Hsu Wen-lung: Geboren in Tainan 1928, Gründer des Museums mit der weltweit größten Sammlung von Violinen seit 1959
30-Sekunden-Zusammenfassung: Hsu Wen-lung wurde am 25. Februar 1928 in Tainan geboren und starb am 18. November 2023 im Alter von 95 Jahren.1 Im Oktober 1959 gründete er die Chimei Industries mit einem Kapital von 2 Millionen Dollar, zunächst zur Produktion von Kunststoffrohstoffen.2 Ab 1990 sammelte er systematisch Antiquitäteninstrumente und akkumulierte insgesamt 1362 Stück – die größte private Sammlung weltweit.3 Am 1. Januar 2015 eröffnete das Chimei Museum im Tainan Metropolitan Park.4 Das Museum kündigte anfänglich eine kostenlose Öffnung an (aktuelle Richtlinie P0⚠️ bitte in der offiziellen Mitteilung überprüfen).
Kindheit in Tainan bis zur japanischen Kolonialzeit
Hsu Wen-lung wurde am 25. Februar 1928 in Tainan geboren. Seine Familie war arm, und er wuchs in einer Slumgegend nahe dem Kanal von Tainan auf, wobei er seine Ausbildung nebenbei absolvierte.1 Schon als Kind zeigte er eine große Liebe zur Musik und lernte Geige autodidaktisch. Diese Gewohnheit begleitete ihn durch sein gesamtes Geschäftsleben und entwickelte sich schließlich zu der größten privaten Sammlung von Violinen weltweit.
In seiner Jugend widmete er sich dem Geschäft und beobachtete den Industrialisierungstrend in Taiwan. Mit 31 Jahren beschloss er, die Chimei Industries zu gründen und trat in die Kunststoffindustrie ein. Er sagte später: „Wenn mich jemand fragt, was ich mache? Ich sage, ich bin ein Sammler von Violinen.“3 Das Unternehmen war nur das Mittel; die Musik war die Seele.
Gründung der Chimei Industries 1959: Der Start mit 2 Millionen Dollar Kapital
Im Oktober 1959 gründete Hsu Wen-lung die Chimei Industries Co., Ltd. mit einem Kapital von 2 Millionen Dollar.2 Anfangs konzentrierte er sich auf die Produktion von Kunststoffrohstoffen (Acryl), und das Unternehmen wurde später als „Vater des Acryls in Taiwan“ bekannt.2 Das Geschäftsgebiet der Chimei erweiterte sich später auf Elektronik, Optoelektronik, Medizin und Lebensmittel. Die Chimei Electronics war einmal einer der vier größten Panelhersteller weltweit, und Hsu Wen-lung erreichte mit 63 Jahren die Weltspitze bei ABS (Kunststoffrohmaterial).
Seine Managementphilosophie stellte das allgemeine Kostenverständnis von Unternehmen in Frage. Er sagte: „Wer versucht, durch Lohnsenkung Kosten zu senken, ist ein unfähiger Manager.“5 Für ihn war der Lohn seiner Mitarbeiter die Ressource, die nicht gesenkt werden sollte; echte Effizienz käme aus dem Systemdesign. Die Gehälter müssten höher sein als bei Wettbewerbern, damit die Mitarbeiter voll engagiert waren und nicht ständig an den nächsten Job denken mussten.
Bereits 1984 führte die Chimei Industries in Taiwan ein Zwei-Tage-Wochenende ein, fast zwanzig Jahre vor der gesetzlichen Arbeitszeitbestimmung in Taiwan.5 Seine Managementlogik war: Wenn Mitarbeiter kündigen, liegt das an schlechten Bedingungen oder einer schlechten Umgebung. Wenn Mitarbeiter Fehler machen, muss die Führungskraft zuerst hinterfragen, ob ihr System Mängel aufweist. Diese Zuweisung von Verantwortung war im Unternehmensethos der 1980er Jahre in Taiwan ein Außenseiter, führte aber dazu, dass die Fluktuationsrate bei Chimei lange unter der der Konkurrenz lag.
Von Kunststoffrohstoffen aus entwickelte sich das Industriespektrum der Chimei zu einem Unternehmen, das sowohl im Fertigungssektor als auch in der Kunstkultur tief verwurzelt war und selten in Taiwan vorkam – es umfasste ABS-Kunststoffe, medizinische Verbrauchsmaterialien, Lebensmittel und elektronische Displays.
