Howhow: Der Mann, der Sponsoring ins Sonnenlicht stellt, und sein immer teurer werdender Alleingang für Ehrlichkeit

2015 wurde ein YouTuber mit unter 100.000 Abonnenten von Samsung nach New York geflogen – er glaubte, man wolle ihn als Kameramann; er speicherte den Kontakt als „Wohltäter“. Später machte Chen Tzu-hao mit dem Satz „Direkt zum Sponsoring-Thema!“ das, was Creator am liebsten verstecken, zu seinem Markenzeichen. Er stemmt 1,54 Mio. Abonnenten allein als Autor, Regisseur, Darsteller und Cutter. Doch er hasst die Einsamkeit, sehnt sich nach einem Team; und seine langformigen Videos geraten genau in die Bahn, die von Shorts am härtesten überrollt wird.

Howhow: Der Mann, der Sponsoring ins Sonnenlicht stellt, und sein immer teurer werdender Alleingang für Ehrlichkeit
Bild: RJ廉傑克曼 · CC BY 3.0 · Originalquelle

30-Sekunden-Überblick: Chen Tzu-hao (Howhow) hat etwas getan, das in Taiwans YouTube-Geschichte am konträrsten wirkt. Während andere versuchen, Sponsoring zu verstecken, schreibt er in riesigen Lettern „Direkt zum Sponsoring-Thema!“ und macht die peinlichste Zutat zum Aushängeschild. Als Ein-Mann-Team – Drehbuch, Regie, Schauspiel, Schnitt – trägt er den HowFun-Kanal auf 1,54 Mio. Abos und 760 Mio. Aufrufe. Doch dahinter verbergen sich drei Widersprüche, die man nicht auf den ersten Blick sieht: Sein gepriesenes „ehrliches Sponsoring“ ist genau der Täuschungsmechanismus, den die Forschung als „Werbung, die nicht wie Werbung aussieht“ beschreibt; sein „Ein-Mann-Team“ ist ein Etikett, das andere ihm aufkleben – er selbst hasst die Einsamkeit und wollte immer ein Team; und seine teuren Langfilme liegen genau auf der Strecke, die von Kurzformaten am brutalsten plattgewalzt wird. Dieser Text handelt davon, wie ein Creator seinen Rhythmus verteidigt – und warum diese Beharrlichkeit immer teurer wird.

Der Rebell aus Jinshan

Am 20. April 1989 wurde Chen Tzu-hao im Landkreis Jinshan des damaligen Taipei County (heute Jinshan-Bezirk, New Taipei City) geboren1. Viele Porträts nennen ihn fälschlich „Wanli-Mensch“: Wanli ist der Standort des Da-Peng-Kindergartens, den seine Eltern führen, und später auch die Adresse seines Studios; Jinshan ist sein Geburtsort.

Bevor er zur Kamera griff, war er ein Kind, das brav auf der Aufstiegsbahn lief. Erst die Affiliated Senior High School der National Taiwan Normal University, dann das Wirtschaftsstudium an der National Chengchi University1. Nach außen hin eine Bahn, die in die Finanzbranche, ins Büro führt. In einem Interview zum ATCC-Wettbewerb beschrieb er sein damaliges Gefühl später sehr direkt: „Warum muss man unbedingt den Zielen nacheifern, die die Gesellschaft als wertvoll ansieht? Warum nicht etwas tun, was man wirklich will?“ Er sagte, er sei „immer von unsichtbaren Kräften der Gesellschaft vorangetrieben worden, nie ehrlich dem gefolgt, wonach das Herz verlangt“2. Dass ein Wirtschaftsstudent „ehrlich dem Herzen folgen“ als Begründung für den Ausstieg nutzt – diese Besessenheit von „Ehrlichkeit“ sollte später auf eine Weise in sein Werk zurückkehren, die niemand vorhersehen konnte.

Den eigentlichen Zauber des bewegten Bildes entdeckte er am 24. Juni 2013 mit dem Upload eines Kurzfilms: „Was führen wir bei der Abschlussfeier auf?“3. Es war ein Werbefilm für den Da-Peng-Kindergarten seiner Eltern. Darin rezitieren Kleinkinder überforderte, schwer verständliche Texte – der starke Kontrast ließ den Clip im PTT-Board „joke“ explodieren und später sogar in TV-Nachrichten landen. Doch der Kanal HowFun existierte auf YouTube bereits seit 2007, als er noch Student war, gemeinsam mit Kommilitone Ye Da-fang gegründet; der Name setzt sich aus ihren Vornamen zusammen. Er selbst erklärte auf PTT: „How Fun kommt von How und Fun, zwei Personen. Ich bin How (Hao), mein Freund ist Fun (Fang)“4. Also: Kanal 2007 eröffnet, 2013 der Durchbruch – dazwischen liegen sechs Jahre.

