppe unter ihren Füssen, auf der «Anstrengung wird belohnt» stand: Sie verlangsamte sich um 2002 herum, als Reallöhne und Produktivität auseinanderklafften2; gleichzeitig wurde der Einstieg durch Immobilienpreise verteuert – das Preis-Einkommens-Verhältnis in Taipeh stieg von 6,4-fach (2004) auf 15,41-fach (2025)3; schliesslich spaltete sie sich in zwei Stränge: der reine Lohn-Strang kam nahezu zum Stillstand, der mit Elternkapital (Anzahlung) finanzierte läuft noch.

Im März 2025 tauchte ein Account auf Threads auf und postete: «Niemand entdeckt mich mehr … sieht so aus, als müsste ich bald wieder dichtmachen.» Es war Wretch.cc (無名小站), der Jugendserver der Siebtklässler, der bereits Ende 2013 abgeschaltet worden war4. Unter zehntausend «Gefällt mir» sammelten sich Kommentare wie «Gebt mir meinen Account zurück» und «Aber wir haben alle Passwörter vergessen».

Da drückte eine ganze Generation «Gefällt mir» für einen Ort, den nur sie betreten konnten, für alle anderen unzugänglich. Jede Generation hat so einen Ort: der Fünftklässler-Laden (柑仔店), der Siebtklässler-Wretch.cc, der Neuntklässler-TikTok. Die eigentliche Generationsgrenze verläuft dort: nicht an Wertvorstellungen, sondern an fehlenden gemeinsamen Anmeldebildschirms.

Das Paradoxe: Das Wort, um das sich die fünf Generationen am heftigsten streiten, hat in dreissig Jahren mehrmals den Adressaten gewechselt, selbst aber kein einziges Zeichen geändert.

Ein Wort, dreissig Jahre gescholten, drei Mal andere Leute

Anfang der 1990er Jahre veröffentlichte die Berufsberaterin Weng Ching-yu (翁靜玉) das Buch «Bürogschichten» (《辦公室物語»); darin fiel zum ersten Mal der Begriff «Erdbeer-Generation» (草莓族). Damals gemeint waren nicht die heutigen Jugendlichen, sondern jene, die gerade ins Büro eingetreten waren – die in den 1960ern Geborenen, heute Fünfzigjährige, die am liebsten in Facebook-Gruppen die Tatung-Baby-Puppe (大同寶寶) und Yakult nostalgisch feiern: die Fünftklässler1.

Der Wikipedia-Eintrag dokumentiert diese Wanderung präzise: «Erdbeer-Generation» bezog sich ursprünglich auf die in den 1960ern Geborenen, also die Fünftklässler. Später rutschte die gängige Wahrnehmung kontinuierlich nach unten und meinte fortan Jugendliche ab den Siebtklässlern1. Ein Begriff, der einst eine bestimmte Gruppe Zwanzigjähriger beschimpfte, wurde dreissig Jahre später zur Sammelbezeichnung für «alle, die jünger sind als ich und mir nicht passen». Das Etikett beschreibt keine Generation, es beschreibt «Jugend» selbst – und Jugend ist ein wandelndes Ziel.

Die Bahn dieses Ziels liest sich wie eine Kurzgeschichte der taiwanischen Generationsgeschichte. 1993 traf es die Fünftklässler. In den 2000ern klebte es mainstream auf den Siebtklässlern. 2008, bei der «Wild Strawberry Movement» (野草莓運動), eigneten sich die gescholtenen Siebtklässler-Studierenden den Begriff einfach an und machten ihn zum Bewegungsnamen5. 2012 führte das Magazin Vision (遠見雜誌) zusammen mit Yahoo und Wretch.cc die Umfrage «Neue neun Jugend-Stämme» durch: 1129 Befragte zwischen 20 und 35 wählten das «am meisten rehabilitationsbedürftige Etikett» – «Erdbeer-Generation» lag mit 16,5 % auf Platz eins, gefolgt von «Parasite Singles» (啃老族) und «Smartphone-Zombies» (低頭族)6. In den 2020ern wanderte der Hut weiter hinab auf die Z-Generation, die Neuntklässler.

1993
«Erdbeer-Generation» erstmals in Print
Weng Ching-yu «Bürogschichten», zielte auf damals Zwanzigjährige, heute Fünfzigjährige (Fünftklässler)
2008
Gescholtene eignen sich Begriff an
«Wild Strawberry Movement»: Siebtklässler-Studierenden machen Schimpfwort zum Bewegungsnamen
2012
Platz 1 der rehabilitationsbedürftigen Etiketten
Vision×Yahoo×Wretch.cc Umfrage, 1129 Stimmen, «Erdbeer-Generation» 16,5 % an der Spitze
2020er
Hut rutscht zur Z-Generation
Dasselbe Wort, nun auf Neuntklässler, Inhalt unverändert

Sogar juristisch hält das Wort stand. Das Taiwaner Hochgericht urteilte in einem Prozess, «Erdbeer-Generation» bezeichne «junge, unerfahrene, nicht frustrierungsresistente Menschen» und sei ein «herabsetzender Begriff»1. Ein also von Gericht als abwertend anerkannter Begriff diente dreissig Jahre lang der jeweils älteren Generation als handlichstes Werkzeug, die jüngere zu kommentieren – weitergereicht von Generation zu Generation.