Die „Angler“-Philosophie: Das Unternehmen als Mittel zur Glücksverfolgung
Hsu Wen-lungs Unternehmensphilosophie fasst er selbst zusammen als: „Das Unternehmen ist ein Mittel zur Verfolgung des Glücks.“5 Er verglich das Management mit Angeln: „An den meisten Morgen war ich auf dem Meer, und wenn das Wetter schlecht war, war ich im Bach. Wenn alle Fische fangen konnten, war das das glücklichste Ergebnis.“5 Die Gewinnerzielung für Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten aus der Zusammenarbeit definierte seine Vorstellung von einem „guten Unternehmen“.
📝 Kuratorischer Hinweis: Die gängige Darstellung besagt, dass Hsu Wen-lung „optimistisch und naturverbunden war“ und die Kunst über das Management stellte. Eine präzisere Lesart ist jedoch: Er etablierte sehr früh eine Philosophie der „Gewinnbeteiligung“ statt der „Kostenpressung“, was in Taiwan 1959 ein Gegenmodell darstellte. Die Loyalität, niedrige Fluktuationsrate und hohe Dividendenausschüttungen bei Chimei sind Produkte dieser Philosophie.
Ab 1990: 1362 Instrumente – die weltweit größte Sammlung
Ab 1990 sammelte Hsu Wen-lung systematisch Antiquitäteninstrumente aus aller Welt, darunter seltene Stücke wie Stradivarius.3 Insgesamt wurden 1362 Stück akkumuliert und bildeten die größte private Sammlung von Violinen der Welt, was auch in CNN berichtet wurde.6 Diese Instrumente wurden zu einem Kernbestand des Chimei Museums. Sie wurden nicht statisch ausgestellt, sondern zur Unterstützung junger Musiker ausgeliehen; er glaubte, dass der Wert eines Instruments darin liegt, gespielt zu werden, und nicht im Schrank eingeschlossen zu sein.
Die Sammlung von Violinen im Chimei Museum wurde als „die weltweit größte und umfassendste Sammlung von Violinen“ eingestuft und enthält mehrere Stradivarius-Instrumente, die über 300 Jahre alt sind. Hsu Wen-lung verlieh diese seltenen Stücke auch an Musiker, die sie benötigten, kostenlos ausleihen – ein bedeutendes Einzelprojekt in der taiwanesischen Kulturförderung.
Chimei Electronics: Höhepunkt und Rückzug im Panelgeschäft
In den 1990er Jahren stieg die Chimei Group in die Panelindustrie auf und gründete die Chimei Electronics, die einmal einer der vier größten Hersteller von Panels weltweit war. In den 2010er Jahren fusionierte die Chimei Electronics inmitten des Konsolidierungswellen im taiwanesischen Panelgeschäft mit AUO (AUO/群創光電), um zu der heutigen „AUO“ zu werden.2 Dieser Eintritt und Rückzug in das Geschäft ist ein Mikrokosmos der Geschichte des Aufstiegs und Falls der taiwanesischen Panelindustrie.
Während des Höhepunkts im Panelgeschäft zog sich Hsu Wen-lung allmählich aus den Entscheidungsebenen zurück, um die nächste Generation übernehmen zu lassen. Seine Aussage war: Das Unternehmen sollte an dem Punkt weitergegeben werden, wo man am stärksten ist, nicht erst, wenn man schwach ist und in Rente gehen muss.
Er betonte auch die Notwendigkeit der „Gewinnbeteiligung“ im Geschäftsleben: Nur durch Beziehungen mit Kunden, Mitarbeitern und Rohstofflieferanten, die einen gemeinsamen Nutzen teilen, kann eine langfristige Wirtschaftsstruktur aufgebaut werden.7
Das Chimei Museum: Unternehmensreichtum wird zu öffentlichem Gut
Am 1. Januar 2015 eröffnete das Chimei Museum im Tainan Metropolitan Park.4 Der Bau des Museums ist im europäischen Palaststil gehalten und erstreckt sich über drei Hektar. Die Sammlung umfasst europäische Malerei (Kopien), Skulpturen, historische Waffen und die Instrumentensammlung.