Nach dem Viral-Erfolg traf er eine Entscheidung, die jedem ökonomischen Instinkt widersprach: Nach dem Wehrdienst ging er in die USA an das Savannah College of Art and Design (SCAD) für einen Master in Animation und Visual Effects1. Er beschrieb es so, die Familie habe ihn „ins Ausland geschickt, um diese westliche Tinte zu trinken“5. In SCAD majorierte er in Animation und Visual Effects – das oft übersehene „Animation“ erklärt, warum er später so viele visuelle Tricks allein in ein Video packen kann. Die fremde Studienzeit ließ auch das „allein vor der Kamera stehen“ von einer Notlösung zur vertrautesten Pose seiner Arbeit werden.

Die zwei Wörter „Sponsoring“ ins Sonnenlicht stellen

Howhow (Chen Tzu-hao) bei einem Web-Interview, schwarze Hornbrille, dunkles Oberteil, gestikuliert scheu im Studiolicht
Howhow spricht über seine Kreation und Sponsoring-Philosophie. Der „Sponsoring-König“, der Werbung ins Sonnenlicht stellt, ist privat ein selbsternannter Außenseiter aus Chengchi. Foto: WebTVAsiaTaiwan. CC BY 3.0 via Wikimedia Commons.

Im September 2015 klopfte das Schicksal an – auf eine Weise, die er selbst bis heute nicht ganz erklären kann. Samsung wollte im Lincoln Center in New York das Galaxy Note 5 bei einem Unpacked-Event vorstellen, über die Agentur Leo Burnett suchte man Howhow, der damals noch unter 100.000 Abonnenten hatte6. Er erinnert sich: „Ich dachte, die wollen mich als Kameramann“, weil „meine Abos und Likes damals nicht hoch waren“, und verstand nicht, warum man ihn auswählte7. Er speicherte den Samsung-Kontakt in seinem Handy sogar als „Wohltäter“7.

📝 Kuratorische Anmerkung
Übliche Porträts schreiben: „Samsung hat seinen visuellen Stil geschätzt“ – das ist die romantisierte Version mit umgekehrter Kausalität. Howhows eigene Schilderung ist das genaue Gegenteil: Er wusste nicht, warum er ausgewählt wurde, hielt sich für Kameramann-Kandidat. Samsung setzte auf jemanden, der noch nicht groß war, aber Vertrauen ausstrahlte. In dieser Branche: erst Vertrauen, dann Reichweite – ein seltenerer Pfad als „erst Fans pushen, dann Deals machen“. Der Kontaktname „Wohltäter“ konserviert den Moment, in dem ein Kleinst-Creator von der Welt auserwählt wird – und vor Staunen fast erstarrt.

Was Howhow zum „Sponsoring-König“ machte, war sein Umgang damit. Normale YouTuber versuchen, Werbung in der Handlung zu verstecken, damit Zuschauer unmerklich zum Kauf geführt werden. Howhow ging den umgekehrten Weg: Mit einem harten Tonwechsel und einer riesigen Einblendung schrieb er: „Direkt zum Sponsoring-Thema!“8. Zuschauer hassen geschmuggelte Werbung am meisten – er legte sie offen aufs Tablett, und genau das ließ die Leute schmunzeln.

Hinter dieser „Direktheit“ steckt eine durchdachte Philosophie. Er sagt: „Wenn das Publikum erst am Ende merkt: ‚Huch, das war Sponsoring!‘, dann ist das eigentlich ein Erfolg“, weil „die Art des Erzählens das Wichtigste ist … größer als die Abneigung gegen Sponsoring, dann hat man es richtig gemacht“9. Zerlegt man den Satz: Ihm geht es darum, ob die Geschichte gut genug ist – so gut, dass man vergisst, dass es Werbung ist. Auf die alte Frage, ob man dem Publikum untreu wird, wenn man Geld vom Kunden nimmt, antwortet er pragmatisch: „Ihnen dienen, sie zum Lachen bringen – das reicht“7.

