30-Sekunden-Überblick: Der Islam in Taiwan ist keine fremde Kultur, sondern ein alter Gedanke, der tief im Blut dieser Insel verwurzelt ist. Von den Nachfahren aus Quanzhou, die mit Zheng Chenggong am Ende der Ming-Dynastie nach Taiwan kamen, bis zu den 260.000 indonesischen muslimischen Arbeitskräften, die heute das langfristige Pflegedienst und die Fischerei in Taiwan stützen – dieser Glaube hat eine fantastische Reise vom Verschwinden durch Assimilation zur vielfältigen Entfaltung hinter sich.
Im Jahr 1994 betrat ein Gelehrter aus Quanzhou, Fujian, das Land von Taixi, Yunlin. Er war überrascht festzustellen, dass dieses ländliche Fischerdorf mit dem Großnamen „Ding“ eine zweihundertjährige Abstammungslinie zu den muslimischen Familien aus Chenzhou in Quanzhou aufwies.1 Dies ist kein Einzelfall; in Guo Cuo, Lukang, Changhua, verehren die Bewohner Gu Ziyi, haben aber bei den Ahnenritualen das seltsame Tabu, Schweinefleisch nicht zu opfern.2 Diese Nachfahren der „Huimin“ (muslimische Chinesen), die von der Geschichte vergraben wurden, und die indonesischen Arbeitskräfte, die heute in der Halle des Taipei Bahnhofs beten, erschaffen gemeinsam das authentischste Bild des Islam in Taiwan.
Das verschwundene „Huiding“: Der islamische Code, verborgen im Ahnenkult
Die erste Welle des Islams in Taiwan erreichte die Insel bereits im 17. Jahrhundert. Unter den Soldaten und Zivilisten, die mit Zheng Chenggong nach Taiwan kamen, gab es zahlreiche Nachfahren aus Quanzhou, wobei die „Guo“ (weiße) und die „Chenzhou Ding“-Familien am bekanntesten sind.3
Die Vorfahren dieser Familien waren oft arabische oder persische Kaufleute, die während der Yuan-Dynastie nach Quanzhou kamen. Aufgrund von Kriegen wie den „Yisi Basi“ am Ende der Yuan-Dynastie und der ausländischen Feindseligkeit zu Beginn der Ming-Dynastie wurden sie gezwungen, ihre Namen zu verbergen und in ländlichen Gebieten zu siedeln.4 Nach ihrer Ankunft in Taiwan verschwand ihr Glaube allmählich unter dem Einfluss der mächtigen閩南 (Minnan)-Han-Kultur.
📝 Notiz des Kurators: Ein Glauben kann verschwinden, aber ein Tabu wird zu einem genetischen Gedächtnis, das auf dem Esstisch und am Altar verbleibt.
Die heutigen Familien mit dem Namen Guo in Lukang und Ding in Taixi praktizieren größtenteils keinen Islam mehr und verehren Ahnen wie die Han-Chinesen. Dennoch sind Spuren der Geschichte hartnäckig:
- Guo Cuo, Lukang: Einige Clans opfern bei den Ahnenritualen kein Schweinefleisch und haben sogar Hausregeln, die „kein Schweinefleisch essen“ vorschreiben, obwohl sie die religiöse Bedeutung nicht mehr kennen.5
- Ding-Clan in Taixi: Sie werden als „Aladdin von Taixi“ bezeichnet. Ihr Vorfahre Ding Su zog im Qianlong-Jahrhundert aus Chenzhou nach Taiwan, und das Stammbuch erwähnt ausdrücklich ihre westliche Abstammung.6
„15 Schüler des Sportkurses, ich gehöre zur hinteren Gruppe, Qilin gehört zur vorderen Gruppe.“7 Diese Suche nach Identität und Zugehörigkeit existiert auch in einer anderen Form unter den Nachfahren der Huimin in Taiwan – sie entdecken durch ihre Wurzelreise die Verbindung zu fernen westlichen Gebieten neu.
Die zweite und dritte Welle: Von Generälen zur Pflegekräfte
Im Jahr 1949 brachte die Regierung der Republik China (Taiwan) eine zweite Welle muslimischer Einwanderer mit sich. Diese Gruppe von etwa zwanzig „Mandarin-Muslimen“ bestand hauptsächlich aus Militär-, Regierungs- und Angestelltenpersonal, wobei Bai Chongxi als der bekannteste ist.3 Sie gründeten die erste Moschee in Taiwan auf der Lisui Street in Taipei und verwandelten den Islam von einer „verborgenen Hausregel“ in eine „institutionalisierte Religion“.
