Wei Zong-cheng: Die Dämonen von Sanxia in Ximending gezeichnet, Mazu entkommt dem Comicrahmen

Mit „Ma Huang Jiang Lin“ (Der Anmarsch des Kaiserlichen Monarchen) im Jahr 2009 gelangte Wei Zong-cheng vom Fan-Fiction-Bereich zum professionellen Zeichner. Mit „Ming Zhan Lu“ (Chroniken des Geisterkriegs), das 2010 erschien, wurden Sanxia, Ximending, Daoismus und Mazu in ein Jugendabenteuer integriert. Kontraintuitiv ist er nicht zuerst auf „Taiwan-Geschmack“ entworfen, sondern zeichnete Märkte, Busse und lokale Legenden, aus denen eine Welt entstand, die auf Laternenfesten und Opernbühnen zu sehen war und den Comicfiguren Leben schenkte.

30-Sekunden-Zusammenfassung: Im Jahr 2009 wurde Wei Zong-cheng mit dem politischen Satire-Comic „Ma Huang Jiang Lin“ zum professionellen Zeichner. Mit „Ming Zhan Lu“, das 2010 erschien, wurden die Nachbeben des Erdbebens von 1999 in Taiwan, die Straßenbilder von Ximending, verschiedene daoistische Schulen und Mazu Lin Mo-niang in eine Jugendabenteuergeschichte integriert. Viele sehen dies als Erfolg der „lokalen Elemente“, aber Wei Zong-chens eigene Aussage ist alltäglicher: Er zeichnete Märkte, Busse und Sorgen beim Schulweg; Taiwan wurde nicht als aufgeklebtes Etikett verwendet, sondern wuchs aus dem Leben selbst heraus.

Skulptur der Mazu von Meizhou Island in Putian, Fujian, als freie Lizenzillustration für den Kontext des Volksglaubens in „Ming Zhan Lu“

Bildunterschrift: Dieses Bild zeigt die Skulptur der Mazu von Meizhou Island in Putian, Fujian, dient nur zur Veranschaulichung des Volksglaubens und ist kein Werk von Wei Zong-cheng oder der Lin Mo-niang-Laterne von 2017. Das Bild wurde von Jet.Xu erstellt und unter CC BY-SA 3.0 lizenziert, siehe Wikimedia Commons Datei.

Am 2. Februar 2017 erschien die Lin Mo-niang-Laterne beim Taipei Lantern Festival in Taipeh. Es war nicht die gewöhnliche Mazu aus dem Tempel, sondern das Mädchenbild aus Wei Zong-chens „Ming Zhan Lu“. Die Laterne maß 8 Meter hoch und 5 Meter breit, mit einer Gesamtlänge von 10 Metern, bereit für den Umzug beim West City Carnival. 1

Vor einigen Jahren existierte diese Figur noch nur auf dem Comicbogen. Am Neujahrstag 2021 wurde „Ming Zhan Lu“ von Minghua Yuan in eine elektronische Rock-Oper umgewandelt, und Wei Zong-cheng wurde als „Siebter Onkel“ auf die Bühne gerufen. Er erinnerte sich später, dass er zunächst dachte, es sei nur eine Gastrolle, bis er bei der Pressekonferenz erfuhr, wie wichtig seine Rolle war. 2

Der Ausgangspunkt dieses Weges war kein großes kulturelles Projekt, sondern ein politischer Satire-Comic, der in der Fan-Fiction-Szene entstand und die Verlage zunächst ratlos machte. Was Wei Zong-cheng wirklich besonders macht, ist nicht nur, dass er politische Figuren, die Pornografieindustrie und lokale Gottheiten in einem Schöpfungsuniversum vereint, sondern dass er immer fragt: Wie sieht ein Ort aus, an dem Menschen wie Taiwaner leben?