⚠️ Streitbare Perspektive
Dieses „ehrliche Sponsoring“ klingt wasserdicht, doch die Forschung sieht die Kehrseite. Studien zu Native Advertising zeigen: Selbst bei klarer Kennzeichnung als Werbung erkennen rund ein Viertel der Rezipienten nicht, dass sie Werbung konsumieren – und werden dennoch beeinflusst10. Mit anderen Worten: „Werbung hübsch zu machen“ ist genau der Täuschungsmechanismus „Werbung, die nicht wie Werbung aussieht“: Je mehr man lacht, desto niedriger die Abwehr. Howhows „Direkt zum Sponsoring-Thema!“ treibt die Kennzeichnung auf die Spitze, aber gerade seine Virtuosität ist es, vor der die Forschung am meisten warnt: Je besser die Werbung unterhält, desto mehr vergisst man ihren kommerziellen Kern. Taiwans Müdigkeit und Misstrauen gegenüber „Ye-Pei“ (Wortspiel für Sponsoring) entspringt derselben Angst vor der Einschleusung von Werbung in Inhalte. Zuschauer haben direkt gespottet: „Dein Kanal besteht doch nur noch aus Sponsoring“11. Wer Sponsoring zum Markenzeichen macht, entkommt dem Bumerang „bleibt am Ende nur noch Sponsoring?“ nicht.

Auch Taiwans Regulierung holt auf. 2023 verschärfte die Fair Trade Commission die Regeln: Influencer haften solidarisch für empfohlene Produkte und Verkäufer – als eine der strengsten Influencer-Werbevorschriften Asiens angesehen12. In diesem immer transparentere fordernden Umfeld wirkt Howhows „Ich sag dir offen, das ist Sponsoring“ wie ein vorauseilendes Auf-die-sichere-Seite-Stellen. Doch die Forschung mahnt: Transparenz in der Form heißt nicht, dass die durchschlagende Wirkung verschwindet.

Ein Mensch – aber er wollte nie allein sein

Howhows bekanntestes Label ist „Ein-Mann-Team“. Das hat handfeste Gründe: Er deckt tatsächlich lange alle Schritte allein ab. Er beschrieb das Bild: „Selbst Drehbuch, selbst Requisiten, selbst Stative aufbauen, selbst filmen, selbst schneiden, selbst Untertitel, selbst Special Effects“13. In Videos spielt er oft mehrere Rollen, klebt Papierbärte an, ändert den Pony, setzt Perücken auf – und spielt gegen „ein anderes Ich“. Das 2017er-Universiade-Video „Taipeh! Mein Heimvorteil feat. Ko P“ ist das prominenteste Beispiel für diese Ein-Mann-Mehrfachbesetzung8.

Universiade-Werbespot 2017 „Taipeh! Mein Heimvorteil feat. Ko P“. Howhow spielt alle Rollen selbst, zeichnet Ko Wen-je und Tsai A-ga nach – die bekannteste öffentliche Demonstration des „How-Rhythmus“.

Doch die vier Zeichen „Ein-Mann-Team“ bergen ein Missverständnis, das Publikum und Medien romantisch verklärt haben. Man liest darin eine Ästhetik der Einsamkeit, als habe er bewusst gewählt, allein vor leerer Linse zu spielen. Die Realität ist das Gegenteil. Als auf PTT jemand anzweifelte: „Kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Drehbuch, Kamera, Schauspiel alles eine Person macht“ – und sogar vermutete, er „verbrauche das Außenseiter-Image“14, konterte Howhow selbst mit einem sehr ehrlichen Satz: „Ich will auch nicht allein sein, verdammt“13.

💡 Wussten Sie schon
Howhow war nie wirklich „rein allein“. Beim Drehen ließ er zeitweise Eltern, Freundin, sogar Kooperationspartner der Marken als Stand-ins positionieren, damit er den Fokus einstellen konnte13. Am 31. März 2018 stieß Lan Yi-ming offiziell zu seinem Team1. Im Interview sprach er noch deutlicher: „Eigentlich wollte ich immer ein Team“, weil das Alleinmachen „größter Nachteil: zu langweilig“ sei, und er ankündigte: „Bald kommt ein Cutter dazu“15. Die viel zitierte „Einsamkeits-Ästhetik“ ist also ein Etikett, das Zuschauer und Medien aufklebten – nicht seine romantisierte Wahl. Was er will, ist simpel: Jemanden an der Seite.