Den Ball zurückspielen: Jeder, der heute «die Jugend von heute ist eben Erdbeer-Generation» sagen will, sollte sich erinnern: Die ersten, die damit gemeint waren, könnten er selbst sein.

Keine gemeinsame Kindheit: Vom Laden zum TikTok

Wenn es eine Mauer zwischen den Generationen gibt, dann ist sie aus Kindheitserinnerungen gemauert. Breitet man die Kindheiten der fünf Generationen aus, stellt man eine stille Tatsache fest: Sie haben kaum etwas gemeinsam, woran sie sich gemeinsam erinnern.

Die Kindheit der Fünft- und Sechstklässler spielte sich im Laden (柑仔店) ab. Die 1969 auf den Markt gekommene Tatung-Baby-Puppe (大同寶寶) gab es nur als Gratiszugabe beim Kauf von Elektrogeräten im Wert von 10 000 NT-Dollar; das rot gekleidete Püppchen im Wohnzimmer war der Identitätsnachweis einer Familie, die vom Arbeiter- in den Mittelstand aufgestiegen war7. Yakult (養樂多) produzierte ab 1964 in Taiwan, eine Flasche kostete zwei Dollar, zugestellt von «Yakult-Müttern» mit Kühlboxen, Haus für Haus8. Nach der Schule: Prince Noodles (王子麵), Science Noodles (科學麵), Wángzǐbiāo (尪仔標), Murmeln. Schaltete man den Fernseher ein, lief Huang Junxiongs (黃俊雄) Handpuppenspiel «Der grosse Gelehrte von Yunzhou» (《雲州大儒俠》) ab 1970 auf TTV, 583 Folgen, 97 % Einschaltquote – 1974 verboten mit der Begründung «Behinderung der landwirtschaftlichen Arbeit und Erholung»9.

Fünf kleine Plastikfläschchen Yakult nebeneinander, rot-weisse Verpackung, das Standardgetränk in taiwanischen Haushaltskühlschränken
Fünf-Flaschen-Pack Yakult, das ikonische Getränk in den Läden und Tante-Emma-Läden der Fünft- und Sechstklässler. Foto: kxz Chen, CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons.

Kindheit der Fünft-/Sechstklässler
vs
Kindheit der Neuntklässler
Kindheit der Fünft-/SechstklässlerWángzǐbiāo, Murmeln im Laden
Kindheit der NeuntklässlerDcard, Xiaohongshu im Handy
Kindheit der Fünft-/SechstklässlerTatung-Baby, Yakult-Mütter
Kindheit der NeuntklässlerInstagram Stories, TikTok Shorts
Kindheit der Fünft-/SechstklässlerHandpuppenspiel 97 % Quote
Kindheit der NeuntklässlerAlgorithmisch gefüttertes endloses Scrollen
Kindheit der Fünft-/SechstklässlerEine Strasse schaut dieselbe Sendung
Kindheit der NeuntklässlerJeder wischt ein Video, das nur ihm gezeigt wird

Die Jugend der Siebtklässler bekam ein neues Interface. Pager (BB Call) erreichten 1999 ihren Höhepunkt mit über vier Millionen Anschlüssen in ganz Taiwan10; Verliebte übermittelten Gefühle per Zifferncode – 520, 1314 blinkten auf winzigen Displays. Nach dem Internetanschluss bildeten der «Ding-dong»-Ton von Yahoo! Messenger, das «Log-log-log» von MSN, die Blogs und Fotoalben auf Wretch.cc ein ganzes Zeichensystem, das nur sie verstanden4. 1997 kam das Tamagotchi (電子雞) nach Taiwan, in den Kaohsiung-Warenhäusern wurde es so gejagt, dass der Preis auf 1500 NT-Dollar hochgetrieben wurde; Schüler fütterten im Unterricht ihre digitalen Haustiere, der damalige Bildungsminister Wu Ching (吳京) scherzte halb, man könne in der Schule einen «Hühnerhof» einrichten, um sie gemeinsam zu hüten11.

Ein blaues 1990er-Jahre-Ziffern-Pager, Metallgehäuse, kleines Display zeigt Zahlen – das mobile Kommunikationsgerät der BB-Call-Ära
Ziffern-Pager (BB Call) der 1990er, mit dem Siebtklässler «520», «1314» übermittelten. Foto: Solomon203, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

Bei den Achtklässlern war die Bühne PTT und Facebook. 2009 spielte ganz Taiwan «Happy Farm» (開心農場) – «Hast du heute schon Gemüse geklaut?» Die Neuntklässler wachsen ganz im Algorithmus auf: Instagram, TikTok, Xiaohongshu, Dcard. Ausgetauscht wurde nicht nur die Plattform, sondern die Art des Sehens selbst: Die Fünftklässler-Generation – eine ganze Strasse sah abends dieselbe Folge «Yunzhou». Die Neuntklässler-Generation – jeder wischt allein an einem Video, das der Algorithmus nur für ihn bereithält.