Er zeichnete nicht zuerst „Taiwan-Geschmack“, sondern das, was er sah

Wei Zong-cheng wuchs in Sanxia, New Taipei auf. Die Geschichte von „Ming Zhan Lu“ beginnt in Ximending, erstreckt sich aber bis nach Sanxia und die bekannten Landschaften wie der Da Bao Creek. Für den Leser sind diese Orte Kulisse. Für den Autor sind sie Teil der Charaktere: Dämonen und Daoisten kämpfen nicht in einer anonymen Stadt, sondern an Kreuzungen, in Geschäftsvierteln und zwischen Bergen und Bächen, die Taiwaner kennen. 3

Er sagte, die Idee von „Ming Zhan Lu“ sei bereits in der Mittelschule entstanden. Als er japanische Comics mit Göttern und Dämonen sah, dachte er: Wenn Japan seine Legenden so zeichnen kann, dann sollten auch die Dämonen und Sagen aus meiner Umgebung gezeichnet werden. 3

Dieser Satz wird leicht als „er hat ein lokales Bewusstsein“ interpretiert. Aber diese Beschreibung vermisst einen Kernaspekt: Wei Zong-cheng beschreibt kein Plan, der zuerst Taiwan repräsentieren soll, um dann Symbole zu sammeln. Er sagte, was er zeichnet, ist meistens das, was er erlebt hat – was er auf dem Markt gesehen hat, was er im Bus gesehen hat und wovor er beim Schulweg Angst hatte. 3

📝 Kuratorische Anmerkung

Die gängige Behauptung lautet: „Lokale Comiczeichner legen taiwanische Kultur in ihre Werke ein.“ Wei Zong-chens Schöpfungsreihenfolge kehrt diese Kausalität um: Er hat nicht zuerst Tempel, Dämonen und Ortsnamen als kulturelle Symbole platziert und dann die Geschichte farbig gestaltet, sondern er hat sein eigenes Leben gezeichnet. Der sogenannte „Taiwan-Geschmack“ ist daher weniger eine Zutatenliste als vielmehr seine unvermeidliche Art zu sehen.

Daher liegt die Lokalität in „Ming Zhan Lu“ nicht nur in den Namen der Charaktere. Sie zeigt sich in der Ausrichtung der Straßenbilder, der Gangart der Figuren, dem absurden Nebeneinander von Daoisten und Polizisten sowie in Details wie Gottheiten, die Getränke trinken oder Fleischbrote essen – was die Götter wieder in den Alltag zurückholt. Ein Bericht des Taipei Times aus dem Jahr 2011 merkte an, dass Wei Zong-cheng Mazu als zentrale Figur von „Ming Zhan Lu“ gestaltete und sie zu einem niedlichen Mädchen machte, indem er ihr Fleischbrote und Zitronenhonig zum Essen gab. 4

Dieser Leseeinstieg kann mit drei Hintergrundartikeln auf der Seite verknüpft werden. Der Leser versteht zuerst Wei Zong-cheng aus dem Kontext von Taiwan Comics, dann die religiöse Stellung von Mazu aus der taiwanischen Tempel- und Kulturerbe-Perspektive und schließlich „Ming Zhan Lu“ im Vergleich zur Oper aus einem Artikel über traditionelle Theaterkunst. Diese drei Knotenpunkte sind keine Werklisten, sondern verschiedene Seiten desselben Problems: Wie verändert sich die Bedeutung einer Figur zwischen Comic, Glaube und Bühne?

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Beginn mit „Ma Huang Jiang Lin“: Der Witz ist eine Beobachtungsmethode

Mit „Ma Huang Jiang Lin“ im Jahr 2009 gelangte Wei Zong-cheng vom Fan-Fiction-Bereich zum professionellen Zeichner. Ein Interview von Openbook beschrieb es als politisches Satirewerk und listete seine späteren Werke wie „AV Duan Zhi“, „Tiao Yue Ba! Datong Meng Hui“ und „Meine Vorsitzende ist so süß“ sowie „Ba Hai Huang Ying“ auf. 5

Der Erfolg von „Ma Huang Jiang Lin“ hat eine konkrete Zahl: Ein Tag auf der Fan-Convention wurden 4.000 Exemplare verkauft, die Gesamtverkaufszahlen erreichten 40.000. Dieses Ergebnis machte Wei Zong-cheng zum festen Comiczeichner und ermöglichte Future Digital, das ursprünglich japanische Erwachsenenspiele vertrieb, den Betrieb von Originalcomics aus Taiwan aufzunehmen. 6