Genau hier liegt die am meisten missverstandene Schicht an Howhow. Die Traffic-Welt feiert „einer stemmt alles“ als Beweis für Willen und Talent, macht „Ein-Mann-Team“ zum Personal-Branding-Argument. Doch der Betroffene wird einerseits für dieses Label gefeiert, ruft andererseits „Ich will auch nicht allein sein“ und beginnt still, Leute zu suchen. Betrachtet man beides zusammen, wird klar: Sein „Alleinsein“ wurde ihm von der Realität aufgezwungen, ist kein Glaubenssatz; was er wirklich verteidigt, ist, Videos so zu machen, wie er sie haben will – notfalls allein gegen die leere Luft spielend –, und das hat mit Einsamkeit nichts zu tun.

Die Forschung spitzt diesen Widerspruch zu. Liu Chih-yus Studie 2021 an der National Taiwan Normal University analysierte fünf gemeinsame Merkmale taiwanischer Millionen-YouTuber: Markenbildung, Titelformat, Teamarbeit, lockere Alltagsästhetik, Spitzenreiter im Feld – vier davon bauen auf „Team“ auf16. Howhow läuft just beim entscheidenden Punkt „Teamarbeit“ gegen den Strom, stemmt allein, wofür andere Teams brauchen. Eine weitere Studie von Chung Ming-chun an der Tamkang University weist darauf hin, dass diese musterhafte, extrem selbstfordernde Produktion im Kern „Selbstausbeutung“ und massive Gratisarbeit ist17. Seine Sätze „zu langweilig“ und „ich will auch nicht allein“ klingen aus dieser Perspektive wie die ehrlichste Erschöpfung nach zu langem Alleinstemmen.

Der Verrat der „Tool-Man-Allianz“

Dass Howhow so tief mit Taiwans „Gongmin“ (Foren-Nutzern) resoniert, liegt daran, dass er die gemeinsame Sprache der PTT-Generation der 2010er direkt in Videos übersetzte. Tool-Man, Außenseiter, „Wach auf, du hast keine Schwester“ – diese Memes nutzte er nicht nur, er prägte sie mit. Die Figur des ungeliebten, alles selbst machenden Single-Losers, die er spielte, war Projektionsfläche für unzählige Foren-Nutzer. In jenem Kontext war er quasi der geistige Anführer der „Tool-Man-Allianz“.

Singer-Songwriterin Deng Fu-ru (A-Fu) mit Akustikgitarre auf Open-Air-Bühne, sonnig, Kopf gesenkt beim Zupfen
Singer-Songwriterin Deng Fu-ru (A-Fu), heiratete Howhow am Valentinstag 2019 standesamtlich. Foto: Onlymyself65536. CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

Als am 14. Februar 2019 – just am Valentinstag – die Nachricht kam, er und Sängerin Deng Fu-ru (bürgerlicher Name) hätten geheiratet1, empfanden Follower seines „Außenseiter“-Images einen feinen „Verrat“. Der Anführer war vom Markt, und just am Valentinstag. 2021 kam der Sohn, 2023 die Tochter – zusammen das Zeichen „gut“ (hao)18. Jener Mann, der allein vor der Linse den einsamen Loser mimte, hatte im echten Leben still eine Familie gebaut.

📝 Kuratorische Anmerkung
Hier verbirgt sich ein unsichtbarer Kontrast durch Howhows ganzes Schaffen: Der „Außenseiter“ auf dem Bildschirm und der „Zweifach-Papa“ in der Realität sind ein und dieselbe Person. Das Foren-Personal ist eine aus gemeinsamer Erfahrung destillierte Rolle, um Leute zum Lachen zu bringen – nicht sein echtes Leben. Wenn das wahre Leben des Creators (Heirat, Kinder, Teamwunsch) und das Image, das ihn groß machte (Einsamkeit, Rand, Alleinsein), auseinanderklaffen, wird die Frage: „Muss ich die Rolle weiterspielen, die ich längst nicht mehr bin?“ Ein Dreißigjähriger mit zwei Kindern, der ein Team will – wie soll er weiter „Tool-Man-Allianz-Anführer“ sein? Diese Spannung beantwortet er bis heute mit seinen Werken.

