30-Sekunden-Zusammenfassung:
Die 2004 gegründete „Premiere Creation“ (SOFA Studio) war einst ein Star der taiwanesischen Animationsszene und trug die Finanzierung sowie den Originaltraum von Terry Gou, indem sie mit „MumuHug“ weltweit in 80 Ländern erfolgreich wurde. Doch die hohen Kosten für die Anwendungsentwicklung und die langen Amortisationszeiten führten dazu, dass dieses große Wagnis schließlich scheiterte. Die Geschichte endete nicht; das Kernteam unter Chiu Li-wei übernahm die Flamme bei studio2 in Tainan und tauschte zwanzig Jahre der Einsamkeit in alten Gebäuden von Tainan gegen eine eigene taiwanesische Animationsästhetik ein, beginnend mit „Kitten Barkley“ bis hin zu „Bajie“.
Der verschwundene Hoffnungsschimmer: Als der Sohn des reichsten Mannes auf den Animationstraum traf
Anfang der 2000er Jahre rief die taiwanesische Regierung das „Zwei-Millionen-Stern“-Programm aus, und die digitale Inhaltsindustrie wurde mit großen Hoffnungen ausgestattet.1 Im Jahr 2004 gründete Chiu Tai-qiang (Bruder von Terry Gou) als Vorstandsvorsitzender von Zhengwei Precision „Premiere Creation“ (SOFA Studio), was damals als die stärkste Kraft galt, die die taiwanesische Animation vom „Auftragsarbeiten“ zur „Originalproduktion“ transformieren sollte.2
Der Start von Premiere Creation war in der Tat beeindruckend. Ihr 3D-Animationsfilm „MumuHug“, den sie drei Jahre lang produzierten, verzichtete vollständig auf Dialoge und setzte lediglich auf Körpersprache und reine Emotionen, wodurch die Rechte weltweit in über 80 Ländern verkauft wurden.23 Neben dem bekannten Mumu versuchte Premiere Creation zu Beginn auch vielfältige Originalentwicklungen, wie „7 Guardians“ mit östlicher Fantasy oder „Monster Coins“, um eine taiwanesische Heldennarrative auf dem internationalen Markt zu etablieren.4
📝 Kuratorische Anmerkung: Premiere Creation bewies, dass Taiwan die Technologie für 3D-Animationen von internationalem Niveau besaß. Es enthüllte jedoch auch brutal: Ohne die Unterstützung einer ausgereiften Industrie-Kette ist es schwierig, auf der langen Strecke des Originals nur mit Kapital und Leidenschaft einen Marathon zu laufen.
Der Widerspruch im Kern: Warum man eine Animation nicht ernähren konnte
Trotz des Erfolgs von „MumuHug“ verschwand Premiere Creation nach wenigen Jahren allmählich aus dem Rampenlicht und investierte nicht mehr in groß angelegte Originalproduktionen.1 Dies spiegelte die tiefste Spannung der taiwanesischen Animationsindustrie wider: zu lange Entwicklungszeiten, schwierige Kapitalrückführung und fehlende Schutzpolitik.
Die Entwicklung eines Spielfilms dauert oft drei bis fünf Jahre, und es gibt kaum Cashflow, bevor das fertige Produkt erscheint.5 Für den taiwanesischen Kapitalmarkt, der an „Fertigungsdenken“ gewöhnt ist (Investition = sofortiger Ertrag, Auftragsarbeit = Gewinn), war die Animationsentwicklung wie ein unendlich scheinender Glücksspiel. Die damalige Premiere Creation entschied sich schließlich zwischen Originalforschung und dem Überleben durch Auftragsarbeiten für letzteres, und wurde sogar zeitweise aufgekauft.1
„Filme zu drehen bedeutet, das eigene Leben zu verbrennen; wenn keine angemessene Plattform aufgebaut werden kann, wird die Technik nicht erhalten bleiben.“ — Liao Wei-zhi, Animationsproduzent 1
Dieses Dilemma des „jedes Films ist ein Neuanfang“ führte dazu, dass taiwanesische Animationstalente nach Abschluss eines Projekts zerstreut wurden und Erfahrungen nicht akkumuliert werden konnten – was der Hauptgrund dafür war, warum die Industrie langfristig nicht wachsen konnte.1
Wende nach Tainan: Das „chaotische“ Experiment von studio2
Als der Glanz von Premiere Creation verblasste, entwickelte sich eine andere Kraft leise in Tainan. Im Jahr 2005 gründete Chiu Li-wei „studio2“ (Rabbit Creativity).6 Er hatte eine tiefe symbiotische Beziehung zu Premiere Creation, verfolgte aber einen völlig anderen strategischen Ansatz: Er zog nach Tainan und widmete sich der Forschung im langsamen Tempo der alten Hauptstadt, geduldig die Einsamkeit ertragend.57
Chiu Li-wei pflegte eine fast dogmatische Hingabe zur „taiwanesischen Animationsästhetik“. In „Kitten Barkley“ weigerte er sich, Tainan zu idealisieren; stattdessen zeichnete er mit jeder Linie die chaotischen Arkaden, Gulllatten und Blumenbeete nach.5 Er nannte dies das „Aufbauen einer vernünftigen Wurzel“, da taiwanesische Animation nicht nur japanische Anime oder amerikanisches Pixar imitieren dürfe, sondern visuelle Vokabeln aus dem Alltag dieser Insel finden müsse.5
📝 Kuratorische Anmerkung: Während die Animationsfirmen in Taipeh versuchten zu lernen, wie man mehr nach Pixar aussieht, forschte studio2 in Tainan daran, wie Gulllatten in einer Animation „typisch taiwanesisch“ aussehen lassen. Diese Zuneigung zur Realität wurde paradoxerweise zu ihrem einzigartigen Markenzeichen auf dem Weg nach internationalem Erfolg.