Aber er versteht politische Comics nicht als reine Protestplakate. Wenn es um die Behandlung der politischen Satire geht, sagt er, man müsse beobachten lassen und beide Argumentationslinien präsent halten, sonst werde das Werk zu extrem. Er sagte auch, dass politische Figuren nur die Unterhaltungswirkung steigern; wenn sie nach vielen Jahren entfernt werden können und die Satire trotzdem Bestand hat, dann ist es erfolgreich. 5

Diese Methode lässt seine Comics skurril erscheinen, aber der Kern ist präzise. Der Witz besteht nicht darin, die Realität zu zermalmen, sondern zuerst eine plausible Szene für den Leser bereitzustellen und dann in dieser Szene etwas einzubauen, das dort nicht hingehört, aber die Machtverhältnisse widerspiegelt. Wei Zong-cheng beschrieb seine Werke in Interviews als „eine Tragödie der Machtkämpfe in komischer Verpackung“. 5

Vom Fan-Fiction-Zeitschriften zum nachhaltigen kommerziellen Comic

Wei Zong-chens Lebenslauf lässt sich durch einige Wendepunkte verstehen. Diese Wendepunkte sind keine bloße Erfolgschronik, sondern ein Mikrokosmos davon, wie Comics aus der Leserszene, dem Verlagswesen und öffentlichen Kulturveranstaltungen in Taiwan migrieren.

Jahr Wendepunkt Bedeutung für die Schöpfung
2009 „Ma Huang Jiang Lin“ löst Diskussionen auf der Fan-Convention aus Politische Satire wird zum Einstieg in den professionellen Comic; es wird gezeigt, dass Fans eine Verkaufsnachfrage generieren können. 5 6
Ab 2010 „Ming Zhan Lu“ beginnt zu laufen Aufbau einer langen Weltanschauung mit taiwanischen Landschaften, Volksglauben und Jugendabenteuer. 5
2017 Lin Mo-niang wird Hauptfigur der Taipei Lantern Festival Laterne Die Figur verlässt das Papier und tritt in städtische Feste und öffentliche Sichtbarkeit ein. 1 7
2021 Minghua Yuan veröffentlicht die Opernadaption Die Weltanschauung des Comics wird ins Körper-, Musik- und Bühnenspiel der Oper übersetzt. 2 7

Diese Zeitlinie zeigt auch, dass Wei Zong-chens Bedeutung nicht nur darin liegt, dass seine Werke gut verkauft wurden. Wenn ein Werk einem Verlag den Markt für Originalcomics zeigt, eine Figur von öffentlichen Veranstaltungen angenommen wird und ein traditionelles Theaterstück sie neu interpretiert, liefert der Autor nicht nur ein Buch ab, sondern testet, ob eine taiwanische Erzählung das Gewicht verschiedener Medien tragen kann.

Seine Zusammenarbeit mit Future Digital war besonders wichtig. Berichten zufolge betrieb Future Digital, das ursprünglich japanische Erwachsenenspiele vertrieb, aufgrund des Markterfolgs von „Ma Huang Jiang Lin“ Originalcomics aus Taiwan. 6 Dieses Detail erinnert den Leser daran, dass die sogenannte Comicindustrie nicht immer eine geradlinige Linie ist, die von großen Institutionen geplant wird. Sie beginnt oft damit, dass ein Verlag bereit ist, es noch einmal zu versuchen, oder ein Autor bereit ist, politische Figuren neu anzuordnen, wie sie dem Publikum bekannt sind.

„Ming Zhan Lu“ machte diese Zufälligkeit zu einer langfristigen Arbeit. Ein Langzeitwerk erfordert kontinuierliche Produktion, redaktionelle Entscheidungen, Druck und Werbung; es benötigt auch Leser, die nach der ersten Ausgabe zurückkommen wollen. Die Wiedererkennung von Lin Mo-niang ist wichtig, aber was die Weltanschauung wirklich aufrechterhält, sind die Landschaften, der Glaube und die Beziehungsdynamik, die ständig neue Geschichten hervorbringen können. Deshalb kehrt Wei Zong-cheng bei Gesprächen über seine Schöpfung immer zur Lebensbeobachtung zurück und nicht nur zum Charakterdesign.

