Liao Hongji: Vom Harpunenboot zur Passatschiffahrt – Ein Leben als Meeresdichter Taiwans

Liao Hongji wandte sich 1992 vom Land ab und wurde ein Berufspeschenfänger. Er gründete die „Haiyun Bildungsstiftung“ (1998) und den Verein „Fulongmoxia Hualien“ (2022). Mit dem Projekt „Haiyun 101“ und dem„Delfin-π-Projekt“ veränderte er die taiwanesische Sicht auf das Meer. Er ist eine treibende Kraft in der Meeresliteratur und Ökologie.

Liao Hongji

30-Sekunden-Überblick

Liao Hongji (*11. November 1957), gebürtiger Hualianer, ist einer der führenden Meeresdichter Taiwans. 1992, im Alter von 35 Jahren, verließ er das Land und wurde ein Berufspeschenfänger. 1996 startete er Taiwans erstes zivile Walforschungsprogramm. Er gründete 1998 die „Haiyun Bildungsstiftung“ und 2022 den Verein „Fulongmoxia Hualien“. Mit dem Projekt „Haiyun 101“ und dem „Delfin-π-Projekt“ rückte er die taiwanesische Perspektive vom Ufer hinaus in die Tiefsee. Seine Werke dokumentieren nicht nur das Leben der Fischer, sondern nutzen Wissenschaft und Umweltbildung, um auf einer Insel, in der „Meeresfrüchte-Kultur“ vorherrscht, eine tiefere „Meereskultur“ zu schaffen 1 2 3

Die „intellektuell ungewöhnliche“ Entscheidung, das Land zu verlassen

Liao Hongjis literarischer Weg begann mit der Flucht vor dem System des Festlands. Nach seinem Abschluss an der Hualien-Hochschule arbeitete er als Einkäufer in einem Zementunternehmen und ging sogar nach Indonesien, um dort einen Garnelenzuchtbetrieb zu leiten. Doch die Umweltschonungsaktionen in Indonesien und die Konflikte im Landesbetrieb ließen ihn nach einem Ausweg für seine Seele suchen. 1992, in einer Zeit, in der die taiwanesische Gesellschaft das Meer eher als gefährliche Grenze betrachtete, entschied er sich in seinen besten Jahren, seine sichere Arbeitsstelle aufzugeben und in seine Heimat Hualien zurückzukehren, um ein einfacher Fischer zu werden. Dieser Schritt wurde damals als „nicht ernsthaft“ angesehen, wurde jedoch zum entscheidenden Wendepunkt der taiwanesischen Meeresliteratur 4 5

📝 Museumsnotiz: Liao Hongjis Karriere beweist, dass die tiefsten taiwanesischen Geschichten oft nicht im gedeienden Stadtzentrum liegen, sondern in den vergessenen Rändern der Gesellschaft.

Er war nicht einfach nur auf dem Meer, um zu fischen – er sprach mit dem Meer durch Harpunen und Seekarten. Neben seiner frühen Erfahrung auf dem Harpunenboot begleitete er auch Fernseilboote, nahm an Insel-Rundreisen teil und segelte sogar auf Frachtschiffen entlang europäischer Routen. Diese vielfältigen Erfahrungen, sowohl in der Küsten- als auch in der Hochseegewässern, verlierten seine Texte von intellektueller Melodie und verlieh ihnen eine Lebendigkeit, die salzig und voller Meeresbrisen war 5

Die Prüfung durch die Mutter

Als Liao Hongji sich für das Leben auf See entschied, stellte er sich nicht nur gesellschaftlichen Vorurteilen, sondern auch dem Widerstand seiner Familie. In traditionellen taiwanesischen Familien galt das Fischen als riskantes und niedriges Handwerk. Sein Vater versuchte ihn mehrere Male davon abzuhalten. Bei einer Buchpräsentation hielt er sich sogar als Zuschauer und fragte laut: „Herr Liao, denken Sie während Ihrer Ausfahrten an Ihre Eltern?“ Diese Frage offenbarte die innere Zerrissenheit zwischen seinem Meerstraum und seiner familiären Verantwortung. Doch genau diese Leidenschaft führte ihn letztendlich zu seinem wahren Zuhause 5

Von „Meeresfrüchten“ zu „Meereskultur“ – eine kulturelle Revolution

In den 1990er Jahren kannten die meisten Taiwanesen das Meer nur als Quelle für Delikatessen. Liao Hongji erkannte, dass ohne eine emotionale Verbindung zwischen den Menschen und dem Meer, der Naturschutz nichts weiter als leere Rhetorik bleiben würde. 1998 gründete er die „Haiyun Bildungsstiftung“ und begann systematisch Guide-Ausbildungen anzubieten, um traditionelle Fischerkultur in ökologische Beobachtungskultur umzuwandeln 6 7

Diese Revolution war jedoch nicht ohne Widerstände. Bei der Einführung von Walführungen gab es Kritik von Wissenschaftlern, die fürchten, dass die Tiere gestört würden. Tierschutzgruppen fürchtten, dass kommerzielle Walfahrten das Verhalten der Wale beeinflussen könnten. Praktisch musste er auch zwischen wirtschaftlichen Zwängen und Bildungszielen balancieren und mit Problemen wie Lärmstörungen konfrontiert werden. Liao Hongji betonte stets: „Bewusstsein für Ökologie entsteht durch Freundschaft.“ Er glaubte, dass nur, wenn Menschen die Wale in ihrer natürlichen Umgebung beobachten konnten, wirklich motiviert würden, das Meer zu schützen 4 5