Zur Erziehung äußert er sich anders als sein Komiker-Image. Er sagte: „Schlagen bringt gar nichts“, findet: „Mit Drohungen das Kind seine Emotionen verarbeiten und unterdrücken zu lassen – das ist sehr ungesund“19, setzt auf gewaltfreie Erziehung. Auf die Frage nach einem dritten Kind lachte er: „In dieser Phase kaum möglich, in dieser Zeit 3 oder 4 Kinder zu bekommen – das sind echte Helden“20.

Seine Identität beschränkt sich nicht auf YouTuber und Vater. Er ist Bassist und Bandleader der Band Qiyueban (SevenFat), die 2020 das Album „Ye Lu Si Ku“ veröffentlichte21. Das oft ihm zugeschriebene „How-Ge-Universum“ ist eigentlich ein Qiyueban-Song samt MV, kein Buch. Sein einziges echtes Buch ist „How Fun! Wie man YouTuber genießt“ (Gao Bao, Januar 2018) – er spendete die Tantiemen der ersten, zweiten und dritten Auflage komplett an die Child Welfare League Foundation, später nach dem Hualien-Erdbeben nochmals22. Im Januar 2026 hatte er einen Cameo im MV „Die glücklichen Dinge, an die man sich nicht erinnert“ von Accusefive: Er spielt einen vollverbandsummten, im Rollstuhl sitzenden Schwerinfizierten, quasi eine Mumie. Seine Beschreibung der Rolle ist sehr Howhow: „Die Hälfte der Zeit hab ich in der Verbandsmaske die Augen zu und geschlafen, super bequem“23.

Langfilm als immer teurerer Wetteinsatz

Würde die Geschichte bei „Sponsoring-König, Zweifach-Papa, Bandleader“ enden, wäre es eine runde Erfolgsgeschichte. Howhows eigentliche Gegenwartsbedeutung steckt darin, dass die Bahn, die ihn groß machte, gerade kollabiert.

Am 23. Dezember 2018 knackte HowFun die Million Abonnenten1. Setzt man diesen Zeitpunkt in die Zeitachse der Professionalisierung taiwanischer YouTuber: 2014 wurde Tsai A-ga Taiwans erster Millionen-YouTuber, 2016 zogen „Zhe Qun Ren“ nach, 2017 stellte Sheng Jie Shi mit 225 Tagen den Geschwindigkeitsrekord auf, A-shen überschritt die Marke ebenfalls, Howhow schloss sich Ende 2018 dem Millionen-Club an24. Jeder fand seine Überlebensstrategie – Howhows Strategie: hochkostige, langsam gereifte Langfilme, genau die anstrengendste Sorte.

Das Problem: Dieser Weg wird immer teurer. Taiwans YouTuber-Werbe-TKP (CPM) ist chronisch niedrig; ein Kanal mit 300.000 Monatsaufrufen bringt oft nicht einmal 10.000 NT$ reinen Werbeertrag24. Deshalb ist für taiwanische Creator „Sponsoring Überlebensnotwendigkeit“, nicht Gier. Wer Sponsoring hübsch und unverhasst hinbekommt, überlebt. Howhows Titel „Sponsoring-König“ fußt auf einer brutalen Überlebensarithmetik.

Der größere Schock: Shorts. Forschung zeigt: Seit dem Aufstieg von YouTube Shorts & Co. sinken Aufrufe und Interaktion bei Langfilmen signifikant – am härtesten trifft es Unterhaltung (Entertainment) und Lifestyle, während Info und Bildung weniger betroffen sind25. Kurzformate dominieren heute den Großteil des Traffics. Mit anderen Worten: Howhows „Unterhaltungs-Langfilm“-Bahn ist genau die, die von Shorts am gründlichsten plattgewalzt wird.

Seine eigene Ermüdung benennt er ungeschönt. Im November 2023 im Interview: „In den nächsten 5 Jahren könnten vertikale Shorts der Trend sein. Wir müssen uns dem beugen“, und vergleicht Shorts mit Fast Food: „Vertikale Shorts sind wie Instant-Nudeln essen“26. Er spricht den Bonusverlust direkt an: „Vor etwa 3–4 Jahren hatten Langfilme auf YouTube noch einen Bonus … aber die letzten ein, zwei Jahre hat sich alles geändert“, weil „man nicht ewig sein eigenes Kapital verbrennen kann, das verbrennt sich schnell“26. Der schmerzhafteste Satz: „Dein Interesse wird geschliffen, geschliffen … am Ende fängst du wirklich an, Drehen zu hassen“26.