„Ming Zhan Lu“: Gottheiten in einem lebbaren Netzwerk

„Ming Zhan Lu“ läuft seit 2010. Die Geschichte spielt nach dem Erdbeben von 1999, als sich auf der Insel Taiwan paranormales Geschehen vermehrt und die Polizei eine „Black Day Task Force“ einrichtet, um Vorfälle mit Daoisten zu bearbeiten. Das Werk behandelt den Volksglauben nicht als mystischen Filter, sondern lässt Menschen, Götter, Geister und Dämonen miteinander in Beziehung stehen. 2

Wei Zong-cheng stellte sich anfangs eine Gruppe enthusiastischer Jugendlicher vor, die Abenteuer erleben; erst der Redakteur Han Jingyue schlug Lin Mo-niang hinzu, was Mazu zu einer wichtigen Figur machte. Die Tischgespräche von Openbook berichten, dass Han Jingyue glaubte, der Ursprung des Comics sei die Figur selbst, und Lin Mo-niang habe zuerst Leser angezogen und durch die Schöpfung Anerkennung aufgebaut. 6

Daher taucht Mazu nicht mehr nur in Schreinen, Prozessionen oder Legenden auf. In dem Comic ist sie das 16-jährige Mädchen Lin Mo-niang, mit einer Spannung zwischen Niedlichkeit, Jugend und Göttlichkeit. Eine Studie aus dem Jahr 2023 in Asian Ethnology setzte dieses Bild in den Wandel des taiwanischen Volksglaubens und der Populärkultur ein und wies darauf hin, dass die erste Ausgabe im Jahr 2010 Mazu als Mädchenfigur in die Comicwelt führte, bevor sie später beim Taipei Lantern Festival 2017 und bei der Oper 2021 in größere öffentliche Räume vordrang. 7

Was hier am bemerkenswertesten ist, ist nicht das vertraute Motto „Tradition trifft Moderne“, sondern wie sich die Beziehung zwischen Gottheit und Leser verändert hat, nachdem das Medium gewechselt wurde. Forscher weisen darauf hin, dass Lin Mo-niang vom Charakter in der männlichen Comic-Subkultur zu einer Figur auf Laternenfesten, Theatern und öffentlichen Veranstaltungen wechselte, was unterschiedliche Interpretationen von Generation, Religion und Identität hervorrief. 7

📝 Kuratorische Anmerkung

Der kühnste Teil von „Ming Zhan Lu“ ist nicht, Mazu niedlich zu machen, sondern sie so zu gestalten, dass sie den Leser langfristig begleiten kann. Die Gottheit wird vom Zentrum eines einmaligen Festes zu einer Figur, die in der Geschichte verletzt, Entscheidungen trifft und Beziehungen zu anderen Charakteren aufbaut. Das ist nicht die Entwertung des Glaubens, sondern das Einbetten des Glaubens in eine Erzählgrammatik, die junge Leser tatsächlich verwenden.

„Keine absolute Wahrheit“ schafft Raum für Schöpfung

Wenn es um daoistische Quellen geht, präsentiert Wei Zong-cheng den taiwanischen Volksglauben nicht als einheitliches Wissen. Er sagt, dass die daoistischen Schulen in Taiwan vielfältig sind; wenn er verschiedene Schulen fragt, kann jede anders antworten und manchmal selbst keine Anerkennung für andere haben. 3

Diese Unregelmäßigkeit hat ihn nicht zum Aufhören gebracht, sondern zu einem Raum für Schöpfung. Wenn es keine einheitliche anerkannte Version gibt, kann er zuerst die Kampfregeln und die Struktur der Geschichte im Comic bearbeiten und dann lassen verschiedene Legenden kollidieren. Aber diese Freiheit ist kein Nachsehen. Was die Darstellung von Lin Mo-niang betrifft, so gibt es eine unausgesprochene Grenze zwischen ihm und dem Redakteur, die weiß, welche Adaptionen die Figur in unangemessene Positionen drängen würden. 3