📝 Kuratorennotiz
Wir gewöhnten uns an, «Wertunterschiede» für den Generationengraben verantwortlich zu machen: Die einen lieben «kämpfen», die anderen «liegenbleiben». Näher an der Wahrheit ist vielleicht etwas Physischeres: Sie haben nie denselben Bildschirm gemeinsam angeschaut. Kollektives Gedächtnis braucht das «Kollektiv» als Voraussetzung, und in diesen vierzig Jahren vom Laden zum algorithmischen Narrowcasting zerbrach Taiwans Medienlandschaft vom «ganzes Dorf um einen Fernseher» zu «jeder ein Handy, das nur ihm zeigt». Am Ende sind sie gar nicht im selben Raum aufgewachsen. Nostalgie ist daher auch getrennte Nostalgie: Der Server, den du likest, lässt sich von anderen nicht betreten.

Deshalb ist Nostalgie in Taiwan so marktstark – und doch so fragmentiert. Eine 2018er Nostalgie-Snack-Umfrage sammelte 1523 Fragebögen; die aktivste Gruppe waren die Siebtklässler mit 38,2 %; die gewählten Top-Plätze – Blechdosen-Fruchtbonbons, Morinaga-Milchbonbons, Prince Noodles, Science Noodles, 77-Milchgetränk – treffen jeweils präzise den Nachschulweg einer bestimmten Generation12.

Jede Generation ist der weisse Maus einer anderen Reform

Wenn die Kindheit je eigene war, so gibt es doch etwas, dem alle fünf Generationen nicht entkamen: Jede war die erste Versuchsmaus irgendeiner Systemreform.

Das Bildungssystem wechselte fast alle zehn Jahre. Fünft- und Sechstklässler durchliefen die Joint College Entrance Examination (聯考): High-School-Zuteilung 1958–2000, Joint College Entrance Exam bis 2001 – ein Examen entscheidet über das Leben. Die Siebtklässler bekamen die «Bildungsreform-Dreifachschlag»: Ab 1996 «Konstruktivistische Mathematik» (建構式數學) in der Grundschule – Kinder sollten Rechnen neu «verstehend» lernen; Forscher rechneten später aus, dass fast 1,8 Millionen Grundschüler zu Versuchskaninchen dieses Experiments wurden13; 2001 trat der Neunjahre-Lehrplan (九年一貫) in Kraft, die Basic Competence Test (基測) ersetzte die Joint Exam, Lehrwerke wechselten von «ein Lehrplan, ein Buch» zu «ein Lehrplan, viele Bücher». Die Achtklässler trafen 2014 auf die Zwölfjahres-Grundbildung (十二年國教) und die Comprehensive Assessment Program (會考). Die Neuntklässler erleben seit 2019 den 108-Lehrplan (108課綱). Keine Generation nutzte dieselben Regeln wie die vorherige.

Der Wehrdienst ist eine weitere wandernde Linie – und die Wanderrichtung ist konträr. Früher leisteten Wehrpflichtige zwei bis drei Jahre; dann wurde stetig verkürzt, bis Ende 2013: Jahrgänge ab Minguo 83 (1994) absolvierten nur noch vier Monate Militärtraining14. Sah aus wie ein kontinuierlicher Abwärtstrend – dann bog die Kurve wieder nach oben. Das Innenministerium verfügte: Für Jahrgänge ab 1. Januar Minguo 94 (2005) wird die Pflichtwehrpflicht von einem Jahr wieder eingeführt14. Mit anderen Worten: Die Neuntklässler ab Jahrgang 2005 leisten acht Monate mehr als ihre Achtklässler-Vorgänger, die nur vier Monate Training absolvierten – die erste Verlängerung der Wehrpflicht in siebzig Jahren.

427 212 Personen
Höchstgeburtenzahl der Fünftklässler (1963)
Babyboom-Gipfel
166 886 Personen
Tiefstgeburtenzahl der Neuntklässler (2010)
Nicht einmal 40 % des Fünftklässler-Gipfels
4 Monate → 1 Jahr
Wehrpflicht vom Talboden wieder hinauf
Jahrgänge Minguo 83–93 (1994–2004) 4 Monate, ab Minguo 94 (2005) wieder 1 Jahr

Legt man diese Systemlinien übereinander, tritt eine schärfere Frage zutage: Jede Reform zielte theoretisch darauf ab, die nächste Generation besser zu bilden, die Landesverteidigung stabiler zu machen. Aus der Perspektive der Reformierten fühlt es sich eher so an: Das Experiment der Vorgängergeneration wird von der nächsten ausgehalten. Und die Experimentatoren müssen selbst selten Maus sein.

