Xi Murong: Die poetische Symphonie von Steppe und Moderne

Autorin von „Qilixiang“ (Siebenmeilen-Duft) und „Nie bereute Jugend“, meistverkaufte Dichterin des chinesischsprachigen Raums, Mongolin

30-Sekunden-Überblick: Xi Murong war in den 1980er-Jahren Taiwans meistverkaufte Dichterin; als 1981 „Qilixiang“ (Siebenmeilen-Duft) erschien, wurde der Band innerhalb eines Jahres siebenmal neu aufgelegt und eroberte die chinesischsprachige Welt auf beiden Seiten der Meerenge. Zugleich ist sie eine akademisch ausgebildete Ölmalerin und Nachfahrin des mongolischen Chahar-Stammes; nachdem sie 1989 erstmals die Steppe betrat, verlagerte sich ihre lyrische Perspektive von urbaner Empfindsamkeit zur kulturellen Selbstverortung einer Ethnie.

Ein multikultureller Hintergrund

Xi Murongs bürgerlicher Name ist Mulen Xi Lianbo, geboren am 15. Oktober 1943 in Jingangpo bei Chongqing. Ihr Vater Xi Zhenduo (mongolischer Name Lashi Dündok) war Delegierter der ersten Nationalversammlung der Acht Banner von Chahar; auch ihre Mutter Le Zhufang (mongolischer Name Bayin Bilik) war Mongolin. Dieses aus der Steppe stammende Blut gab ihr später ein Wahrnehmungsvermögen für das „verlorene Heimatland“, das über das übliche Maß der nach Taiwan umgesiedelten Familien hinausging. Die Entwurzelungen und Wirren der Kriegsjahre ließen Xi Murong schon früh den Geschmack der Trennung und die Sehnsucht nach der Heimat erfahren.

1949 zog die sechsjährige Xi Murong mit ihrer Familie nach Hongkong. Das internationale Umfeld Hongkongs brachte sie mit der Verschmelzung chinesischer und westlicher Kultur in Berührung; diese Prägung wirkte tief auf ihr späteres Schaffen. In ihren Hongkonger Jahren kam sie zugleich mit der chinesischen Tradition und der westlichen Literatur und Kunst in Berührung.

1954 siedelte Xi Murong mit ihrer Familie nach Taiwan über. Die Jugendjahre in Taiwan – besonders die Naturschönheit und das kulturelle Umfeld der Insel – lieferten ihrer Lyrik reiches Material. Flüsse, Berge, Blumen, Gras und die wechselnden Jahreszeiten Taiwans wurden zu immer wiederkehrenden Bildern in ihren Gedichten.

Die Studienzeit an der Kunstabteilung der National-Normaluniversität

Nach dem Abschluss der Mittelschule bestand Xi Murong die Aufnahmeprüfung an die Kunstabteilung der Nationalen Taiwan-Normaluniversität. Die fachliche Ausbildung schulte ihr feines Gespür für Farbe und Bildaufbau; diese künstlerische Sensibilität floss später in ihre Lyrik ein.1

Während der Studienzeit an der Normaluniversität machte Xi Murong Fortschritte in der Malerei, begann zugleich literarisch zu arbeiten und las viel chinesische und ausländische Dichtung. Die Werke moderner Dichter prägten sie nachhaltig und ließen allmählich ihre eigene poetische Sprache entstehen.