Er pflegt auch eine kleine, aber bedeutsame Gewohnheit: Nach jeder Veröffentlichung bringt er das Buch zuerst zum Mazu-Tempel, um zu beten. Er sagt, dies sei keine Angst, sondern eine Gewohnheit und Höflichkeit. 3

Diese Handlung stellt die „kreative Freiheit“ neben die „kulturelle Verantwortung“. Der Schöpfer kann Mythologien neu ordnen, aber er kann nicht so tun, als ob er sich nicht kümmere, wer den Mythos ursprünglich glaubte und wie er verwendet wurde. Die Schöpfung ist nicht das Ausleihen einer Gottheit als Dekoration und dann das Reißen des Kreditzettels nach Abschluss des Werks.

Als der Comic die Seite verließ, wurde auch der Autor auf die Bühne gezogen

Im Dezember 2020 berichtete der Central Broadcasting Corporation (CBC) von der Adaption von „Ming Zhan Lu“ zu einer elektronischen Rock-Oper durch Minghua Yuan, deren Premiere für den 2. und 3. Januar 2021 im Taiwan Opera House geplant war. Wei Zong-cheng war zum ersten Mal überrascht, als er die Einladung von Minghua Yuan erhielt; er dachte zuerst, es sei nur ein kurzer Auftritt, erst später erfuhr er, dass er den „Siebten Onkel“ spielen müsse. 2

In einem Interview mit OPENTIX beschrieb er diesen Auftritt direkter: „Ich wurde ausgenutzt.“ Er dachte, es wäre nur eine kleine Gastrolle, bis er bei der Präsentation erfuhr, wie wichtig die Rolle war, und musste schließlich „mit Zähneknirschen“ auftreten. 3

Der Comic kann durch Panels den Blick des Lesers kontrollieren, aber die Bühne verlangt vom Schauspieler, die Aura der Figur gleichzeitig zum Publikum zu transportieren. Wei Zong-cheng beobachtete, dass die detaillierte und stabile Ausstrahlung von Lin Mo-niang im Comic auf der Bühne nicht immer leicht darzustellen ist; stattdessen kommen die großen Bewegungen des männlichen Protagonisten Chen Bo-rong besser zur Geltung. 3

Das ist die wahre Schwierigkeit der transmedialen Adaption: Es reicht nicht, die Kleidung der Figur zu fertigen; man muss eine neue Art finden, wie die Figur in dem neuen Medium atmen kann. Wei Zong-cheng gibt den Adaptatoren das Prinzip: „Die Adaptoren dürfen frei schöpfen, solange sie im selben Weltbild bleiben. Solange jeder Schöpfer die Geschichte selbst gut erzählen kann, habe ich wenig Einwände.“ 3

Ein Langzeitwerk lebt nicht von Inspiration, sondern vom Warten

„Ming Zhan Lu“ konnte ein Langzeitwerk werden, nicht nur wegen der Wiedererkennung von Lin Mo-niang. Berichten zufolge verkauften die erste Ausgabe nach Beginn der Serie im Jahr 2010 14.000 Exemplare, und die Hauptlaterne von Lin Mo-niang beim Taipei Lantern Festival 2017 brachte diese Figur aus dem engen Kreis der Taiwan Comics heraus. 6

Wei Zong-cheng wies auch die Fragilität des Langzeitcomics an: Viele wollen große Epen zeichnen, aber die Werke werden oft aufgrund nachfolgender Vermarktung, Präsentationsplanung oder Verlageinschränkungen eingestellt. Nicht jeder kann es beenden. 3

Nach der Geburt seines Kindes wurde sein früher fast täglicher 12-stündiger Zeichenalltag gestört; er konnte nur in den Schlaf des Kindes arbeiten. Als er gefragt wurde, wann das Werk fertig sei, gab er kein Datum an, sondern lachte und sagte: „Ich habe so lange gezeichnet, es muss doch bald ein Ende haben.“ 3

Dieser Satz ist zwar wie ein Witz, aber er trifft eine andere Realität des Langzeitcomics. Das Werk muss voranschreiten, aber das Leben des Autors hält nicht an dem Tag an, an dem die Schöpfung begann. Familie, Verlag, Marketing, Erwartungen der Leser – all diese ziehen an derselben Serienlinie.