Die anfängliche Ankündigung einer kostenlosen Öffnung (aktuelle Richtlinie P0⚠️ bitte in der offiziellen Website des Chimei Museums überprüfen). Die Philosophie hinter der Gründung des Museums durch Hsu Wen-lung war es, dass Kinder aus jeder Ecke Taiwans Zugang zu erstklassiger westlicher Kunst haben sollten und nicht nur Reiche.
Tod im Alter von 95 Jahren und zwei Hinterlassenschaften
Am 18. November 2023 starb Hsu Wen-lung im Alter von 95 Jahren.1 Er hinterließ das Chimei Museum als kulturelles Erbe sowie seine Philosophie des „Unternehmens, das der Gesellschaft nützt und ihr etwas zurückgibt“.
Die Menschen in Tainan beschrieben ihn oft als „einen mit Herz/Ehrgeiz“ (有心的人). Während er am Höhepunkt seines Geschäftslebens die meisten Gelder für Instrumente und das Museum ausgab, bestand er in einer Zeit, in der „Geld verdienen an erster Stelle steht“, darauf, dass das Glück seiner Mitarbeiter wichtiger war als die Gewinnausschüttung der Aktionäre. Diese Entscheidungen waren damals nicht Mainstream, aber im heutigen Rahmen des „ESG“ wirken sie wie eine Prophezeiung.
Von den Slums am Tainan-Kanal bis zur größten privaten Violensammlung weltweit ist Hsu Wen-lung eine Geschichte von jemandem, der glaubte, dass es wichtiger sei, etwas zu teilen, als es für sich selbst zu behalten. Am Ende baute er ein Museum, das jeder besuchen konnte.
Mit seinen 95 Jahren hinterließ er zwei Knotenpunkte in der Wirtschaftsgeschichte und der Kulturgeschichte: Der Knotenpunkt des Unternehmens ist Chimei; der Knotenpunkt der Kultur ist das Museum und die 1362 Instrumente. Die Schnittstelle dieser beiden Punkte war seine grundlegendste Philosophie: Das Unternehmen ist ein Mittel zur Verfolgung des Glücks, nicht das Ziel selbst.
Nach dem Tod von Hsu Wen-lung zieht das Chimei Museum weiterhin jährlich Hunderttausende Besucher an. Die Instrumente werden weiter ausgeliehen; die Musik wird weiter gespielt. Er hat seinen Namen in die kulturelle Landschaft Taiwans eingeprägt.
Weiterführende Lektüre: Hsu Wen-lung – Wikipedia | Offizielle Website des Chimei Museums | CNA: Tod von Hsu Wen-lung
Quellenverzeichnis
- Wikipedia: Hsu Wen-lung — Bestätigt das Geburtsdatum am 25. Februar 1928 in Tainan, den Todestermin am 18. November 2023 (Alter 95 Jahre) und Lebensdaten.↩23
- Chimei Museum: Gründungsidee — Bestätigt die Gründung der Chimei Industries im Oktober 1959 mit einem Kapital von 2 Millionen Dollar und den Anfängen in Rohstoffen.↩234
- Wikipedia: Hsu Wen-lung (Sammlungsabschnitt) — Bestätigt den Beginn des Instrumentenkaufs ab 1990 und die Gesamtzahl von 1362 Stück (die größte private Sammlung weltweit).↩23
- Offizielle Website des Chimei Museums — Bestätigt die Eröffnung am 1. Januar 2015 im Tainan Metropolitan Park und die Sammlungen aus westlicher Malerei/Skulptur/Waffen/Instrumenten.↩2
- Manager Monthly: Hsu Wen-lung stirbt, unfähige Manager senken Kosten durch Lohnsenkung — Die Kernphilosophie von Hsu Wen-lung („Unternehmen ist Mittel zum Glück“, „Alle können fischen“) und die Managementdaten des Zwei-Tage-Wochenendes 1984.↩234
- CNA: Tod von Hsu Wen-lung 2023 — Bestätigt Berichte über den Tod von Hsu Wen-lung am 18. November 2023 und die Erwähnung der Instrumentensammlung in CNN.↩
- Harvard Business Review Taiwan: Hsu Wen-lungs Geschäftsphilosophie, Geschäft erfordert geteilten Nutzen — Die Philosophie der Gewinnbeteiligung der Chimei Group und die Analyse der gemeinsamen Interessenstruktur mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten.↩