Jene Rolltreppe, die langsamer wurde

Hier angelangt, birgt der Vorwurf «Erdbeer-Generation» eine unausgesprochene Prämisse: Junge schaffen den Aufstieg nicht, weil sie nicht hart genug arbeiten. Richtet man die Kamera vom «Menschen» auf «die Rolltreppe unter ihren Füssen», zeigt sich ein völlig anderes Bild.

Zuerst der Lohn. Eine Studie der Academia Sinica (中研院) zeigt: Vor 2002 stiegen reale stündliche Produktion (Produktivität) und Reallohn im Gleichschritt; nach 2002 trennten sich die Linien – Produktivität stieg weiter, Lohn fror ein. Der Ökonom Yang Tzu-ting (楊子霆) erklärt: «Dass Produktionsgüterpreise immer niedriger und Konsumgüterpreise immer höher werden, ist der Hauptgrund, warum das Reallohnwachstum dem realen BIP-Wachstum hinterherhinkt»2. Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am BIP von ca. 51 % (1990) auf rund 43 % (2024)2. Der Kuchen wurde grösser, das Stück für die Arbeitnehmer dünner.

Dann die Wohnung. Hier wird die Rolltreppe wirklich steil. Die landesweite Hypothekenbelastungsquote (Anteil des Einkommens, der für Hypotheken aufgewendet wird) stieg von 21,7 % (2005) auf 46,62 % (2024) – ein Haushalt muss fast die Hälfte seines Einkommens für die Hypothek aufbringen3. Das Preis-Einkommens-Verhältnis ist noch direkter: Landesweit von 8,2-fach (2014) auf 9,89-fach (Q1 2025), in Taipeh von 6,4-fach (2004) auf 15,41-fach (Q1 2025) – höher als London, New York3. In Alltagssprache: In Taipeh muss ein Haushalt 15 Jahre lang nichts essen und nichts trinken, um sich eine Wohnung leisten zu können.

Wohnhochhaus-Cluster im Bezirk Tamsui, Neu-Taipeh, dichte Apartmentblöcke, typisches städtisches Wohnbild Taiwans
Dichte Apartmentblöcke in Tamsui, Neu-Taipeh, typisches Gesicht taiwanischer Urbanisierung. Foto: HC Lin, CC BY 2.0 via Wikimedia Commons.

Jene steiler werdende Rolltreppe: Landesweite Hypothekenbelastungsquote (welchen Einkommensanteil ein Haushalt für die Hypothek aufwendet)
Jene steiler werdende Rolltreppe: Landesweite Hypothekenbelastungsquote (welchen Einkommensanteil ein Haushalt für die Hypothek aufwendet)4,6622172005Quelle: Politische Universität, Immobilienforschungszentrum (aufbereitet nach Innenministerium, Immobilieninformationsplattform)Belastungsquote %
Jene steiler werdende Rolltreppe: Landesweite Hypothekenbelastungsquote (welchen Einkommensanteil ein Haushalt für die Hypothek aufwendet)
JahrBelastungsquote %
2005217
20153581
20244662
Quelle: Politische Universität, Immobilienforschungszentrum (aufbereitet nach Innenministerium, Immobilieninformationsplattform)

So führt dieselbe Anstrengung nicht mehr zum selben Ziel. Die Zahlen der «Taiwan Social Change Survey» der Academia Sinica sind am deutlichsten: Die Wohneigentumsquote der 31- bis 40-Jährigen lag 1996 noch über 60 %, 2021 nur noch bei ca. 25 %3. Das Erstkaufalter rutschte um ganze fünf Jahre nach hinten, von Anfang dreissig auf Anfang vierzig. Ein Fünftklässler konnte mit dreissig bereits Eigentümer sein; ein Achtklässler ist mit dreissig meist noch am Rechnen der Anzahlung.

Das ist auch akademischer Konsens. Die Soziologinnen Chang Yi-chun (張宜君) und Lin Tsung-hung (林宗弘) stellten 2020 in der Taiwanese Journal of Sociology fest: «Die Babyboomer-Generation (vor 1972 geboren) genoss Einkommensvorteile durch das Wirtschaftswachstum, während die nach 1978 Geborenen generell niedrigere Einkommen haben»15. Lin Tsung-hung formulierte es in einem Interview noch deutlicher: «Jede wirtschaftliche Depression der Menschheitsgeschichte erzeugt eine ‹geschädigte Generation› … die am stärksten getroffene Generation sind die nach 1975 Geborenen, die um 2000 herum erwachsen wurden»16 – genau die Siebtklässler.

💡 Wussten Sie?
Die These «Jugend schafft es nicht, weil sie nicht hart genug arbeitet», wurde bereits 2005 widerlegt. Damals zitierte die Taipei Times Experten, die «Erdbeer-Generation ist ein Mythos» nannten – Begründung: Taiwans Arbeitnehmer leisten weltweit zu den längsten Arbeitszeiten, Löhne stiegen seit Jahren nicht17. Mit anderen Worten: Der Vorwurf «Jugend hält nichts aus» und die Tatsache «Taiwaner arbeiten extrem lange» beissen sich von Anfang an.