Warum dieser Mensch erinnert werden sollte

Wei Zong-cheng kann nicht nur mit den Begriffen „lokal“ oder „erwachsen“ abgetan werden. Beide Begriffe sind wahr, aber sie beenden die Frage zu schnell. Die politische Satire brachte ihm die ersten Leser, der erwachsene Witz gab ihm einen ungezügelten Ton; was das Langzeitwerk wirklich stützt, ist seine Fähigkeit, verschiedene Ebenen des taiwanischen Erlebens in einer Geschichte zusammenzubringen: Dialoge auf dem Markt, Beobachtungen im Bus, Rituale lokaler Tempel, politisch veränderte Figuren in den Nachrichten und das Gefühl der Leser gegenüber Gottheiten – sowohl vertraut als auch fremd.

Diese Art der Schreibung birgt ein klares Risiko. Wenn Götter zu Mädchen gezeichnet werden, sehen die Leser vielleicht nur die Niedlichkeit des Charakters und vergessen den religiösen Hintergrund. Wenn politische Figuren zum Witz gemacht werden, behalten die Leser vielleicht nur ihre Position bei und ignorieren, wie der Witz die Machtverhältnisse neu ordnet. Wei Zong-chens Werk gibt keine Standardantworten auf diese Fragen. Es ist eher ein öffentliches Experiment, bei dem der Leser nach dem Lachen entscheiden muss, was er akzeptiert, was er hinterfragt und welche kulturellen Symbole nicht nur als Dekoration dienen dürfen.

Akademische Studien zur Figur Lin Mo-niang füllen die Lücken, die die Comickritik oft ignoriert. Als die Figur in Laternenfeste und Theater überging, gehörte sie nicht mehr nur dem Autor und den Comiclesern. Die lokale Regierung, das Theaterensemble, die Gläubigen, die Anime-Fans und der allgemeine Zuschauer konnten sie mit ihren eigenen Erfahrungen neu interpretieren. 7 Diese unterschiedlichen Interpretationen müssen nicht ausgelöscht werden, denn ob ein Charakter überleben kann, hängt oft davon ab, ob er in neuen Nutzungskontexten weiterhin Fragen aufwirft.

Für Ingenieure oder Wissensdatenbankleser bietet der Fall Wei Zong-chens einen sehr nützlichen Beobachtungswinkel: Kultureller Inhalt ist nicht das zufällige Aneinanderkleben von Elementen aus einer Datenbank, sondern die Erstellung eines Regelwerks, das der Leser wiederholt erkennen kann. Ortsnamen, Charaktere, Glaube, Witz und Medienadaption müssen miteinander in Beziehung stehen. Erst wenn ein Werk vom Comic zu Laterne, Oper oder Forschungsobjekt wird, verliert seine Weltanschauung nicht ihre Form durch den Wechsel des Trägermediums. Das ist der wahre Grund, warum die Geschichte dieser Figur es wert ist, erinnert zu werden.

Von „wie es aussieht“ zu „wie es funktioniert“

Wei Zong-cheng sprach in Interviews immer wieder über die Detailbilder. Wie stehen die Schläger unter dem Arkadengang? Warum wird das Rippchen beim Kauf eines Mittagessens kleiner? Was hören Fabrikarbeiter auf taiwanischem Radio? Dies sind keine Hintergrunddaten, um die Szene zu dekorieren. Sie bestimmen, ob der Leser vor dem Auftreten eines Witzes annehmen kann, dass dort tatsächlich jemand gelebt hat. 5