Nach dem Abschluss 1966 ging Xi Murong zur Vertiefung an die Königliche Akademie der Schönen Künste in Brüssel. Die Museen, Kirchen und historischen Bauwerke Europas hinterließen tiefe Eindrücke und erweiterten ihren gestalterischen Horizont.2

„Qilixiang“: Das furiose Debüt in der Poesieszene

In den 1970er-Jahren widmete sich Xi Murong vor allem der bildenden Kunst und der Lehrtätigkeit; die Lyrik war noch ein Hobby. Doch mit der Veröffentlichung von „Qilixiang“ (Siebenmeilen-Duft) 1981 wurde sie über Nacht zum Mittelpunkt der Poesieszene. Der Band wurde innerhalb eines Jahres siebenmal neu aufgelegt und stellte einen Verkaufsrekord der taiwanesischen Lyrik der Moderne auf.3

Der Erfolg von „Qilixiang“ liegt in der Klarheit und Gefälligkeit der Sprache – ohne Künstlichkeit, doch fähig, in der Schlichtheit echte Gefühle und in der Einfachheit tiefe Bedeutung sichtbar zu machen. Xi Murong versteht es, alltägliche Bilder – Blumen, Gras, Mond, Wind und Regen – einzusetzen, um komplexe innere Empfindungen auszudrücken.

„Ein blühender Baum“ (一棵開花的樹) wurde zum Klassiker der chinesischsprachigen Dichtung: „Wie kann ich dir begegnen / in meinem schönsten Augenblick / dafür / habe ich vor dem Buddha fünfhundert Jahre lang gebeten / er möge uns ein Band des Schicksals knüpfen.“ Mit seiner schönen Bildwelt und bewegenden Gefühlen wird das Gedicht bis heute weit zitiert.

„Nie bereute Jugend“: Der poetische Blick zurück auf die Jugendjahre

„Nie bereute Jugend“ (無怨的青春), 1982 erschienen, setzte den Erfolg von „Qilixiang“ fort. Der Band widmet sich Lebensthemen wie Jugend, Liebe und Freundschaft und zeigt die tiefe Lebensempfindung der Dichterin. Der Titel des Bandes – zugleich der Titel des Gedichts – drückt die Zuneigung zu vergangenen Jahren und eine Feier der Jugend aus.4

Xi Murongs Gedichte gehen oft von einer konkreten Szene oder einem Gegenstand aus, entfalten sich allmählich und erheben sich am Ende zu philosophischer Höhe. Ein weiteres Kennzeichen von „Nie bereute Jugend“ ist seine Musikalität – ein starker Rhythmus, der zum Rezitieren einlädt und die Schönheit der Gedichte im Klang erfahrbar macht.

Essayschaffen und die mongolische Gefühlsbindung

Neben der Lyrik ist Xi Murong auch Essayistin. Ab der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre erschienen ihre Essaysammlungen „Spuren des Wachstums“ (成長的痕跡) und „Es gibt ein Lied“ (有一首歌), die den frischen Stil ihrer Gedichte fortsetzen – schöne Sprache, aufrichtige Gefühle.

1989 betrat sie zum ersten Mal die mongolische Steppe; diese Reise zu den Wurzeln wirkte gewaltig auf sie. Sie begann, in großer Zahl Gedichte und Essays über die Mongolei zu schreiben; Werke wie „Mein Zuhause liegt auf dem Hochland“ (我的家在高原上) und „Die Heimat wartet“ (江山有待) zeigen ihre tiefe Zuneigung zur Steppe und ihre Besinnung auf die nationale Kultur. In der Form moderner Lyrik spricht sie ihre Sehnsucht nach der alten Kultur und ihre Anerkennung der ethnischen Identität aus.5

Mit „Ich benenne die Erinnerung“ (我給記憶命名), 2019 erschienen, legte sie einen Gedichtband des Alters vor, der aus der Distanz des hohen Lebensalters auf ein Leben aus Entwurzelung und Wurzelsuche zurückblickt – die Sprache ist stiller und verinnerlichter.

Die vollendete Verbindung von Malerei und Lyrik

Als akademisch ausgebildete Malerin hat Xi Murong die Malerei nie aufgegeben. Ihre Ölbilder sind frisch und natürlich und stehen in hoher Übereinstimmung mit ihrem lyrischen Stil. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass ihre Gedichte oft starke Bildhaftigkeit besitzen: Beim Lesen meint man, schöne Gemälde vor sich zu sehen.