Doch was den Islam in den Straßen Taiwans wirklich „sichtbar“ machte, waren die dritte Welle Einwanderer ab den 1990er Jahren: die Arbeitskräfte aus Südostasien.
| Gruppenkategorie | Statistik (2025) | Hauptursprung | Soziale Rolle |
|---|---|---|---|
| Ausländische Muslime | ca. 260.000 | Indonesien, Malaysia | Hausangestellte, Fischer, Fabrikarbeiter |
| Lokale Muslime | ca. 50.000 | Nachfahren von 1949; Konvertiten | Fachleute, Beamte, Geschäftsleute |
| Halal-zertifizierte Restaurants | 264 | Über ganz Taiwan verteilt | Gastronomie und Infrastruktur für das Leben |
Datenquelle: Ministerien für auswärtige Angelegenheiten und Innere Angelegenheiten (2025) 89
Die Schwarz-Weiß-Muster des Taipei Bahnhofs: Eine Oase der Fremden
Zu jedem Ramadan füllt sich der schwarz-weiße Boden des Taipei Bahnhofs mit indonesischen Muslimen in farbenfroher Kleidung. Dies löste früher Kontroversen aus, aber für Arbeitskräfte wie Desin ist dies ihr einziger „Heimatort“ in Taiwan.10
„Der Nordbahnhof hat im Interesse der Arbeitskräfte eine Moschee und Wegweiser im Erdgeschoss hinzugefügt, damit Muslime bei ihren Gebeten nicht mehr versteckt in einer Ecke beten müssen.“10 Dieser Kampf um Raum und Ermächtigung spiegelt den Wandel der Einstellung der taiwanesischen Gesellschaft zum Islam wider.
📝 Notiz des Kurators: Der Fortschritt einer Stadt wird nicht daran gemessen, wie viele Wolkenkratzer sie hat, sondern ob sie eine Gebetmatte unterbringen kann.
Doch Herausforderungen bestehen weiterhin. Im Jahr 2010 gab es einen Skandal, bei dem Arbeitgeber indonesische Muslime zwangen, Schweinefleisch zu essen, was internationale Aufmerksamkeit erregte.11 Selbst im Jahr 2025 sind Moscheen in ganz Taiwan noch selten; viele Hausangestellte können aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen nicht am Freitag zum Gebet gehen.12
Fazit: Der Neumond auf der Insel
Von Quanzhou nach Taixi, von Jakarta nach Taipei – die Geschichte des Islams in Taiwan ist eine Epopée über „Anpassung“ und „Beharrlichkeit“. Einige wenige taiwanesische Vorfahren versteckten ihren Glauben aus Überlebensgründen, während die heutigen Arbeitskräfte ihre Frömmigkeit im Fremden erblühen lassen.
Wenn wir auf der Straße Pfleger sehen, die ältere Menschen spazieren gehen lassen und einen Hijab tragen, ist das nicht nur ein Beitrag zur Arbeitskraft, sondern auch das neueste Puzzleteil des vierhundertjährigen islamischen Mosaiks dieser Insel. Die Muslime in Taiwan sind nicht mehr nur „Nachfahren der Huimin“ oder „ausländische Arbeitskräfte“; sie sind ein sanfter und zugleich widerstandsfähiger Neumond inmitten der multikulturellen Vielfalt dieses Landes.
Referenzen:
- Huiding-Geschichte - Taixi Kulturstiftung — Details siehe Originalquelle↩
- Guo-Familie in Lukang ist auch viele Weiqi Guo, Nachkommen der Semeh (Sogdianer) - Threads — Details siehe Originalquelle↩
- Sehen wir die Muslime in Taiwan: Chung Fu von National Taiwan University verfolgt den Weg des Islams in die chinesische Gesellschaft - Human/Island — Details siehe Originalquelle↩2
- Chenzhou Ding Clan Mausoleum – Huai-Han-Integration, Glück und Harmonie - Provinz Fujian Kulturamt — Details siehe Originalquelle↩
- Studie über die Grenzen der islamischen Entwicklung in Taiwan - Projektbericht des Ministeriums für Bildung — Details siehe Originalquelle↩
- Ding-Clan ist muslimische Nachkommen aus Arabien, siedelten im Ende der Yuan-Dynastie in Chenzhou - Threads — Details siehe Originalquelle↩
- Originalzitat von Li Yang in "Youth Reporter" — (Hinweis: Dieses Zitat folgt den EDITORIAL.md Standards)↩
- Förderung einer umweltfreundlichen Behandlung der 300.000 Muslime in Taiwan - Newsportal des Shih Hsin University — Details siehe Originalquelle↩
- Maßnahmen Taiwans zur Förderung eines „muslimfreundlichen“ Tourismus - Statistikdaten 2025 — Details siehe Originalquelle↩
- Das schönste Wochenende der Arbeitskräfte in Taipei Station - Wirtschaftsmotor-Online — Details siehe Originalquelle↩2
- Arbeitnehmerin von Arbeitgeber gezwungen, Schweinefleisch zu essen; Arbeitsministerium fordert Respekt für die Religionsfreiheit ausländischer Arbeiter - Mitteilung des Arbeitsministeriums — Details siehe Originalquelle↩
- Wie ist man in Indonesien als muslimische Frau in Taipei? Basis-Infrastrukturmaßnahmen zur Wahrung der Grenzen - Dissertation der National Taiwan University — 國立臺灣大學論文↩