💡 Wussten Sie schon
Im Juli 2024 wurde HowFuns „lawinenartiger Einbruch“ der Aufrufe zum Nachrichtenthema, PTT spaltete sich in zwei Lager: die einen sagen, die Zeit hat sich gedreht, die anderen, er selbst sei das Problem27. Howhow selbst reagierte auf jene 2024er-Debatte nicht öffentlich; die vorigen „Kreativ-Erschöpfung“-Sätze stammen aus dem früheren 2023er-Interview. Ein interessanter Kontrast: Er, der Langfilme beharrt, übernahm im März 2026 die Jury-Leitung beim Lexus-„MY FILM“-Kurzfilm-Festival28; und HowFun veröffentlichte 2026 weiter seine gewohnten Langfilme. Jemand, der Shorts sowohl ablehnt, als auch zu verstehen lernt, und sogar deren Juror wird – er lebt das Dilemma der Creator dieser Ära als Alltag.

Das ist die tiefste Schicht an Howhow. Seine Art von Ehrlichkeit – Sponsoring ins Sonnenlicht stellen, allein langsam einen kompletten Langfilm schleifen – wird in einer Ära, die immer schneller, kürzer, teamlastiger verlangt, zu einem immer teureren Luxusgut. Er weiß das nicht nicht. Er weiß es zu genau, deshalb sagt er: „Wir müssen uns beugen.“

Ob Ehrlichkeit auch nur ein Algorithmus ist

Howhow zitiert gern einen Satz aus „The Crucible“ (熔爐): Er sagte selbst: „Wir kämpfen uns durch, nicht um die Welt zu ändern, sondern um nicht von der Welt geändert zu werden“29.

Setzt man den Satz in seine Lage, wird es still. Was er verteidigt, ist sehr konkret: Ein großgeschriebenes „Direkt zum Sponsoring-Thema!“, ein selbst geschriebener, inszenierter, gespielter, geschnittener Langfilm – notfalls allein vor leerer Linse. Das war 2015 das Kapital, das ihn Samsung wählen ließ, das ihn in Taiwans YouTube-Geschichte verankerte; 2026 ist es zur Starrsinnigkeit geworden, die der Algorithmus nicht mehr belohnt, deren Bonus längst verbrannt ist. Die Ehrlichkeit hat sich nicht geändert – die Welt will etwas anderes.

Man kann die Geschichte als Sieg eines Creators lesen: Er definierte Sponsoring neu, machte das, was Zuschauer am meisten abstieß, zur Erwartung. Doch die Forschung mahnt: Je schöner die Werbung, desto weniger wirkt sie wie Werbung; sein Team-Traum ist bis heute nicht ganz eingelöst; und sein festgehaltenes Langfilm-Format wird von jenen Shorts Zentimeter für Zentimeter verdrängt, bei denen er selbst Juror wurde. Stellt man diese drei Schichten übereinander, ist Howhow weniger ein rundes Erfolgsmodell als ein reales Fallbeispiel für die Frage: „Was kostet es, den eigenen Rhythmus zu halten?“

Zurück zu jenem New Yorker Nachmittag 2015. Ein Junger mit unter 100.000 Fans, der glaubte, er fliege als Kameramann hin, wurde zum ersten Mal von der Welt ernsthaft auserwählt – er speicherte den Kontakt als „Wohltäter“. Zehn Jahre später ist er immer noch der, der allein schreibt, allein spielt. Nur dass er diesmal, während er ruft „Ich will auch nicht allein sein“, zusieht, wie die Welt immer kürzer atmet.


Weiterführende Links:

Bildquellen

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  • Qiyueban-Band (Hero) — Howhow ist Bassist und Bandleader von Qiyueban (eines der Bandmitglieder im Bild). Foto: RJ Lien Chieh-man, 2017-12-07, CC BY 3.0.
  • WebTVAsia Interview HOWFUN — Howhow im Interview. Foto: WebTVAsiaTaiwan, CC BY 3.0.
  • Deng Fu-ru — Howhows Ehefrau, Singer-Songwriterin Deng Fu-ru (A-Fu). Foto: Onlymyself65536, 2011-06-11, CC BY-SA 3.0.