Xi Murong hat mehrfach Ausstellungen veranstaltet, die Lyrik und Malerei verbanden, und damit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Literatur und Kunst eine praktikable Form gegeben – zur Begeisterung des Publikums.6

Lehrtätigkeit und kulturelle Weitergabe

Seit 1984 unterrichtet Xi Murong an der Kunstabteilung der Tunghai-Universität und lehrte daneben über viele Jahre an der Hsinchu-Pädagogischen Hochschule (heute: Pädagogische Hochschule der National Tsing Hua Universität). Sie vertritt die Ansicht, das Herz jeder Kunsterziehung sei die Anregung von Gefühl und Geist; die Technik sei nur Werkzeug, die ästhetische Empfindung die Seele. Ihr pädagogisches Verständnis beeinflusste viele spätere Kunstschaffende.

Xi Murong hält außerdem häufig Vorträge an Schulen und in Gemeinden und teilt ihre Schreiberfahrungen mit den Lesern. Ihre Herzlichkeit und Aufrichtigkeit berührten zahllose Zuhörer und trugen zur Verbreitung der Dichtkunst bei.

Literarische Bedeutung und zeitgeschichtliche Wirkung

Die Gesamtauflage ihrer Gedichtbände übersteigt eine Million Exemplare; ihre Werke wurden in viele Sprachen übersetzt und weltweit veröffentlicht. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Chung-Shan-Literaturpreis und den Nationalen Kunstpreis.7

Im Unterschied zur feinen Eleganz von Pai Hsien-yung und zur vernunftgeleiteten Kritik von Lung Ying-tai wählte Xi Murong einen sanfteren Weg. Im schnellen Rhythmus des modernen Lebens bietet ihre Dichtung den Lesern seelischen Trost. Ihre Werke zeigen zugleich, dass die feinfühlige Wahrnehmung und der besondere Blickwinkel einer Frau Literatur hervorbringen können, die Herzen berührt.

Referenzen

Weiterführende Lektüre

  • Nationalmuseum für taiwanesische Literatur – von der Taiwan-Literatur-Bibliothek bewahrte Werke und Erinnerungsstücke Xi Murongs
  • Pai Hsien-yung – zeitgenössischer Meister der taiwanesischen Literatur, berühmt für „Menschen aus Taipeh“
  • Sanmao – Schriftstellerin der gleichen Generation, die die Fremde in die Herzen der Taiwaner schrieb
  1. Kunstabteilung der Nationalen Taiwan-Normaluniversität – Gründungsgeschichte und Alumni-Informationen der Kunstabteilung der NTNU.
  2. Königliche Akademie der Schönen Künste in Brüssel (Académie Royale des Beaux-Arts) – Xi Murongs Ausbildungsinstitution, belgische Nationale Kunstakademie.
  3. Nationalmuseum für taiwanesische Literatur – Xi-Murong-Sonderausstellung – Publikations- und Neuauflagenaufzeichnungen zu „Qilixiang“, einschließlich Verkaufszahlen und Ausstellungsmaterialien.
  4. Taiwan Electronic Book Alliance – Werkseite von Xi Murong – Angaben zur Erstausgabe von „Nie bereute Jugend“ und Bestätigung des Erscheinungsjahres.
  5. Museum der Mongolen- und Tibet-Kultur – Xi Murongs mongolische Literatur – fachliche Einführung einer Regierungsinstitution zu Xi Murongs mongolisch geprägter Literatur.
  6. Offizielle Website von Xi Murong – offizielle Website der Dichterin mit Werkdaten, Ausstellungsdokumentation und Schaffensweg.
  7. Nationaler Kunstpreis – National Culture and Arts Foundation – Auszeichnungsnachweise und Jurybegründungen zu Xi Murong.
Über diesen Artikel Dieser Artikel wurde gemeinschaftlich sowie mit Unterstützung von AI verfasst und geprüft.
Schlagwörter
Personen Xi Murong Qilixiang Nie bereute Jugend Dichterin Mongolen Essayistin
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