30-Sekunden-Überblick: In Taiwan finden jährlich eine Reihe von Technologie-Konferenzen statt: COSCUP wird seit 2006 von Open-Source-Communities gemeinsam veranstaltet, SITCON wird seit dreizehn Jahren von Studierenden selbst organisiert, HITCONs jährliches Programm läuft seit 2005 ununterbrochen. Die Organisatoren dieser Konferenzen sind fast ausschließlich Freiwillige, die Finanzierung stammt aus Sponsoring, Eintritt ist meist kostenlos oder günstig. Referent:innen, Freiwillige und Studierende zirkulieren zwischen denselben Veranstaltungsorten – eine für Taiwan typische Tech-Saison.
Einmal im Jahr: die Migration
Taiwans Tech-Szene hat eine feste Saisonalität.
Jeden Sommer findet COSCUP in Taipeh statt, das Programm besteht aus über vierzig Community-Tracks, Referent:innen reichen von Studierenden bis zu Industrie-Ingenieur:innen. Jeden März wird SITCON von Studierenden veranstaltet, mehr als die Hälfte der Teilnehmenden kommt zum ersten Mal. Jedes Jahr zum Jahresende spaltet HITCON Community-, Unternehmens- und CTF-Formate in separate Veranstaltungen. Dazwischen liegen PyCon TW, MOPCON, JSDC, g0v summit – kleinere, aber regelmäßig stattfindende Treffen.
Ein und dieselbe Person kann bei einer Konferenz Referent:in sein, bei der nächsten Freiwillige:r, bei der dritten Zuhörer:in. Diese Zirkulation ist kein Zufall, sondern liegt daran, dass die Veranstalter:innen fast alle aus denselben Communities stammen.
COSCUP: Die von Freiwilligen getragene Open-Source-Konferenz
COSCUP steht für „Conference for Open Source Coders, Users and Promoters“, begann 2006, initiiert von einer Gruppe von Free-and-Open-Source-Software-Enthusiast:innen.1
Die offizielle About-Seite formuliert den Zweck klar: eine Plattform bereitzustellen, die Entwickler:innen, Nutzer:innen und Förderer:innen von Open Source vernetzt, Free and Open Source Software zu fördern. Diese drei Gruppen werden als drei Säulen bezeichnet, die Konferenz wird für sie veranstaltet.1
Die Organisationsstruktur steht ebenfalls auf der Seite: Von der Planung bis zur Durchführung wirken alle von Freiwilligen, die Open Source lieben, gemeinsam mit. Rollen unterteilen sich in Planungsteam-Freiwillige, Open-Source-Communities, Referent:innen, Publikum und Sponsoring-Partner. Die Unterstützung der Sponsoren ermöglicht kostenfreien Eintritt für alle Teilnehmenden.1
2026 wird COSCUP gemeinsam mit UbuCon Asia veranstaltet, dieselben Freiwilligen müssen zwei Programmreihen bewältigen.1
SITCON: Die von Studierenden selbst organisierte Konferenz
SITCON steht für „Students' Information Technology Conference“, besteht aus Studierenden, wird von Studierenden veranstaltet, offizielle Positionierung: „Studierenden eine Bühne für technischen Austausch und Präsentation zu geben“.2
Die offizielle About-Seite listet dreizehn Jahre Bilanz auf: 500 studentische Referent:innen, 500 Treffen und Vorträge, 10 Sommercamps, 14.000 Konferenzteilnehmende, 1.400 Freiwillige. Die Konferenz 2025 verzeichnete 1.300 Teilnahmen, Teilnehmende aus 200 Schulen im In- und Ausland, 70 % mit Hochschul- oder Forschungsbackground, ein Drittel aktiv in IT-Communities.2
Es gibt nicht nur die Jahreskonferenz. Seit 2014 arbeitet SITCON mit dem Bildungsministerium zusammen und veranstaltet landesweit „Hour of Code“, um 4- bis 16-jährigen Kindern und Jugendlichen Programmieren näherzubringen; Sommercamps laufen seit 2014 jährlich im Juli; 2014 und 2015 fand HackGen statt, 2024 wurde es zum SITCON Hackathon ausgebaut.2
Die offizielle Seite erwähnt auch Ausstrahlungseffekte: Inspiration für die Gründung von SITCON x HK in Hongkong und der Chongqing Student Open Source Conference, sowie Unterstützung für studentische Communities an verschiedenen Orten.2
HITCON: Die seit 2005 durchlaufende jährliche Serie
HITCON steht für „Hacks In Taiwan Conference“, der Jahresindex auf der offiziellen Website reicht von 2005 bis 2026 ohne Unterbrechung.3
Dieser Index zeigt auch die Aufspaltung: Anfangs eine einzelne Konferenz, später ausgegliedert in HITCON Community, HITCON Enterprise, HITCON CTF, HITCON Pacific, HITCON Defense, CISO Summit, CyberRange usw., jeweils mit eigenständigen Websites und Programmen.3
Mit anderen Worten: Unter derselben Marke sind nicht nur eine, sondern mehrere Veranstaltungsformate gewachsen: für Community-Teilnehmende, für Unternehmens-Teilnehmende, für Security-Verantwortliche, für CTF-Spieler:innen.