Quellen

  1. How How — Wikipedia — Infobox: Geburt 20.04.1989 in Jinshan, Taipei County; SCAD Master Animation & Visual Effects; 31.03.2018 Lan Yi-ming Eintritt; 23.12.2018 1 Mio. Abos; 14.02.2019 Heirat mit Deng Fu-ru u. a. Basisdaten.23456
  2. Leidenschaftlicher Jugendlicher Chen Tzu-hao ATCC-Wettbewerbs-Interview — ETtoday — Chen Tzu-hao über den Ausstieg aus dem Wirtschaftsstudium hin zur Videokreation, wörtlich: „Warum muss man unbedingt den Zielen nacheifern, die die Gesellschaft als wertvoll ansieht“ und „nie ehrlich dem gefolgt, wonach das Herz verlangt“.
  3. Chengchi Memory Net: Chen Tzu-hao — Alumni-Datenbank der National Chengchi University: Geburt Jinshan, Wirtschafts-Bachelor, Animation & Visual Effects Master, Kanalgründung mit Ye Da-fang, Da-Peng-Kindergarten, Upload Abschlussfilm 24.06.2013, Qiyueban Bassist & Bandleader.
  4. HowHow erklärt HowFun-Namensherkunft — PTT-Übertragung — HowHow selbst auf PTT zur Namensgebung: wörtlich „Ich bin How (Hao), mein Freund ist Fun (Fang)“, zugleich Originalthread zur Ein-Mann-Team-Frage.
  5. HowHow Auslandsstudium-Gespräch — CTWANT — Bericht zitiert HowHows wörtliche Beschreibung des Auslandsstudiums: „ins Ausland geschickt, um diese westliche Tinte zu trinken“.
  6. Howhows Sponsoring-Weg — Business Weekly — Bestätigt Samsung Galaxy Note 5 Sponsoring September 2015, über Leo Burnett (Ansprechpartner He Kuan-chun), Zeitpunkt und Modell.
  7. Sponsoring-Fall HowHow YouTuber — TransBiz — Erlebnisbericht Samsung New York: „dachte, die wollen mich als Kameramann“, „Abos und Likes waren nicht hoch“, Kontaktname „Wohltäter“, sowie „ihnen dienen, sie zum Lachen bringen – das reicht“ wörtlich.23
  8. Direkt zum Sponsoring-Thema! HowHows Sponsoring-Philosophie — Digital Era — Wörtlich „direkt mit Tonwechsel und großer Einblendung ‚Direkt zum Sponsoring-Thema!‘“, sowie Selbstregie, Selbstspiel, Selbstschnitt und 2017 Universiade Ko Wen-je Nachdreh.2
  9. Wie YouTuber Sponsoring machen — INSIDE — Howhows Sponsoring-Philosophie wörtlich: „Wenn das Publikum erst am Ende merkt: ‚Huch, das war Sponsoring!‘, dann ist das eigentlich ein Erfolg“ und „die Art des Erzählens ist das Wichtigste“.
  10. Native advertising — Wikipedia — Zusammenfassung der Native-Advertising-Forschung: Selbst bei Kennzeichnung als Werbung erkennen ca. ein Viertel der Rezipienten nicht, dass sie Werbung konsumieren, und werden beeinflusst.
  11. Ein-Mann-Team-Frage und Sponsoring-Diskussion — PTT-Übertragung — Foren-Diskussion zu HowHows Ein-Mann-Team und Sponsoring-Anteil im Kanal, inkl. Kritik „Kanal besteht nur noch aus Sponsoring“.
  12. Müssen Influencer Kooperationen offenlegen — Winkler Partners — Erläutert Taiwans 2023er Fair-Trade-Änderung: Influencer haften solidarisch mit Verkäufern, als eine der strengsten Influencer-Werbe-Regeln Asiens angesehen.
  13. HowHow antwortet auf Ein-Mann-Team-Frage — SETN — Eigenantwort auf PTT wörtlich: „Ich will auch nicht allein sein, verdammt“, „selbst Drehbuch, selbst Requisiten, selbst Stative, selbst filmen, selbst schneiden“, „Hersteller bitten, als Stand-in zu stehen, damit ich fokussieren kann“, „werde bald Leute suchen, die helfen“.23
  14. Ein-Mann-Team-Frage Originalthread — PTT-Übertragung — Original-Post zweifelt: „Kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Drehbuch, Kamera, Schauspiel alles eine Person macht“ und vermutet „Verbrauch des Außenseiter-Images“ wörtlich.