Diese Beobachtung erklärt auch, warum er scheinbar unzusammenhängende Rahmen zusammenfügen konnte. Politische Figuren wurden in Kampfstile wie in Hongkong-Comics platziert; die Republikanische Geschichte wurde in Talentshows eingebettet; Götter und Polizisten wurden in denselben Fallprozess gestellt. Je vertrauter der Rahmen, desto leichter wird die Verschiebung wahrgenommen. Die Kraft des Witzes kommt nicht von Fremdheit, sondern davon, dass der Leser weiß, wie es ursprünglich funktionieren sollte, aber plötzlich sieht, wie Wei Zong-cheng es verschoben hat. 5

Die offizielle Sonderausgabe von CCC Creation platzierte „Ming Zhan Lu“ in die Diskussion über „Übersetzung fremder Kulturen“ und erinnerte die Schöpfer daran, dass sie bei der Hinzufügung fantastischer Elemente zu realen Orten den kulturellen Hintergrund, Tabus und die Verantwortung der Darstellung verstehen müssen. Dieser Platz ist gut geeignet, um Wei Zong-cheng zu sehen: Er hat zwar Legenden neu angeordnet, aber er behandelt den taiwanischen Volksglauben nicht wie ein beliebig austauschbares Icon. Wenn Adaptoren Lin Mo-niang oder andere Glaubensfiguren verwenden, müssen die Kohärenz der Weltanschauung und die Achtung des kulturellen Hintergrunds berücksichtigt werden. 8

Daher ist Wei Zong-chens „perverse“ oder „satirische“ Darstellung keine willkürliche Nachlässigkeit. Es ist eher eine Arbeitsmethode: zuerst die alltäglichen Beobachtungen so detailliert machen, dass sie ausreichen, und dann die Ordnung in Politik, Geschichte oder Glaube an den absurden Rand verschieben. Der Leser lacht zuerst und hat dann die Chance zu erkennen, dass das Versetzte immer in seinem eigenen Leben existierte.

Er hinterließ nicht nur einen „Moe“-Charakter, sondern einen Weg, der weitergeht

Wei Zong-chens Werke werden leicht auf einige Etiketten reduziert: politische Satire, erwachsener Witz, „Moe“-Mazu, Taiwan Comic IP. Aber wenn man diese Etiketten nebeneinanderstellt, verpasst man seine Kernarbeit. Er reduziert die abstrakten großen Themen immer wieder auf konkrete Szenen: Die Macht kehrt zu den Aktionen der politischen Figuren zurück, der Glaube zur Mazu-Tempelhaustür, der Ort nach Sanxia und Ximending, der kulturelle Konflikt zur Art und Weise, wie ein Charakter sprechen muss.

„Ming Zhan Lu“ ist nicht „Taiwan“ als leicht exportierbares Produkt verpackt. Es ist eher eine Stadt, die der Autor aus dem Leben aufgebaut hat: Götter können hineingehen, Dämonen haben ihre eigenen Verwandten, Polizisten und Daoisten lösen Fälle gemeinsam, und der Comiczeichner selbst kann auf der Bühne auftreten. Diese Stadt ist weder sauber noch ordentlich; gerade deshalb gleicht sie kein Touristenplakat.

Von „Ma Huang Jiang Lin“ im Jahr 2009 bis zu „Ming Zhan Lu“ ab 2010 hat Wei Zong-cheng das „Lachen erzeugen“ als Eingang genutzt und Politik, Glaube, lokale Legenden und industrielle Schwierigkeiten hinter diesen Eingang versteckt. Als Lin Mo-niang vom Comicbogen auf die 8 Meter hohe Laterne und dann auf die Opernbühne gelangte, wurde nicht nur ein Charakter transportiert, sondern das Vertrauen der taiwanesischen Schöpfer, eine Weltanschauung aus ihrem eigenen Leben zu erschaffen.

Wei Zong-cheng sagte einmal: „Ich bin doch nur Comiczeichner.“ 5 Aber ein Mensch, der „nur Comics zeichnet“, lässt die Dämonen von Sanxia nach Ximending ziehen, lässt Mazu über Papierseiten, Laternen und Bühnen wandern und lässt den Leser neu erfinden: Wohnen in den Straßen, die wir täglich passieren, vielleicht doch eine Mythologie, die noch nicht gezeichnet wurde?