Die Rolltreppe steht nicht still – sie hat sich in zwei gespalten

Doch zu sagen «Rolltreppe steht, deshalb kann keine Jugend Wohnung kaufen» ist igualmente faul. Die Realität ist feiner – und grausamer: Die Rolltreppe steht nicht, sie hat sich in zwei gespalten.

Tatsächlich haben Achtklässler Wohnungen gekauft. Schaut man genauer hin: Wer kaufen konnte, tat es meist mit elterlicher Anzahlung – mehrere Millionen NT-Dollar vom Vorfahren, Erbschaft oder Schenkung schlossen die Lücke, die der Lohn nicht mehr deckte. Im Gegensatz dazu: Landesweit können nur 0,89 % der 20- bis 30-Jährigen aus eigener Kraft eine Wohnung kaufen3. Wer also auf dem noch laufenden Strang mitfährt, zahlt mit der Kreditkarte der Eltern.

Deshalb ist «Generation» ein guter Einstieg, aber kein Ziel. Lin Tsung-hung selbst führt das Generationsproblem auf Klassenverteilung zurück: Innerhalb derselben Generation stehen Erben von Kapital und reine Lohnempfänger auf zwei grundverschiedenen Rolltreppen – der Graben innerhalb der Generation kann grösser sein als der zwischen den Generationen. Wie tief der Familienhintergrund das Vermögen der nächsten Generation prägt? Eine 2024 in Labour Economics veröffentlichte Studie schätzt den intergenerationalen Vermögenskorrelationskoeffizienten in Taiwan: Söhne ca. 0,40, Töchter ca. 0,30, und je höher im Vermögen, desto stärker die Transmission18.

Die Lohnlinie ist auch nicht ganz schwarz. Nominalgehälter stiegen ab 2017 langsam, 2024 wuchs der reale Gesamtlohn sogar um 2,16 % – nach langer Stagnation ein seltenes positives Wachstum2. Doch das ist höchstens Stopp des Falls; die Verluste von 2002 bis 2017 (fünfzehn Jahre) werden nicht wettgemacht – als ob die Rolltreppe wieder anspringt, aber das Stockwerk inzwischen um einiges höher liegt.

⚠️ Streitbare These
Der Rahmen «Generationenkrieg» wird selbst stark hinterfragt. Der US-Ungleichheitsforscher Chuck Collins sagte pointiert: «We're not suffering through a generational war. We're continuing to live through a clash of economic classes.» (Wir erleben keinen Generationenkrieg, wir leben weiter in einem anhaltenden Klassenkonflikt.)19 Er meint: Junge gegen Alt auszuspielen, verdeckt die wahre Bruchlinie – die verläuft zwischen Kapitalbesitzenden und Kapitallosen, weitgehend unabhängig davon, ob man 1970 oder 1990 geboren ist. Auf Taiwan übertragen gilt dasselbe: Innerhalb desselben Jahrgangs können die Unterschiede grösser sein als zwischen den Jahrgängen.

Vom Kriegsrecht-Kind zum TikTok-Schwipper, der sagt: «Ich will nicht vereinigt werden»

Eine weitere reale Bruchlinie zwischen den Generationen ist die Antwort auf «Wer bin ich?». Und diese Bruchlinie, so die vorherrschende Lehrmeinung, wurde hauptsächlich durch gemeinsam erlebte «Ereignisse» gegraben – nicht dadurch, dass eine Generation «von Natur aus» so ist.

Das Election Study Center der Nationalen Chengchi-Universität (政治大學選舉研究中心) verfolgt langfristig die Identität der Taiwaner: Der Anteil der sich als «Taiwaner» Bezeichnenden stieg von 17,6 % (1992) auf einen Höchststand von 67 % (2020), 2023 lag er bei 61,7 %; gleichzeitig sank der Anteil der sich als «Chinesen» Bezeichnenden 2023 auf 2,4 %20. Die Pew Research Center-Umfrage 2024 bestätigt den Trend und hebt die junge Gruppe hervor: «Adults in Taiwan under the age of 35 are especially likely to identify as solely Taiwanese (83 %)» (Taiwaner unter 35 bezeichnen sich besonders häufig ausschliesslich als Taiwaner, 83 %)21.

Diese Identitätskurve wird oft vereinfacht zu «Die natürliche-Unabhängigkeits-Generation (天然獨) ist von Natur aus unabhängig». Die Wissenschaft ist vorsichtiger. Mehrere Forscher betonen, dass hier der sogenannte «Periodeneffekt» (時期效應) dominiert: Demokratisierung, die Sonnenblumenbewegung 2014 – diese gemeinsam erlebten «Ereignisse» formten die Identität aller Generationen um. Die Antwort wurde von der Zeit gehauen, nie in den Genen angelegt. Die «natürliche-Unabhängigkeits»-Forscherin Shen Wei-chieh (沈暐婕) schreibt in ihrer Masterarbeit klar: «Natürliche Unabhängigkeit ist nicht natürlich, sondern nachträglich gebildet; sie ist auch nicht der traditionelle ethnonationalistische Taiwan-Unabhängigkeitswunsch, sondern eher anti-chinesisch»22.

