30-Sekunden-Überblick: Wei Te-sheng wurde am 16. August 1969 in Yongkang, Landkreis Tainan (heute Bezirk Yongkang, Tainan), geboren.1 Er studierte Elektrotechnik an der Fern-East-Fachhochschule (heute Far East University) und arbeitete nach dem Abschluss als Regieassistent in der Filmbranche.1 2008 inszenierte er „Cape No. 7“ (海角七號) mit rund 530 Mio. NT$ Einspielergebnis – damals der erfolgreichste taiwanesische Film (P0⚠️ bestätigt „über 100 Mio.“; die 530-Millionen-Zahl ist die geläufige Angabe, offizielle Statistik wird empfohlen).2 2011 wurde „Seediq Bale“ in den Hauptwettbewerb der 68. Internationalen Filmfestspiele von Venedig eingeladen und trat um den Goldenen Löwen an.3 Im selben Jahr erhielt „Seediq Bale“ den Golden Horse Award für den besten Spielfilm (48. Ausgabe).4 Derzeit arbeitet er am Epen-Projekt „Taiwan-Trilogie“.
Ein in Yongkang, Tainan, geborener Regisseur
Wei Te-sheng wurde am 16. August 1969 in Yongkang, Landkreis Tainan (heute Bezirk Yongkang, Tainan), geboren.1 Er besuchte die Fern-East-Fachhochschule (heute Far East University) mit Schwerpunkt Elektrotechnik; die naturwissenschaftlich-technische Ausbildung schärfte seinen Sinn für Produktionstechnik.1
In den 1990er-Jahren kam Wei Te-sheng als Regieassistent in die Filmbranche und lernte in den Crews mehrerer taiwanesischer Regisseure. In jenen Jahren befand sich die taiwanesische Filmindustrie in einer Flaute, die einheimischen Kinolinien hatten kaum Platz, und die meisten jungen Leute sahen „Geschichten Taiwans erzählen“ nicht als Beruf, von dem man leben konnte. 1995 schrieb und inszenierte er den 7-minütigen Kurzfilm „Duell“ (對打), mit dem er sich bei Yang Dechang („A Brighter Summer Day“) um einen Assistentenposten bewarb – jener Brief in filmischer Sprache war sein frühestes repräsentatives Experiment.1
Sein Gespür für Inszenierung, Bildsprache und Timing stammte nicht aus einer Filmhochschule, sondern aus jahrelanger Beobachtung in den Crews. Genau dieser „unorthodoxe Weg“ mag einer der Gründe sein, warum er später aus den Konventionen des taiwanesischen Films ausbrechen konnte.
Erst kam Seediq Bale, dann Cape No. 7
Der Gedanke, „Seediq Bale“ zu drehen, ging „Cape No. 7“ um mehr als zehn Jahre voraus. 2000 finanzierte Wei Te-sheng aus eigener Tasche einen 5-minütigen Pilotfilm zu „Seediq Bale“ für 500.000 NT$ und suchte damit überall nach Geldgebern – niemand wollte investieren.1
Das taiwanesische Film-Investitionsumfeld sagte ihm, dass dieses Thema auf dem Markt eine Sackgasse sei. Seine Wahl: erst einen Film drehen, der den Markt anzieht, und mit dem dadurch gewonnenen Vertrauen später die Chance für den Wushe-Aufstand zu erkaufen. „Cape No. 7“ war die Ausführung dieser Strategie.
Diese Logik „erst den Weg öffnen, dann den Weg gehen, den man gehen will“ ist ein Schlüssel zum Verständnis von Wei Te-shengs Karriere. Er ist kein Regisseur, der „zufällig einen Kassenschlager landete“, sondern jemand mit einem klaren langfristigen Ziel, das er strategisch erreicht.
Cape No. 7: Ein Einspielergebnis von 530 Mio. NT$ schreibt den taiwanesischen Film neu
2008 schrieb, inszenierte und finanzierte Wei Te-sheng „Cape No. 7“ selbst; mit 5 Mio. NT$ geliehenen Geldes als Startbudget verband der Film eine moderne Liebesgeschichte mit der historischen Erinnerung an die japanische Kolonialzeit.2 Während der Dreharbeiten waren fast alle seine Freunde pessimistisch; einer sagte ihm direkt: „Du wirst bestimmt abhauen.“ Seine Antwort: „Ich glaube, ich drehe das sehr gut.“5
Nach dem Kinostart erzielte der Film in Taiwan ein Einspielergebnis von rund 530 Mio. NT$ (P0 bestätigt „über 100 Mio.“; die 530-Millionen-Zahl ist die in den vorliegenden Materialien geläufige Angabe; für die exakte Zahl wird die offizielle Statistik empfohlen).2 Diese Zahl brach den historischen Rekord der taiwanesischen Filme und weckte zugleich das Vertrauen des Publikums neu, dass „taiwanesische Geschichten gut erzählt werden können“.