Haiyun-Trip: Die Riesenpulse der Insel finden

Im August 2016 startete Liao Hongji das Projekt „Haiyun 101“. Gemeinsam mit seinem Team baute er eine selbsttreibende Plattform, die etwa 45 cm über Wasser und 20 cm unter Wasser ragte. Von der Küste von Dawu im Osten Taiwans aus, ließ er die Plattform von den Strömungen treiben lassen. Dieses Experiment, das etwa 100 Stunden dauerte und bis nach Su’ao im Norden führte, diente dazu, seine Überzeugung zu beweisen: Taiwan sollte nicht nur ein Inselstaat gegenüber dem Meer sein, sondern der Beginn einer Verbindung zu den globalen Meeresströmungen 8 9

Während der Fahrt ließ er 99 gläserne Kugeln mit Nachrichten ins Wasser, als Symbol für den Dialog mit dem Meer. Dieses Abenteuer wurde nicht nur in seinem Buch „Haiyun-Trip“ festgehalten, sondern auch in der Dokumentation „Der Mann und das Meer“. Er stellte fest, dass alles, was er sah, als er langsamer fuhr, größer erschien – die Fische, die Vögel, die Stille und die Weite. Diese „langsame“ Perspektive neu definierte seine Vorstellung von Territorium: Es sollte nicht am Strand enden, sondern sich bis zum Ende der Pazifiksströmung erstrecken 3 5

📝 Museumsnotiz: Reisen ist nicht einfach mit dem Fluss mitziehen – es ist eine Form der Freiheit, die entsteht, wenn man die Kontrolle aufgibt. Genau diese Freiheit fehlt der Insel Taiwan.

Späte Sorgen: Das Delfin-π-Projekt

Auch im hohen Alter blieb Liao Hongji unermüdlich aktiv. 2022 gründete er den Verein „Fulongmoxia Hualien“ und startete das Projekt „Besuch der Pazifiks-Delfine π“ (2023–2025). Das Projekt entstand aus seiner Verpflichtung gegenüber einem Delfin namens „Huaxiao Xiang“. Durch systematische Forschung entdeckte er, dass zwischen März und Oktober jeden Jahres Delfinschwärme in Gruppen nach Hualien kommen. Dieses Gebiet könnte ihre Fortpflanzungs- und Brutplätze sein, was die Bedeutung des östlichen taiwanesischen Meeres als „Meeres-Oase“ unterstreicht 10 11 5

Literarische Errungenschaften und gesellschaftlicher Beitrag

Liao Hongjis Werk ist vielfältig. Seine Bücher „Berufspeschenfänger“, „Leben in der Tiefsee“, „Gefangenschaft auf dem Meer“ und „Von der Tiefsee“ werden als die „Vier Bücher des Meeres“ bezeichnet und gelten als Klassiker der taiwanesischen Meeresliteratur. Seine Arbeit wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter der „Times Literary Award“ und der „Wu Zhu Liu Literaturpreis“. 2019 erhielt er den 41. Wu Sanlian-Schriftpreis für Prosa. 2024 wurde er mit dem „Preis für Lebenslanges Engagement in der Bildung“ des Ministeriums für Bildung ausgezeichnet 3 5

Er war auch als Schriftsteller an der Meeresuniversität tätig und hielt Vorträge an der Universität Ciji und Donghua. Für ihn ist das Meer ein Buch, das man ein Leben lang nicht vollenden kann. Er ist lediglich ein Bot, der die Sprache des Meeres in Worte fassen will – eine Brücke zwischen Betonwalds und tiefblauem Meer, die niemals abgebaut wird 1 12

Quellenangaben

  1. Liao Hongji – Wikipedia, die freie Enzyklopädie — Wikipedia-Eintrag2
  2. Liao Hongji – Kulturabteilung Hualien — siehe Originaltext für Ergänzungen
  3. Gewinner des 41. Literaturpreises – Stiftung Wu Sanlian — siehe Originaltext für Ergänzungen23
  4. Ein Leben, das das Meer liest – Ein Interview mit dem Meeresdichter Liao Hongji – United Daily News — siehe Originaltext für Ergänzungen2
  5. Möge der Ehemann des Meeres sein – Der Fischerdichter Liao Hongji – Taiwan Light & Culture Monthly — Sonderbeitrag von Taiwan Light & Culture Monthly234567
  6. Hualien erzählt – Der Sänger des Meeres, der die Liebe zum Meer bis ins Unendliche schreibt — siehe Originaltext für Ergänzungen
  7. Die große Chronik der Haiyun 1996–2000 — siehe Originaltext für Ergänzungen
  8. Ohne Antrieb bis an die Grenzen des Ozeans – Das Geheimnis der Strömungen enthüllt das Projekt „Haiyun 101“ – Umweltinformationszentrum — siehe Originaltext für Ergänzungen
  9. Haiyun-Trip, endloser Himmel: Das Projekt „Haiyun 101“ | Anne News – Sinnliche Bildung — siehe Originaltext für Ergänzungen
  10. Jedes Jahr wieder – Der Delfin „Huaxiao Xiang“ sagt speziell Hallo nach Hualien — siehe Originaltext für Ergänzungen
  11. Das Delfin-π-Projekt – Verein Fulongmoxia Hualien — siehe Originaltext für Ergänzungen
  12. Auf dem Weg zum 2019 Frankfurter Buchmesse – Die Insel präsentiert taiwanesische Weisheiten über Berge und Meer — siehe Originaltext für Ergänzungen
Über diesen Artikel Dieser Artikel wurde gemeinschaftlich sowie mit Unterstützung von AI verfasst und geprüft.
Schlagwörter
Meeresliteratur Haiyun Delfinschutz Hualien Delfin
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