Menschenmassen füllen den Ketagalan-Boulevard in Taipeh am 30. März 2014, viele halten Transparente – Höhepunkt der Sonnenblumenbewegung
30. März 2014: Die Anti-Dienstleistungsabkommen-Grossdemo füllt den Ketagalan-Boulevard in Taipeh – der Moment, in dem die «natürliche-Unabhängigkeits-Generation» auf die Strasse ging. Foto: tenz1225, CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons.

Bei den Neuntklässler zeigt sich eine interessante Spannung. Diese Generation wuchs mit TikTok, Xiaohongshu auf, nutzt vereinfachte Schriftzeichen, schaut Festland-Unterhaltungsshows und netzt mit Festland-Slang – kulturell war die Distanz zum Festland nie kleiner; politisch aber sind sie die in demokratischer Ordnung Aufgewachsenen, die «Vereinigung» (統一) am instinktivsten ablehnen. Das Taiwan Doublethink Lab (台灣民主實驗室) stellte 2025 fest: TikTok-Nutzung bei Mittelschülern 57,87 %, bei Oberschülern 50,73 %23 – doch kulturelle Nähe führte nicht automatisch zu politischer Kehrtwendung.

📝 Kuratorennotiz
«Kulturell china-nah, politisch china-fern» – dieser scheinbare Widerspruch ist genau der Ort, an dem Taiwan.md den Lesern kein Urteil aufdrängen sollte. Ein Neuntklässler, der Festland-Shorts mag und gleichzeitig den Status quo Taiwans unterstützt, empfindet das möglicherweise gar nicht als widersprüchlich, weil Kulturkonsum und nationale Identität zwei verschiedene Dinge sind. Die Aufgabe hier ist, die Spannungen, die Chengchi-Wahlforschung, Pew, Shen Wei-chieh, Doublethink Lab jeweils sehen, ehrlich auszubreiten – damit Leser die Komplexität dieser Generation sehen, bevor man «china-freundlich» oder «china-feindlich» als Etikett aufklebt. Das Etikettieren der nächsten Generation ist genau das, was dieser ganze Text auseinandernehmen will.

Die Erdbeere wurde nicht weich – der Boden wurde schräger

Legt man die fünf Geburtsurkunden übereinander, sieht man eine stille Tatsache. Der Fünftklässler-Jahrgang 1963 hatte 427 212 Altersgenossen, die gemeinsam in diese Welt traten; der Neuntklässler-Jahrgang 2010 nur noch 166 886 – nicht einmal 40 % des Fünftklässler-Gipfels, ganze über zwanzig万人 weniger24.

Weniger Menschen, der Kuchen nicht grösser, aber die Stockwerke höher. In solchem Gelände erreichen spätere Generationen mit derselben Kraft nicht die Höhen der früheren. Nicht weil die Erdbeere weicher wurde, sondern weil der Boden unter den Füssen schräger wurde – und ungleichmässig schräger: Manchen liegt eine elterngelegte sanfte Rampe unter den Füssen, anderen bleibt nur eine fast senkrechte Wand.

«Jahrgang» ist letztlich nur ein Eingang. Er taugt, weil er zeigt, wie die Rolltreppe Jahr für Jahr steiler wurde; er darf nicht das Ziel sein, weil das, was wirklich entscheidet, ob jemand hinaufkommt, oft ist, ob seine Rolltreppe an Lohn oder an Erbe angeschlossen ist – und dieser Riss verläuft mitten durch jeden einzelnen Jahrgang. Pew Research Center verkündete 2023 sogar, künftig weniger Generationenetiketten zu verwenden, weil viele der «Generationen» zugeschriebenen Unterschiede letztlich auf demografische Merkmale zurückgingen25. Selbst die Institution, die die Generationentypologie gross gemacht hat, beginnt, das Werkzeug in Frage zu stellen.

✦ Also: Beim nächsten Mal, bevor «Die Jugend von heute ist eben Erdbeer-Generation» über die Lippen kommt, einen Gedanken vorher: Die ersten, die damit gemeint waren, warst wahrscheinlich du. Und was sich in diesen dreissig Jahren wirklich veränderte, ist die Rolltreppe, auf die du damals stiegst – sie lief noch; später wurde sie langsamer, steiler, und am Ende spaltete sie sich in zwei. Dass der Satz «Niemand entdeckt mich mehr» von Wretch.cc eine ganze Generation liken liess, liegt genau daran: Jede Generation hat ihren eigenen, für andere unzugänglichen Jugendraum – und die Miete für diesen Raum wird Generation für Generation teurer.