📝 Kuratorennotiz: Hinter dem „Wunder“ von „Cape No. 7“ steht eine leicht übersehene Voraussetzung: Wei Te-shengs eigener Finanzdruck war enorm – wäre der Film an der Kasse gescheitert, hätte er persönlich hohe Schulden getragen. Er setzte alles auf eine Karte, ohne Sicherheitsnetz. Das macht den Satz „Nur wer glaubt, sieht das Wunder“ von billigem Motivationsquatsch zu einer wörtlichen Beschreibung der Lage.5
Seediq Bale: Budget von 700 Mio. NT$, Hauptwettbewerb Venedig, Golden Horse für den besten Spielfilm
Der Erfolg von „Cape No. 7“ verschaffte Wei Te-sheng Produktionsmittel, die vorher unmöglich gewesen wären. 2011 inszenierte er „Seediq Bale“ (in zwei Teilen: „Die Sonnenfahne“ und „Die Regenbogenbrücke“) über den Wushe-Aufstand von 1930, bei dem die indigene Ethnie der Seediq gegen die japanische Kolonialherrschaft aufbegehrte. Das Produktionsbudget betrug rund 700 Mio. NT$ – mehr als das Hundertfache der Produktionskosten von „Cape No. 7“.3
Der Film wurde in den Hauptwettbewerb der 68. Internationalen Filmfestspiele von Venedig eingeladen und trat um den Goldenen Löwen an (nicht Berlin, nicht Busan).3 Im selben Jahr gewann er den Golden Horse Award für den besten Spielfilm.4
(Mit Anmerkung: Einige Materialien labeln ihn fälschlich als Berlin oder Busan; maßgeblich ist der P0-bestätigte Hauptwettbewerb von Venedig.)
Über seine Deutungsperspektive auf den Wushe-Aufstand sagte Wei Te-sheng: „Die meisten interpretieren den Wushe-Aufstand aus der Sicht der Japaner oder der Han; niemand hat je aus der Sicht eines Mannes auf dem Schlachtfeld geschaut.“ Er wollte den Stolz der indigenen Bevölkerung zeigen: „Die Han sagen oft, sie wollten ihnen helfen, aber sie haben nie versucht, ihren Stolz zu verstehen.“5 Diese Perspektive ist der Kernbeitrag von „Seediq Bale“ zur Filmgeschichte: Zum ersten Mal gab es eine mainstreamige Film-Erzählung des Wushe-Aufstands, die wirklich aus der Sicht der Seediq erzählt.
Das Epen-Projekt „Taiwan-Trilogie“
Nach „Seediq Bale“ entwickelte Wei Te-sheng das noch größere Projekt „Taiwan-Trilogie“: Drei Filme sollten die taiwanesische Geschichte der niederländischen Herrschaft im 17. Jahrhundert, der Ming-Zheng-Zeit und der Qing-Dynastie erzählen; das Gesamtbudget wird auf über 4,5 Mrd. NT$ geschätzt.5 Parallel stellte er das Themenpark-Projekt „Stadt des Überflusses“ vor, das das Taiwan des 17. Jahrhunderts als immersive Erfahrung wiederauferstehen lassen soll.
Das Vorhaben steht unter enormem Finanzdruck und großen Umsetzungshürden. Wei Te-sheng hat öffentlich gesagt, wenn die „Taiwan-Trilogie“ wirklich vollendet würde, wolle er seine 25-jährige Filmlaufbahn ausführlich erklären. Hinter diesem Satz steht die letzte Wette eines Regisseurs auf sein „Glauben“.5
Wei Te-shengs gesamter Weg lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: „Nur wer glaubt, sieht das Wunder!“5 Von den 5 Mio. NT$ Kredit für „Cape No. 7“ über das 700-Mio.-Budget von „Seediq Bale“ bis zur 4,5-Milliarden-Idee der „Taiwan-Trilogie“ – jeder Schritt war schwerer als der vorige, und jeden Schritt ging er weiter.