Der glückliche Endpunkt: Von „Kitten Barkley“ bis zum Cyberpunk „Bajie“
Im Jahr 2017 nominierte der Spielfilm „Kitten Barkley“ den Golden Horse Award und beendete damit die peinliche 12-jährige Lücke taiwanesischer Spielfilme bei dieser Verleihung.8 Anschließend widmete studio2 sechs Jahre Forschung, um das Science-Fiction-Cyberpunk-Werk „Bajie“ zu erschaffen.7
Die Welt von „Bajie“ platziert die klassische Geschichte der Reise zum Westen in einer zukünftigen Stadt und integriert dabei zahlreiche Ikonografien des städtischen Raumes Taiwans, wie die Deckenplätze des Fischereihafens Zhubei in Taoyuan oder das Neonlicht traditioneller Märkte.9 Im Jahr 2023 gewann „Bajie“ den Golden Horse Award für den besten Spielfilm der 60. Ausgabe.7 Dies war nicht nur ein Preis; es war eine Ergänzung zum unerfüllten Traum der „Premiere Creation-Ära“. Dieses Mal besaßen sie nicht nur die Technik, sondern lernten auch, einen reproduzierbaren Geschäftsmodell zu entwickeln, indem sie das Industrieverständnis des Golden Horse Regisseurs Tang Sheng-rong und das Allstar-Sprecherensemble wie Hsu Guanghan und Wei Ru-xuan kombinierten.7
| Werk | Jahr | Wichtigste Errungenschaft | Kernästhetik |
|---|---|---|---|
| MumuHug | 2008 | Rechte in 80 Ländern 3 | Körpersprache ohne Dialoge |
| Kitten Barkley | 2017 | Nominierung Golden Horse, Golden Bell Award 8 | Realistische Tainan-Straßenszenen |
| Future Courier | 2021 | Internationales gemeinsames Werk 7 | Taiwanesische Sci-Fi-Fantasie |
| Bajie | 2023 | Golden Horse Award für besten Spielfilm 7 | Cyberpunk Reise zum Westen |
Nachklang: Ein Lichtblick in der Dunkelheit
Chiu Li-wei zitierte Woody Allen: „Das Leben ist dunkel, und ein Film ist wie ein Lichtstrahl in dieser Dunkelheit.“5
Die taiwanesische Animationsindustrie hat noch nicht vollständig den Winter überwunden; die Originalentwicklung bleibt schwierig, und Auftragsarbeiten sind nach wie vor die Lebensader der meisten Unternehmen.1 Doch von dem Hoffnungsschimmer von Premiere Creation bis zur zwanzigjährigen Beharrlichkeit von studio2 bewiesen diese Animatoren: Selbst auf dieser effizienzorientierten Insel gibt es Menschen, die für „eine Zeichnung“ stehen bleiben und in der Dunkelheit diesen Lichtblick für Taiwan bewahren. Aktuell plant studio2 eine Zusammenarbeit mit den Niederlanden, um die Geschichte von Zheng Chenggong auf die große Leinwand zu bringen und das Potenzial der Verbindung zwischen taiwanesischer Geschichte und dem internationalen Markt weiter zu erforschen.5
Quellenverzeichnis
- 【Spezialthema der Taiwan Creative Content Agency: Industrieaspekt】Die taiwanesische Animationsindustrie fragt: „Haben wir noch einen Film?“ — Diancang ARTouch, 19. August 2019.↩23456
- Wikipedia-Eintrag zu „MumuHug“ — Gekonsultiert am Jahr 2024.↩2
- Taiwanesische Animation MumuHug wird in koreanischer Dramaserie populär — Qiaowu E-Newsletter, 30. Mai 2012.↩2
- Vorstellung früher Werke von Premiere Creation SOFA Studio — Offizielle Facebook-Seite.↩
- Interview mit Regisseur Chiu Li-wei: Die Regierung, die Wissenschaft und die Kreativen müssen diese Dinge lösen, um die taiwanesische Animationsindustrie zu entwickeln — Clappin, 4. Januar 2018.↩23456
- Offizielle Vorstellung von Rabbit Creativity (studio2) — Taiwan Creative Content Agency IP Meetup.↩
- „Bajie“ nominiert für den Golden Horse Award; Regisseur Chiu Li-wei setzt mit dem Team der drei Goldmedaillengewinner neue Maßstäbe in der taiwanesischen Animation — YingCG, 31. Oktober 2023.↩23456
- Der Morgen des Animationsfilms: Die Anstrengungen hinter den Preisen — Taiwan Guanghua Magazine, Januar 2019.↩2
- Der Animationsfilm „Bajie“: Ein cleveres Werk, das städtische Ikonografien Taoyuan integriert — Taoyuan Filmförderungsseite.↩