Weiterführende Lektüre:

Bildquellen

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Quellen

  1. Wikipedia: Erdbeer-Generation — Erfasst Herkunft, Bedeutungswandel und Kontroversen des Begriffs «Erdbeer-Generation», vermerkt, dass er ursprünglich die in den 1960ern Geborenen (Fünftklässler) meinte, später auf Siebtklässler und jüngere rutschte, und zitiert das Hochgerichtsurteil, das ihn als «herabsetzenden Begriff» einstufte.234
  2. Forschung mit Substanz: Taiwans Wirtschaft wächst, warum wachsen Löhne nicht? Interview Yang Tzu-ting — Wissenschaftsplattform der Academia Sinica interviewt Ökonomen Yang Tzu-ting, analysiert Ursachen der Entkopplung von Reallohn und Produktivität ab 2002 (Schere zwischen Produktions- und Konsumgüterpreisen) und liefert Daten zum sinkenden Anteil der Arbeitnehmerentgelte am BIP.234
  3. Politische Universität, Taiwan-Immobilienforschungszentrum: Indikatoren zur Wohnerschwinglichkeit — Aufbereitung der Daten der Innenministerium-Immobilieninformationsplattform: historische Reihen von Preis-Einkommens-Verhältnis und Hypothekenbelastungsquote; Taipeh-Preis-Einkommens-Verhältnis Q1 2025 bei 15,41-fach, dazu Academia Sinica Social Change Survey zur Wohneigentumsquote.2345
  4. Zeitlicht: Die Jugend von Wretch.cc –jene Jahre unserer Blogs, Fotoalben und Pinnwände — United Daily News Digitalarchiv-Rubrik blickt auf Wretch.cc (1999–2013) zurück, Funktionen und Generationsgedächtnis, schildert Nutzungsszenarien: «Ob was los war oder nicht, Computer auf, Wretch.cc Blog schreiben, Album aktualisieren, schauen wer bei mir war».2
  5. Wikipedia: Wild Strawberries Movement — Dokumentiert die 2008 von taiwanischen Studierenden initiierte «Wild Strawberry Movement», wie Siebtklässler-Studierende den Schimpfbegriff «Erdbeer-Generation» umkehrten und als Versammlungs- und Demonstrationsgesetz-Bewegungsnamen nutzten.
  6. ETtoday: Taiwans «Neue neun Stämme» – Jugend hasst es am meisten, Erdbeer-Generation genannt zu werden — Bericht über die «Neue neun Jugend-Stämme»-Umfrage von Vision Magazin mit Yahoo Kimo und Wretch.cc, 1129 Befragte 20–35 Jahre wählten das rehabilitationsbedürftigste Generationsetikett: «Erdbeer-Generation» 16,5 % Platz 1, «Parasite Singles» Platz 2, «Smartphone-Zombies» Platz 3.
  7. StoryStudio: Tatung-Baby – der Mittelstraum auf dem Fernsehgerät — Rückblick auf die Markteinführung der Tatung-Baby-Puppe 1969, als Gratiszugabe bei 10 000 NT-Dollar Elektrokauf, Symbol für den Aufstieg der Familie von Arbeiter- in den Mittelstand.
  8. Zeitlicht: Yakult-Glasflasche und Yakult-Mütter — Dokumentiert Yakults Fabrikgründung in Taiwan 1964, Flaschenpreis zwei Dollar, Haus-zu-Haus-Vertrieb durch «Yakult-Mütter», kollektive Kindheitserinnerung der Fünft- und Sechstklässler.
  9. Wikipedia: Der grosse Gelehrte von Yunzhou — Erfasst Huang Junxiongs Handpuppenspiel «Yunzhou»: TTV-Erstausstrahlung 1970, 583 Folgen, 97 % Quote, 1974 verboten mit Begründung «Behinderung landwirtschaftlicher Arbeit und Erholung».
  10. Roomie: Jene Jahre, in denen wir mit Zifferncodes Liebe machten — Rückblick auf Taiwans BB Call (Pager): 1976 Freigabe, 1999 Nutzerhöhepunkt ca. vier Millionen Anschlüsse, 2011 Betriebseinstellung, sowie Nutzungskultur der Codes 520, 1314.
  11. Zeitlicht: Tamagotchi-Wirbel, jenes Jahr piepste es auf dem Campus — United Daily News Digitalarchiv blickt auf 1997 Tamagotchi-Einführung und Campus-Wirbel: Schüler fütterten im Unterricht, Preise auf über 1000 Dollar hochgetrieben, Bildungsminister Wu Ching schlug halb scherzhaft «Hühnerhof» in der Schule vor.
  12. foodNEXT: Grossumfrage Nostalgie-Snacks — foodNEXT-Medien 2018 Fragebogen zu taiwanischen Nostalgie-Snacks, 1523 Rückläufe, Siebtklässler Beteiligungsspitze 38,2 %, gewählte Top-Liste: Blechdosen-Fruchtbonbons, Morinaga-Milchbonbons, Prince Noodles, Science Noodles, 77-Milchgetränk – je präzise einer Generation zugeordnet.
  13. NCCU: The Great Experiment of Taiwanese Education — Politische Universität Analyse der konstruktivistischen Mathematikreform Taiwans, dokumentiert, dass die ab 1996 umgesetzte Politik fast 1,8 Millionen Grundschüler zu Versuchspersonen dieses Bildungsexperiments machte.