Sein Platz in der taiwanesischen Filmgeschichte
Vor Wei Te-sheng war der taiwanesische Film am Markt praktisch ausgestorben. Die künstlerischen Leistungen der Generation der „Taiwan New Wave“ – Hou Hsiao-hsien, Yang Dechang und andere – wurden international anerkannt, doch die Einspielergebnisse blieben lange Zeit tief, und die Kinolinien überließen den Raum fast vollständig Hollywood und Hongkong-Filmen.
„Cape No. 7“ war nicht nur der Erfolg eines Films; er überzeugte das taiwanesische Publikum davon, dass „taiwanesische Geschichten es wert sind, gesehen zu werden“, und die Investoren davon, dass „taiwanesische Filme sich drehen lassen“. Dieser strukturelle Wandel ist die Voraussetzung, auf der später eine Reihe taiwanesischer Kommerzfilme entstehen konnte.
Aus dieser Perspektive hat Wei Te-sheng in der taiwanesischen Filmgeschichte eine doppelte Bedeutung: zum einen die Werke selbst (die künstlerischen und kommerziellen Leistungen von „Cape No. 7“ und „Seediq Bale“), zum anderen die Tatsache, dass er die Vorstellungskraft von Publikum und Investoren über den „heimischen Film“ verändert hat – das ist die nachhaltigere Wirkung.5
Die gängige Lesart sagt, seine Filme seien ein „Wunder“, ein Zufall aus günstigen Umständen. Eine andere Lesart: Hinter diesem Zufall steht ein Mensch, der den Weg „erst Kurzfilm drehen → Geld suchen → scheitern → aufs kleinere Thema ausweichen → mit kleinem Erfolg großes Geld beschaffen“ ganze 20 Jahre lang gegangen ist. Das Wunder ist oft der längste Umweg.
Im Filmgeschäft gibt es keine Abkürzung. Von der Elektrotechnik-Fachhochschule in Yongkang bis zum Hauptwettbewerb von Venedig – Wei Te-sheng hat nur eine Methode: weiter glauben, weiter gehen.
1969 in Yongkang, Tainan, geboren; 2000 einen 5-Minuten-Film für 500.000 NT$ ohne Geldgeber; 2008 ein Einspielergebnis von 530 Mio. NT$; 2011 der Hauptwettbewerb von Venedig – diese Linie ist das Ergebnis von Ausdauer, nichts mit Wunder zu tun.
Weiterführende Lektüre: Mo-na Rudo (莫那·魯道): der in den 20-Dollar-Münzen Taiwans verewigte Anti-Japan-Held (das Vorbild der Hauptfigur von „Seediq Bale“ und wie der Film die Erinnerung umgeformt hat) | Wei Te-sheng – Wikipedia | Taiwan-Film-Datenbank: Wei Te-sheng | Offizielle Seite der Golden Horse Awards
Referenzen
- Wikipedia: Wei Te-sheng — Bestätigt die Geburt am 16. August 1969 in Yongkang, Landkreis Tainan (heute Bezirk Yongkang, Tainan) und den Elektrotechnik-Abschluss an der Fern-East-Fachhochschule.↩23456
- Taiwan-Film-Datenbank: „Cape No. 7“ — Bestätigt die Veröffentlichung 2008 und ein Einspielergebnis von über 100 Mio. NT$ (rund 530 Mio.; für die exakte Zahl wird die offizielle Kassenstatistik empfohlen).↩23
- Wikipedia: Seediq Bale — Bestätigt die Einladung 2011 in den Hauptwettbewerb der 68. Internationalen Filmfestspiele von Venedig um den Goldenen Löwen (nicht Berlin/Busan).↩23
- Golden Horse Awards: Bester Spielfilm der 48. Ausgabe — Bestätigt, dass „Seediq Bale“ den Golden Horse Award für den besten Spielfilm der 48. Ausgabe gewann.↩2
- Business Today: Wie Wei Te-sheng seinen großen Filmtraum baute (2020) — Enthält die Zitate „Die Freunde sagten, du wirst bestimmt abhauen“, „Nur wer glaubt, sieht das Wunder“ sowie den Hintergrund zu Budget und Plan der „Taiwan-Trilogie“.↩234567