  15. HowHow über Team und Einsamkeit — LINE TODAY — Wörtlich: „Eigentlich wollte ich immer ein Team!“, „größter Nachteil: zu langweilig“, „bald kommt ein Cutter dazu“.
  16. Liu Chih-yu 2021 Millionen-YouTuber-Erfolgsmerkmale — NTNU/Huayi — Analyse von fünf gemeinsamen Merkmalen taiwanischer Millionen-YouTuber (Markenbildung/Titelformat/Teamarbeit/lockere Alltagsästhetik/Spitzenreiter), vier davon auf Team-Basis.
  17. Chung Ming-chun 2021 YouTuber-Musterkreation & Arbeit — Tamkang/Huayi — Untersucht Selbstausbeutung und Gratisarbeit in musterhafter YouTuber-Kreation.
  18. HowHow zweites Kind Tochter Bericht — Tai Sounds — Bericht: HowHow & Deng Fu-ru 2023 Tochter, mit 2021 geborenem Sohn ergibt das Zeichen „gut“.
  19. HowHow gewaltfreie Erziehung — Yahoo News — Zitat HowHow wörtlich: „Schlagen bringt gar nichts“, „mit Drohungen das Kind seine Emotionen verarbeiten und unterdrücken zu lassen – das ist sehr ungesund“.
  20. HowHow drittes Kind Gespräch — SETN — 24. Mama-Baby-Preisverleihung wörtlich: „In dieser Phase kaum möglich, in dieser Zeit 3 oder 4 Kinder zu bekommen – das sind echte Helden“.
  21. Qiyueban (Band) — Wikipedia — Band-Eintrag: „How How: Bassist & Bandleader“, Debüt Nov. 2017, Album „Ye Lu Si Ku“ 05.12.2020.
  22. HowHow Buch Tantiemen komplett gespendet — INSIDE — Bericht: „How Fun! Wie man YouTuber genießt“ (Gao Bao 10.01.2018) Erst-, Zweit-, Drittauflage Tantiemen komplett gespendet (Child Welfare League Foundation & Hualien-Erdbeben-Zusatz).
  23. HowHow Cameo Accusefive MV — Apple Daily — Bericht: HowHow in Accusefive MV „Die glücklichen Dinge, an die man sich nicht erinnert“ als vollverbandsummter Rollstuhl-Schwerinfizierter, wörtlich: „Die Hälfte der Zeit hab ich in der Verbandsmaske die Augen zu und geschlafen, super bequem“.
  24. Taiwan YouTube Kanal Abonnenten-Ranking — Wikipedia — Zusammenstellung Taiwan Millionen-YouTuber Zeitachse (2014 Tsai A-ga, 2016 Zhe Qun Ren, 2017 Sheng Jie Shi/A-shen, 2018 Howhow) & taiwanische YouTuber-Werbe-TKP niedrig.2
  25. Shorts on the Rise: Kurzfilm-Einfluss auf Langfilm — arXiv 2402.18208 — Wissenschaftliche Studie: Shorts-Aufstieg führt zu signifikantem Rückgang bei Langfilm-Aufrufen/Interaktion; Unterhaltung & Lifestyle am stärksten betroffen, Info/Bildung weniger.
  26. HowHow über Shorts & Kreativ-Erschöpfung — udn Tech — Interview Nov. 2023 wörtlich: „Nächste 5 Jahre könnten vertikale Shorts Trend sein“, „vertikale Shorts wie Instant-Nudeln“, „Langfilme hatten Bonus … letzte 1–2 Jahre alles geändert“, „kann nicht ewig eigenes Kapital verbrennen“, „wird geschliffen, bis man Drehen wirklich hasst“.23
  27. HowFun Aufruf-Einbruch & PTT-Debatte — TVBS — Juli 2024 Bericht: HowFun „lawinenartiger Einbruch“ löst PTT-Zweilager-Debatte aus, HowHow selbst keine öffentliche Reaktion.
  28. HowHow leitet Lexus MY FILM Kurzfilm-Festival Jury — udn Auto — März 2026 Bericht: HowHow als Juror bei Lexus „MY FILM“ Kurzfilm-Festival – Kontrastrolle.
  29. HowHow zitiert The Crucible über Lesen — English OK — HowHow zitiert The Crucible wörtlich: „Wir kämpfen uns durch, nicht um die Welt zu ändern, sondern um nicht von der Welt geändert zu werden“.
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