  14. Innenministerium: Dienstzeiten der Wehrpflichtigen nach Jahrgang — Offizielle Innenministerium-Angabe: «Ab 1. Januar Minguo 94 (2005) Geborene ab 1. Januar 2024 wieder Einberufung zum einjährigen Präsenzdienst», «Jahrgänge 1. Januar Minguo 83 (1994) bis 31. Dezember Minguo 93 (2004) … vier Monate» – erstmalige Verlängerung der Wehrpflicht in siebzig Jahren.2
  15. Taiwanese Journal of Sociology: Chang Yi-chun, Lin Tsung-hung «Taiwans Generationsunterschiede und Einkommensverteilung» (2020) — Fachartikel (DOI 10.6786/TJS.202012_(68).0002), belegt: Babyboomer (vor 1972) genossen Einkommensvorteile durch Wachstum, nach 1978 Geborene generell niedrigere Einkommen, Mechanismus: Hochschulausweitung und Niedriglohn-Dienstleistungssektor.
  16. StoryStudio: Interview Lin Tsung-hung – Entstehung der «kollabierten Generation» — Interview mit Soziologe Lin Tsung-hung, wie Wirtschaftskrisen «geschädigte Generationen» erzeugen, identifiziert die nach 1975 Geborenen, um 2000 erwachsen Gewordenen als am stärksten getroffene Gruppe, und führt Generationsfrage auf Klassenverteilung zurück.
  17. Taipei Times: Experts: Strawberry Generation is just a myth — Taipei Times 2005, zitiert Experten, die mit Statistik (Taiwans Arbeitszeit weltweit Spitze, Löhne seit Jahren stagnierend) das «Erdbeer-Generation hält nichts aus»-Klischee widerlegen.
  18. Chu, Lin & Nian (2024), Labour Economics — In Labour Economics veröffentlichte intergenerationale Vermögensmobilitätsstudie, schätzt taiwanischen Eltern-Kind-Vermögenskorrelationskoeffizienten: Söhne ca. 0,40, Töchter ca. 0,30, an der Vermögensspitze nicht-linear verstärkte Transmission.
  19. Inequality.org: To Best Understand Inequality, Think Class, Not Generation — Artikel der US-Ungleichheitsforschungsorganisation, Autor Chuck Collins argumentiert: Wahre Bruchlinie heute ist Klassenkonflikt, Generationengegensatz-Rahmen verdeckt den eigentlichen Klassenriss.
  20. Politische Universität Wahlforschungszentrum: Trendverteilung Taiwaner/Chinesen-Identität — Primärdaten des Chengchi-Wahlforschungszentrums: «Taiwaner»-Anteil von 17,6 % (1992) auf 67 % (2020) Höchststand, 2023 61,7 %; «Chinesen»-Anteil 2023 auf 2,4 % gesunken.
  21. Pew Research Center: Most People in Taiwan See Themselves as Primarily Taiwanese (2024) — Pew 2024 Umfrage: Gesamt 67 % sehen sich primär als Taiwaner, speziell unter 35-Jährige 83 % sehen sich ausschliesslich als Taiwaner.
  22. Airiti Library: Shen Wei-chieh «Politische Identität der natürlichen-Unabhängigkeits-Generation» (2017, NTU Masterarbeit) — NTU Masterarbeit, belegt: natürliche Unabhängigkeit ist nachträglich gebildet, nicht natürlich; ihr Kern ist «eher anti-chinesisch», abweichend vom traditionellen ethnonationalistischen Taiwan-Unabhängigkeitsbegriff.
  23. Taiwan Doublethink Lab: TikToks Einfluss auf taiwanische Jugend-Informationsumgebung und China-Wahrnehmung (2025) — Doublethink Lab 2025 Umfragebericht: Mittelschüler TikTok-Nutzung 57,87 %, Oberschüler 50,73 %, Analyse der Spannung «kulturell nah, politisch fern» bei Neuntklässlern.
  24. Innenministerium Haushaltsamt: Historische Geburtenstatistiken — Offizielle Bevölkerungsstatistik des Innenministeriums: historische Geburtenzahlen, Fünftklässler-Gipfel 1963 mit 427 212, Neuntklässler-Tief 2010 mit 166 886, offizielle Basis für Generationsgrössenvergleich.
  25. Pew Research Center: How Pew Research Center will report on generations moving forward (2023) — Pew 2023 Erklärung: künftig weniger Generationenetiketten in Berichterstattung, Begründung: viele «Generationen» zugeschriebene Unterschiede stammen tatsächlich aus demografischen Merkmalen, nicht aus Generationeneffekten.
Über diesen Artikel Dieser Artikel wurde gemeinschaftlich sowie mit Unterstützung von AI verfasst und geprüft.
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Jahrgang Generation Erdbeer-Generation Niedriglohn Immobilienpreise kollektives Gedächtnis natürliche Unabhängigkeit Generationengerechtigkeit
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