Weiterführende Lektüre

Bildquellen

In diesem Text ist ein Mazu-Bild von Wikimedia Commons eingebettet, dargestellt durch einen Hotlink, ohne Herunterladen oder erneute Gasthaltung des Bildes. Die Datei ist File:Mazu.jpg, erstellt von Jet.Xu und lizenziert unter CC BY-SA 3.0. Dieses Bild dient nur zur Veranschaulichung des Volksglaubens, nicht als Werk von Wei Zong-cheng oder der Lin Mo-niang-Laterne von 2017.

Referenzen

  1. Mazu Daily: Mädchenfigur Lin Mo-niang in Animation und Comic; Mazu Laterne debütiert beim Taipei Lantern Festival — Berichterstattung über das Taipei Lantern Festival im Jahr 2017, die spezifische Details zur Lizenzierung der Lin Mo-niang-Laterne durch Wei Zong-cheng sowie Höhe, Breite und Länge der Laterne und der Umzugsroute enthält.↩2
  2. CBC: Minghua Yuan innovativ adaptiert „Ming Zhan Lu“ — Berichterstattung von 2020 über die Aufführung von Minghua Yuan im Jahr 2021, mit Hintergrundgeschichte, Terminen, grenzüberschreitender Produktion und Originalton von Wei Zong-cheng.↩234
  3. OPENTIX Redaktion: Die Tabus der Schöpfung unter göttlicher Macht? Ursprung der starken IP-Adaption: Interview mit Wei Zong-cheng über „Ming Zhan Lu“ — Ein kulturelles Interview von 2022, das die Originalaussagen von Wei Zong-cheng zu Sanxia, der Lebensgrundlage, daoistischen Schulen, Mazu-Tempelbräuchen und den Adaptionsprinzipien enthält.↩234567891011
  4. Taipei Times: Comics zeigen lokale Gottheiten und Glaubensvorstellungen — Ein englischer Bericht aus dem Jahr 2011, der die Details des Werks „Ming Zhan Lu“ mit Mazu als zentraler Figur, in der Mädchenfigur, Fleischbroten und Zitronenhonig beschreibt.↩
  5. Openbook Magazin: Interview mit dem perversen Zauberer, der die drei Seelen und sieben Geister Taiwans vereint: Comiczeichner Wei Zong-cheng — Ein persönliches Interview von 2019, das „Ma Huang Jiang Lin“, politische Satire, Lebensbeobachtungen, „Ming Zhan Lu“ und die Selbstbeschreibung „Ich bin doch nur Comiczeichner“ zusammenfasst.↩2345678
  6. Openbook Magazin: Tischgespräch: Der Comic-Dschungel, der Charakter zählt, nicht der Aufstieg oder Fall: Wei Zong-cheng und Han Jingyue — Ein Gespräch zwischen Autor und Redakteur aus dem Jahr 2019, das den Absatz von „Ma Huang Jiang Lin“, die Verkaufszahlen der ersten Ausgabe von „Ming Zhan Lu“, die IP-Bildung von Lin Mo-niang und die Kooperation bei Langzeitveröffentlichungen dokumentiert.↩2345
  7. Asian Ethnology: The Malevolent Icon Lantern Incident — Ein wissenschaftlicher Aufsatz aus dem Jahr 2023, der die kulturelle Verschiebung von Lin Mo-niang in den Laternenfesten und Opern des Jahres 2021 unter Berücksichtigung des taiwanischen Volksglaubens, der Populärkultur und der öffentlichen Präsentation untersucht.↩2345
  8. CCC Comic-Zeitschrift: Fantasie fremder Kulturen: Zeiträume fernab von bekannten Orten — Eine offizielle Sonderausgabe von 2020, die „Ming Zhan Lu“ als Werk mit fantastischen Elementen in realen Orten Taiwans listet und die kulturelle Aneignung sowie die Reproduktionsethik diskutiert.↩
Über diesen Artikel Dieser Artikel wurde gemeinschaftlich sowie mit Unterstützung von AI verfasst und geprüft.
Schlagwörter
Wei Zong-cheng Ming Zhan Lu Ma Huang Jiang Lin Taiwan Comics Mazu Ximending Sanxia Transmediale Adaption
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