Warum Freiwillige
Betrachtet man diese drei Konferenzen gemeinsam, ist der gemeinsame Nenner nicht das Technologiethema, sondern die Personalstruktur: Organisiert wird von Freiwilligen, und die meisten arbeiten unentgeltlich.
Die About-Seite von COSCUP macht dies zum institutionellen Bestandteil: Planungsteam-Freiwillige verantworten Planung, Durchführung und Management, von der Programmgestaltung bis zum technischen Support alles in Eigenregie.1 Die 1.400 Freiwilligen von SITCON sind ebenfalls Studierende.2
Der Vorteil dieser Struktur ist Flexibilität und niedrige Kosten, der Nachteil ist Erschöpfung. Dass die Konferenzen gelingen, hängt von wenigen Kernmitgliedern ab, die das ganze Jahr investieren, und von jährlich neu hinzukommenden Freiwilligen, die Lücken füllen. Das ist auch der Grund, warum Taiwans Konferenzen oft den Eindruck erwecken: „Dasselbe Team, anderer Name, wieder eine Konferenz“.
Konferenzen als Talent-Pipeline
Für Unternehmen sind diese Konferenzen Rekrutierungs- und Sichtbarkeitsanlässe. Auf COSCUPs Sponsorenliste stehen Canonical, E.SUN Bank, Cathay Financial Holding, MySQL, QNAP, Appier usw., auch Institutionen wie das Institute for Information Industry (資策會) und das National Center for High-performance Computing (國網中心).1
Für Studierende ist SITCON der Ort für den ersten eigenen Vortrag; für die Security-Szene ist HITCON CTF Einstieg für Training und internationalen Austausch.3
Für die gesamte Tech-Szene funktionieren diese Konferenzen eher wie ein regelmäßiges Inventur: Einmal im Jahr werden die über verschiedene Firmen, Schulen, Communities verstreuten Menschen in einem Gebäude versammelt, tauschen Fortschritte, Klagen, Jobchancen aus – und kehren dann in den Alltag zurück.
Weiterführende Links:
- Taiwans Open-Source-Geist — Vom g0v bis zu Linux-Kernel-Beitragenden: ein Gruppenporträt
- Open Culture Foundation — Die juristische Person, die Communities bei Finanzen und Recht unterstützt
Quellen
- Über uns (COSCUP 2026 offizielle Website) — COSCUP begann 2006, wird von Open-Source-Communities gemeinsam vorangetrieben, drei Säulen (Coders/Users/Promoters), von Freiwilligen getragene Planungsteams und Beteiligungsrollen, Verhältnis von Sponsoren und kostenfreiem Eintritt, 2026 Kooperation mit UbuCon Asia, sowie Sponsorenliste.↩23456
- Über SITCON (SITCON 2026 offizielle Website) — Von Studierenden gebildet, von Studierenden veranstaltete IT-Konferenz; 13 Jahre Bilanz: 500 studentische Referent:innen, 500 Treffen und Vorträge, 10 Sommercamps, 14.000 Konferenzteilnehmende, 1.400 Freiwillige; 2025: 1.300 Teilnahmen, 200 Schulen, 70 % Hochschul-/Forschungsbackground; seit 2014 Kooperation mit Bildungsministerium für Hour of Code, seit 2014 Sommercamps, 2024 Upgrade zum Hackathon, sowie Inspiration für Hongkong und Chongqing studentische Konferenzen.↩2345
- Taiwan Hacker Conference HITCON (offizielle Website) — Offizieller Jahresindex von 2005 bis 2026, sowie eigenständige Seiten für HITCON Community, Enterprise, CTF, Pacific, Defense, CISO Summit, CyberRange und andere zielgruppenspezifische Formate.↩23